Cold Case Rettberg 

Schwester sagt im Angler-Prozess aus

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Der Angeklagte Andreas W. soll den Hobby-Angler Wilhelm Rettberg ermordet haben. Beim ersten Prozesstag wurde er mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt.

Verden/Nienburg - Viele Zeugen in dem „Cold Case“-Mordprozess am Landgericht Verden geben an, sich nicht oder kaum noch an Geschehnisse und Begegnungen vor 35 Jahren erinnern zu können. Anders verhält es sich bei der Schwester des im Juli 1984 getöteten Wilhlem Rettberg. Der heute 82-Jährigen wurde mit der Tat der ältere Bruder genommen.

Der 55 Jahre alte Angeklagte, der in dem Prozess schweigt und wegen eines anderen Mordes bereits seit 30 Jahren im Gefängnis sitzt, sei ihr völlig unbekannt, erklärte die Zeugin. Um an Geld zu gelangen, weil er noch in die Disco wollte, soll der aus Stöckse stammende Angeklagte den Mord begangen haben. Eigentumsdelikte waren ihm nicht fremd.

Doch Wilhelm Rettberg war kein reicher Mann. „Er hat nicht übermäßig viel gehabt. Er war Hilfsarbeiter“, berichtete seine Schwester. Zum Zeitpunkt der Tat war er arbeitslos. „Da hat er „Stempelgeld“ bekommen“, berichtete die Zeugin aus Leeseringen.

Am Morgen des 4. Juli 1984 wurde Wilhlem Rettberg tot am Ufer der Weser gefunden. Wann sie ihn zuletzt gesehen habe, wollte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk von der Zeugin wissen. „Ich würde sagen, zwei Tage vorher. Er wohnte bei unserer Mutter, aber er war viel bei uns.“ So hatte sie es auch vor 35 Jahren ausgesagt. Am 2. Juli gegen 12.30 Uhr sei er zuletzt bei ihr gewesen. „Er kam oft zu uns, um sich Bleie für das Angeln zu holen“, protokollierten die Beamten damals. Angeln sei sein großes Hobby gewesen, berichtete die Schwester in dem Prozess.

Feinde habe er keine gehabt 

Bei der Tat sollen zwischen 300 und 400 DM geraubt worden sein. Konkret ließ sich dies mit Hilfe der Schwester nicht feststellen. Die geraubte Taschenuhr sei nicht wertvoll gewesen, so die Schwester. „Die hatte er auf einer Butterfahrt gekauft.“

Feinde habe ihr Bruder keine gehabt. „Er war ein ganz ruhiger Typ“, notierten die Beamten damals. „Ja, das stimmt“, merkte die Schwester nun an. Zum Zeitpunkt der Tat hätte man ihn zu einer Geburtstagsfeier erwartet. Bekannte hätten damals schon angerufen gehabt, weil sein Fahrrad am Weserwall gesehen worden war.

Der damalige Obduktionsbericht wurde im Anschluss an die Zeugenaussage verlesen. „Schwerste mehrfache Gewalteinwirkungen“ hatte der Rechtsmediziner damals festgestellt. Nicht ausgeschlossen werden konnte, dass das Opfer mit Schnappatmung ins Wasser abgelegt worden sei. Vermutlich nach Mitternacht sei der Tod eingetreten.

Andere Zeugen können sich nicht mehr so gut erinnern wie die Schwester. Die Tochter des Wirts, bei dem der Angeklagte die Stunden vor der Tat verbracht haben soll, gab an, sich an nichts erinnern zu können. Und auch ein pensionierter Hauptkommissar konnte dem Gericht in diesem Fall nicht weiterhelfen. Dafür aber vielen anderen Opfern, denn er leitete rund 30 Jahre die Außenstelle des Weißen Rings in Nienburg.

wb

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