„Sammel und Surium“ in der GalerieN / Das bewusste Denken stößt an seine Grenzen

Fast wie eine Mini-„documenta“

Inge Müller präsentiert noch bis Ende Februar in der Nienburger GalerieN ihre Ausstellung mit dem Titel „Sammel und Surium“ – ein Ausschnitt aus ihrem Lebenswerk.

Nienburg - Von Jens HeckmannNIENBURG · Auf den ersten Blick meint der Gast, in einer Art „Museum der Alltäglichkeiten“ gelandet zu sein. Doch wie immer trügt der Schein. Zwar ist unter dem, was Inge Müller seit Sonntag in der GalerieN an der Leinstraße in Nienburg zeigt, viel Museales, und fast alles scheint alltäglich. Doch Müllers „Sammel und Surium“ hat mit ihren Komponenten wie in der Gesamtkomposition die Galerie in eine Mini-„documenta“ verwandelt.

Eine solche aus dem Banalen des Lebens geborene Gesamtschau ist ein Novum für die Kunst in Nienburg und darüber hinaus.

Lobende Worte fand auch Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes. Bei der mit mehr als 130 Gästen ungewöhnlich gut besuchten Eröffnung würdigte er die Ausstellung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass es in Nienburg überhaupt eine Einrichtung wie die GalerieN gibt: Das unterstreiche den Stellenwert, den Kunst und Kultur im städtischen Leben Nienburgs einnähmen. Onkes lud dazu ein, in den kommenden Wochen die Ausstellung und ihre Botschaften zu entdecken, die sich manchmal erst im zweiten Anlauf erkennen ließen.

Die ebenso vielfältige wie bemerkenswerte Schau sorgte bereits vor der Eröffnung für Interesse: Ein Mitarbeiter aus dem Stab der „documenta“ in Kassel war auf die Ausstellung in Nienburg aufmerksam geworden und hatte Inge Müller und ihr Team noch während des Aufbaus besucht. „Ich glaubte erst an einen Scherz. Aber der Herr war echt“, freute sich die Künstlerin. Der Besucher aus Kassel zeigte sich sehr interessiert. Gut möglich, dass bei der nächsten „documenta“ im kommenden Jahr auch Arrangements aus der Weserstadt zu sehen sind.

In der Tat hat Inge Müller mit viel Fantasie und Kreativität aus Gegenständen des Alltäglichen Neues geschaffen. Einfühlsam und mit Respekt vor dem Hintergründigen macht sie die „Magie der einfachen Dinge“ sicht- und erlebbar. Das bewusste Denken des Betrachters stößt schnell an seine Grenzen und spürt mehr als es sieht die Botschaft im Gezeigten.

Die Madonnen-Figur und die Heiligen-Bildchen scheinbar zufällig inmitten eines Regals voller Krimskrams wirken wie eine symbolhafte Darstellung abendländischer Kulturwurzeln und wie eine stille Abrechnung mit dem Verkümmern dieser Wurzeln zur Bedeutungslosigkeit des Banalen. Die Schublade mit dem Stahlhelm, den vergilbten Plastikrosen, dem Nachttopf und dem Rucksack sorgen für Gänsehaut – wichtige Stationen eines vergangenen Lebens, zugleich ihre vermeintliche Sinnlosigkeit, wie zusammengekehrt auf einem halben Quadratmeter komprimiert.

„Sammel und Surium“ ist ein Ausschnitt aus dem Lebenswerk der Künstlerin, ein Abenteuerland für die Sinne. Überall gibt es etwas zu Entdecken. Bilder, Masken, Installationen, Kompositionen. Alles atmet Geschichte. Doch Inge Müller hat sich von dem vordergründigen Wesen der Dinge gelöst und Neues geschaffen; ausgearbeitet, was sie sieht und was „eigentlich“ nicht da ist.

Die Exponate der Ausstellung „Sammel und Surium“ sind bis Ende Februar in der GalerieN in Nienburg (dienstags bis freitags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr) zu sehen.

Quelle: kreiszeitung.de

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