„Migrationshintergrund spielt keine Rolle“

Fachdienst Migration und Teilhabe stellt Wirtschaftsbetriebe im Landkreis vor

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Erfolgreich in Rehburg (von links): Die Gesellinnen Sandra Tümler und Sema Çil mit ihrer Chefin Saime Sahin sowie Claudia Eckhardt vom Fachdienst Migration und Teilhabe. Auf dem Foto fehlt Simone Injoschi.

Landkreis - Es gibt zahlreiche Wirtschaftsbetriebe, die von Migrantinnen und Migranten im Landkreis Nienburg geführt werden – von Menschen, die in erster, zweiter oder dritter Generation hier leben, sich eine eigene Existenz aufgebaut und Arbeitsplätze im Landkreis geschaffen haben.

Ein Beispiel für solch erfolgreiche Migranten ist Saime Sahin, berichtet der Fachdienst Migration und Teilhabe des Landkreises. Im Jahr 2006 machte sich Sahin als Friseurmeisterin selbstständig, zuerst als mobiles Gewerbe, seit 2007 in ihrem eigenen Salon in Rehburg.

Sie beschäftigt insgesamt drei Angestellte, davon zwei Minijobberinnen. Die gebürtige Türkin ist im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Wunstorf gekommen und ist mittlerweile deutsche Staatsbürgerin. Als Erwachsene hat sie noch einmal kurze Zeit in der Türkei gelebt, eine Möglichkeit, Kultur und Geschichte dieses Landes kennenzulernen und in der Nähe ihrer dortigen Verwandtschaft zu sein. Nach zwei Jahren kam sie zurück nach Deutschland zu ihren Eltern und Geschwistern, in ihren alten Ausbildungsbetrieb. Die Weiterbildung zur Friseurmeisterin erfolgte dann parallel zur Arbeit, mit Unterstützung ihrer Eltern und ihres Mannes bei der Erziehung ihrer damals zehnjährigen Tochter. Ihr Meistertitel gehöre daher auch ihnen, so die dankbare Feststellung von Friseurmeisterin Sahin.

Ihre Eltern wurden damals als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland eingeladen, erst der Vater, zehn Jahre später folgte die Familie. Zwei ihrer Geschwister sind Angestellte, ihr Bruder ist als Kfz-Meister ebenfalls selbstständig, ihre Tochter studiert Maschinenbau.

Die Idee zur Selbstständigkeit sei während einer Krankheitsphase nach der Meisterschule entstanden, angeregt und ermuntert durch ihre Kundschaft, die sie im Gespräch als zweite Familie bezeichnet. „Wer nicht aus Rehburg kommt, ist Ausländer, aber wenn sie einen kennen, geben sie das letzte Hemd. Mein Migrationshintergrund spielte nie eine Rolle“, sagt Saime Sahin, „manche Zugewanderte benötigen allerdings Unterstützung“. Die Friseurmeisterin gründete in der Rehburger Moschee eine Frauengruppe, später war sie fast zehn Jahre im Bereich Integration und Kulturvermittlung engagiert.

Zusammen mit anderen engagierten Rehburgerinnen, wie zum Beispiel Evelyn Rossa und Brigitte Hoener, bot sie Koch- und Backtreffs sowie Hausaufgabenhilfe im Jugendzentrum an. Zu Beginn ihrer Selbstständigkeit fuhr sie dieses Engagement zurück, mittlerweile arbeitet sie, so weit es ihre Arbeit zulässt, ehrenamtlich im Vorstand der türkischen Moscheegemeinde. Unterstützung fachlicher Art für die Betriebsgründung ihres Friseursalons „Style & Smile“ erhielt Saime Sahin durch die Wirtschaftsförderung im Landkreis Nienburg GmbH (WIN). Eine 70- bis 80-Stunden-Woche sei normal, die selbstständige Arbeit müsse man lieben, sonst sei dieses Pensum nicht zu schaffen.

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