Film „Äthiopien hautnah“ zeigt außergewöhnliches Hilfsprojekt eines Chors

„Musik hat eine unglaubliche Kraft“

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Wilhelm Torkel.

Bücken - Von Jana Wohlers. Ein Chor, gegründet zugunsten einer Schule in Äthiopien, eine Reise, die unvergessen bleiben wird, und eine große Portion guter Wille – was die Mitglieder des Chors „Choriginell“ auf die Beine gestellt haben, ist einzigartig.

„Das ist doch verrückt, hat man mir gesagt“, scherzte Musikpädagoge und Initiator Wilhelm Torkel am Mittwochabend. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Geschichten von hinter dem Horizont“ lauschten rund 20 Zuhörer in der Kleinkunstdiele in Bücken nicht nur fasziniert den Erzählungen von Torkel und einigen anderen Chormitgliedern, sie wurden selbst Teil der Äthiopien-Reise: Chorsängerin Helma Schröder hatte sich kurz vor dem Beginn der Reise als professionelle Filmemacherin entpuppt. „So kam es, dass wir die Reise überhaupt in Form von Filmen festhalten konnten – geplant war das nicht“, verriet Torkel. Die Gäste in Bücken sahen sich den Film an.

Aus Schülern, Ehemaligen und Kollegen der Integrierten Gesamtschule (IGS) Osterholz-Scharmbeck sowie weiteren engagierten Sängern hatte sich unter der Leitung von Wilhelm Torkel der Projektchor „Choriginell“ gebildet. Das Ziel: Die Einnahmen sollten dem seit Jahren in Äthiopien engagierten Ehepaar Hohmann zur Verfügung gestellt werden, um die Entwicklung direkt vor Ort zu unterstützen. Insbesondere stand die „Dipza Junior School“ in Debre Marcos, mit der die IGS durch eine Partnerschaft verbunden ist, im Fokus. Sie zeichnet sich durch ihre zunehmende Integration von blinden und sehbehinderten Schülern aus.

Torkel war die Idee gekommen, zusammen mit „Choriginell“ nach Äthiopien zu reisen, um Musik zu machen. „Es kamen schnell Zweifel und Ängste auf, die meisten aus Unwissenheit begründet“, sagte der Musikpädagoge in der Kleinkunstdiele und zitierte: „Dem Unwissenden erscheint selbst ein kleiner Garten wie ein Wald.“

Eins der Ziele war es, auch jene Chormitglieder mitzunehmen, die sich die Reisegebühren eigentlich nicht leisten konnten. Doch egal, wie viele Steine sich dem Chor in den Weg legten, am Ende saßen zwölf Chormitglieder im Flugzeug Richtung Äthiopien. „Wer positiv an eine Sache rangeht, der schafft alles. Das ist mir in dieser Zeit sehr deutlich geworden“, erklärte Torkel.

Helma Schröder hielt die Reise mit ihrer Kamera fest. „Ich habe mit minimaler Ausrüstung gefilmt“, sagte sie. „Trotz regelmäßiger Stromausfälle habe ich es irgendwie geschafft, die Akkus zu laden.“

Entstanden ist daraus der Film „Äthiopien hautnah“. Der Titel steht symbolisch für den Inhalt: Gefilmt wurde dort, wo das Leben in Äthiopien pulsiert – auf den Straßen, in kleinen Dörfern. Die Kamera hielt Helma Schröder in der Hand. Die Filmaufnahmen wackeln, wenn über kaputte Straßen gefahren wurde. Die Zuhörer hörten das Rauschen der Wasserfälle, wenn der Chor an diesen Halt machte.

Die einzelnen Szenen erscheinen genauso im Film, wie sie aufgenommen wurden. „Alles ist vollkommen authentisch, es gibt keine gestellten Szenen“, verriet Schröder.

Die Gäste in der Kleinkunstdiele verfolgten die Reise von „Choriginell“ vom Flug nach Äthiopien bis hin zum schweren Abschied aus dem liebgewonnenen Land, sahen die Besuche verschiedener Institutionen und Orte und erhielten einen einzigartigen Einblick in das Land.

Insbesondere die zahlreichen Filmausschnitte in den Schulen erzeugten Gänsehaut. Hier starteten die Chormitglieder das Projekt des gemeinsamen Singens. „Die Schüler haben sich englische Lieder gewünscht. Die durften natürlich nicht zu schwer sein“, sagte Torkel. Letztendlich wurde viel Gospel gesungen. „Das war eine einmalige Erfahrung, wenn Hunderte Menschen verschiedener Kulturen zusammen Musik machen“, bilanzierten die Chormitglieder im Film.

Wilhelm Torkel erinnert sich gerne an die Äthiopien-Reise zurück: „Musik hat eine unglaubliche Kraft. Sie bringt Menschen zueinander, lässt aus Enge Nähe werden.“ Und genau diese Situation stellte Torkel in der Kleinkunstdiele nach: Er stimmte auf dem Klavier einen Gospel an, und alle Besucher sangen begeistert mit.

Quelle: kreiszeitung.de

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