Nach 30 Jahren wieder vor Gericht 

Fall Rettberg: Mörder erneut auf Anklagebank in Verden

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Der Angeklagte Andreas W. soll den Hobby-Angler Wilhelm Rettberg ermordet haben. Beim ersten Prozesstag wurde er mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt.

Verden/Nienburg – Von Wiebke Bruns. Ein bereits wegen Mordes verurteilter Angeklagter muss sich seit Mittwoch wegen eines weiteren Mordes vor dem Landgericht Verden verantworten.

Seit rund 30 Jahren sitzt der gebürtige Nienburger bereits im Gefängnis und seit Mittwoch wieder auf derselben Anklagebank wie im Jahr 1989. Im aktuellen „Cold-Case“-Prozess muss sich der 55-Jährige wegen des Mordes an dem Angler Wilhelm Rettberg im Jahr 1984 verantworten.

Es war kurz nach 9 Uhr, als der Angeklagte am Mittwoch in Handschellen in den Schwurgerichtssaal des Verdener Landgerichts geführt wurde. So wie in seinem ersten Mordprozess trägt er langes Haar. Mittwoch zum Zopf gebunden, damals offen. Er nimmt denselben Platz ein, wie schon 1989. Am Mittwoch versteckte er sein Gesicht hinter einem Aktenordner, zumindest solange die Kameras auf ihn gerichtet sind. Während Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt die Anklageschrift verliest, schüttelt er manchmal den Kopf, wirkt fast ein bisschen genervt.

Der Angeklagte Andreas W. soll den Hobby-Angler Wilhelm Rettberg ermordet haben. Beim ersten Prozesstag wurde er mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt.
Wilhelm Rettberg wurde in Nienburg ermordet. 

Am Abend des 3. Juli 1984 soll der damals 20 Jahre alte Angeklagte mit zwei anderen Männern in einer Nienburger Gaststätte gesessen haben. Zwei Bier habe er getrunken. Der heute 55-Jährige habe damals von Sozialhilfe gelebt und „regelmäßig Eigentumsdelikte“ begangen, um an Geld für Alkohol und Drogen zu gelangen. Nach Mitternacht wollten die Anderen in eine Disco aufbrechen, heißt es in der Anklageschrift. Der Angeklagte sei losgezogen, um nach einem Opfer Ausschau zu halten.

Mit Flasche Hals aufgeschnitten

Dies soll er in dem Hobby-Angler Wilhelm Rettberg gefunden haben, der im Bereich des Weserwalls „Taumarden“ gesammelt habe. Die Ermittler rekonstruierten, dass der 49-Jährige von hinten mit einer Kornflasche niedergeschlagen wurde. Dann soll der Angeklagte die Kleidung des Bewusstlosen durchsucht haben. 300 bis 380 Mark sowie eine silberne Uhr im Wert von zirka 15 Mark habe er gestohlen. „Um den Tod sicher herbeizuführen“, soll er dem Opfer weitere Schläge mit einem faustgroßen Stein zugefügt und dem Angler den Kehlkopfbereich mit dem zerschlagenen Flaschenhals aufgeschnitten haben. „In der Erwartung, dass er ertrinken werde“, wurde der Geschädigten in die Weser gezogen.

Für den Mord an dieser Stöckserin ist Anreas W. bereits verurteilt worden.

Schon damals stand der Angeklagte unter Verdacht, doch die Ermittlungen wurden eingestellt – der Mord an dem Hobbyangler wurde ein ungeklärter, sogenannter kalter Fall (Cold Case). Jahrzehnte später nahm die Staatsanwaltschaft Verden die Ermittlungen wieder auf, nach einem Bericht im Jahr 2017 in der Sendung „Aktenzeichen XY“ geriet der 55-Jährige nach einem Zeugenhinweis erneut in den Focus. Da saß er bereits fast 30 Jahre in Haft, weil er 1988 eine 78 Jahre alte Frau aus seiner Nachbarschaft in Stöckse bei einem Einbruch vergewaltigt und ermordet hatte.

Im aktuellen Prozess will sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen äußern. Mit einem deutlichen „Nein“ beantwortete er eine entsprechende Frage des Vorsitzenden Richters Volker Stronczyk, der von einem „besonderen Verfahren“ sprach. „Er sieht das gelassen“, sagte nach Sitzungsende Verteidiger Jochen Zersin über seinen Mandanten. Dieser bestreite die angeklagte Tat.

Der Angeklagte Andreas W. musste sich bereits 1989 vor dem Verdener Gericht für einen Mord verantworten. Für die Tötung einer Stöckserin wurde er verurteilt. Jahre zuvor soll er bereits Wilhelm Rettberg getötet haben.

Weil der 55-Jährige bei der Tat Heranwachsender war, kommt eine Jugendstrafe in Betracht. Zwölf weitere Verhandlungstage sind für den Prozess vorgesehen. Ein Urteil wird nicht vor dem 12. August erwartet.

Quelle: kreiszeitung.de

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