Ehepaar Pacheco begeistert in Bücken

„Fliegende Hände“ treffen auf Sopran

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Sopranistin Anna Rabea Pacheco begeistert mit Pianist Jorge Luis Pacheco ihr Publikum in der Kleinkunstdiele.

Bücken - Von Horst Friedrichs. Wenn seine Finger wirbeln, spielen die Klaviertasten verrückt: Jorge Luis Pacheco stammt aus Kubas Hauptstadt Havanna und ist ein Jazzpianist von Weltruf.

Am Sonnabend gastierte er zum vierten Mal in der Kleinkunstdiele Bücken. Gemeinsam mit der Sopranistin Anna Rabea Pacheco, seiner Ehefrau, faszinierte er das Publikum im ausverkauften Haus.

Konzertkritiker rühmen Pacheco wegen seiner „flying hands“, und ebendiese, seine „fliegenden Hände“ vollbrachten in Bücken das Kunststück, ein schweres Klavier mit karibischer Leichtigkeit auszustatten und dem norddeutschen Marschland scheinbar entschweben zu lassen – hinaus in die Abendsonne, die auf die Kulturstätte des Marktfleckens einen Hauch jener Klangwelten projizierte, in denen die Pachecos diesseits und jenseits des Atlantik zu Hause sind.

Kaum mit Blicken zu verfolgen ist die Rasanz, mit der die Filzhämmer des offenen Klaviers den „Befehlen“ der fliegenden Hände und der wirbelnden Finger folgen. Jorge Luis Pacheco entlockt dem Piano Klangkaskaden ohnegleichen und inthronisiert sich mit jugendlicher Leichtigkeit zum „Lord of the Ivories“, wie man die begabtesten Pianisten im alten New Orleans nannte – damals, als die weißen Klaviertasten noch aus Elfenbein und die schwarzen aus Ebenholz gefertigt wurden.

Die geografische Nähe seiner kubanischen Heimat zur Geburtsstätte des Jazz hat für Pacheco ohnehin eine vielschichtige Bedeutung, gekrönt von der Zusammenarbeit mit dem weltberühmten Trompeter Wynton Marsalis, der einer bedeutenden Musikerfamilie in New Orleans entstammt.

Musikalische Meilensteine markieren Jorge Luis Pachecos Weg, seit er 2007 den ersten Preis in einem internationalen Wettbewerb für junge Jazzmusiker gewann. Drei Jahre später wurde Wynton Marsalis während eines Gastspiels mit dem Jazzorchester des New Yorker Lincoln Centers in Havanna auf Pacheco aufmerksam. Die geradezu augenblickliche Folge von Marsalis’ kubanischer Entdeckung war ein Gastkonzert Pachecos im Lincoln Center, der Stammadresse des Trompetengenies im Big Apple. Dort, in der Kulturhauptstadt der Welt, erweckte Jorge Luis Pacheco große Aufmerksamkeit.

Nach Auftritten in Jazzclubs und Konzertsälen mit wohlklingenden Namen folgte 2014 als Höhepunkt seiner Karriere die Teilnahme am Montreux Jazz Festival in der Schweiz, gekrönt vom ersten Platz im Wettbewerb. Als im vergangenen Jahr das New Yorker Harlem-Havanna Musik- und Kulturfestival zum Leben erweckt wurde, gehörte Pacheco zum Kreis der mitwirkenden Jazzgrößen.

In Bücken stellten Anna Rabea und Jorge Luis Pacheco ihre vollkommene musikalische Harmonie unter Beweis und rissen das Publikum mit ihrem neuen Programm zu wahren Begeisterungsstürmen hin. In einem Vorbericht war das Konzert als „atemberaubend“ angekündigt worden – was nachträglich als tiefgestapelt bezeichnet werden darf. Denn die mutmaßliche Spanne der Reaktion war viel, viel weitreichender – vom Gänsehautgefühl bis hin zu lauten Beifallsausbrüchen.

Mit einer virtuellen dritten Hand, auf dem zu seiner Rechten positionierten Keyboard, erzeugte Pacheco Klangsynthesen, die – sowohl solo als auch in der Begleitung der Sängerin – bisweilen in geradezu psychedelische Höhenflüge mündeten.

Eine milde Abendsonne und beinahe frühlingshafte Temperaturen empfingen die Künstler und ihr Publikum in der Kleinkunstdiele. „Das Konzert war sehr schnell ausverkauft“, sagte Inhaber Peter Klein in seiner Begrüßungsansprache. „Leider mussten wir vielen Musikfreunden absagen.“ Die Zahl der Plätze in der Kleinkunstdiele ist auf 80 begrenzt. Jene, die es geschafft hatten, diese Plätze zu ergattern, folgten denn auch routiniert der Tradition, die Musiker „hereinzuklatschen“.

Quelle: kreiszeitung.de

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