Filmpalast zieht an den Nienburger Hafen

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

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Die entscheidenden Triebfedern des geplanten Kinocenters vor dem alten Filmpalast: Bürgermeister Henning Onkes, Holger und Sandra Glandorf sowie Walter Meinders (v.l.).

Nienburg -Von Leif Rullhusen. Die Geduldsfäden von Holger Glandorf hatten in den vergangenen Monaten einiges auszuhalten. Jetzt können sie sich entspannen. Der Betreiber des Nienburger Filmpalastes hat einen Standort für sein neues Kino in Nienburg gefunden.

 Der Neubau wird – wie sich bereits abzeichnete – nun definitiv zwischen der Brückenstraße und dem Nienburger Hafen entstehen. Das teilten Glandorf, sein Projektkoordinator Walter Meinders und Bürgermeister Henning Onkes am Dienstag in einem Pressetermin mit. Zudem präsentierten sie die aktuellen Pläne für den neuen Kinocenter, der unter seinem Dach sieben Säle vereinen wird. Die bieten Platz für insgesamt 765 Besucher. Die Pläne sind gleichermaßen überraschend, wie beeindruckend. Denn der Neubau präsentiert sich fernab der sonstigen würfelartigen Kubus-Bauweise moderner Kinocenter. Stattdessen blicken Besucher und Passanten von der Brückenstraße aus zukünftig auf eine flache, lediglich sieben Meter hohe und etwa 40 Meter breite elegante Glasfassade. Möglich macht das die einzigartige Topografie des Geländes (der Blickpunkt berichtete).

Neuer Filmpalast entsteht an der Brückenstraße

Lange hatte Glandorf nach einem geeigneten Standort gesucht. Pläne, in direkter Nachbarschaft des jetzigen Standortes auf dem Gelände der ehemaligen Post zu bauen, scheiterten. 

Auch ein Grundstück der Metro-Gruppe am Kräher Weg war in den Fokus von Glandorf gerückt. Die Kaufverhandlungen erwiesen sich als äußerst zäh. Zudem erreichte es bei der Standortanalyse nur eine Übereinstimmung von 72 Prozent mit den Anforderungen.

Idealer Standort für Kino in Nienburg

Das Areal zwischen Hafen und Brückenstraße erreichte dagegen 98 Prozent. Im März dieses Jahres zauberte Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes diese nun realisierte Variante aus dem Hut. In direkter Nachbarschaft zum jetzigen Kino, innenstadtnah und mit der idealen Topografie für ein Kino hatte die Variante nur einen Haken: Das Grundstück gehörte dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA). Die notwendigen Bebauungsplanänderungen gingen mit voller Unterstützung der Politik schnell über die Bühne, der Grundstücksverkauf zog sich bis jetzt. „Wir haben nun die offizielle Zusage vom WSA“, erklärte Onkes gestern. Gegenwärtig würden die vertraglichen Modalitäten erarbeitet. „Es gibt keine Standortalternative mehr“, ergänzte Meinders. Den anderen Grundstücksanbietern habe man bereits abgesagt. „Diese Türen sind zu.“ Neben dem Grundstück am Kräher Weg soll noch eine Alternative außerhalb der Stadt im Rennen gewesen sein.

Nun wird alles ganz schnell gehen: Der Bauantrag liegt bereits bei der Stadt und schon im kommenden Monat könnten die Bagger anrücken. Wenn der Winter mitspielt, könnte Holger Glandorf sein ehrgeiziges Ziel, im kommenden Herbst die Eröffnung gemeinsam mit der Premiere des neuen James Bond feiern. Einen ganz großen Anteil daran habe Bürgermeister Henning Onkes, der sich intensiv für den Kauf des Grundstückes eingesetzt habe, betont Investor Glandorf.

Mit dem neuen Kinocenter am Nienburger Hafen vergrößert sich nicht nur die Zahl der Sitzplätze und der Säle um mehr als das Doppelte, auch neue Arbeitsplätze werden entstehen. Zwischen 25 und 30 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, will Holger Glandorf am neuen Standort beschäftigen. Bleiben wird der Name Filmpalast. „Mit einem Zusatz. Diesbezüglich sind wir für Ideen noch offen“, berichtet Glandorf. „'Kino am Hafen' ist eine Möglichkeit.“

Einst ein Kaufhaus

Der aktuelle Standort des Nienburger Filmpalastes an der „Film-Eck-Kreuzung“ blickt auf eine lange Tradition zurück. Vor 105 Jahren ursprünglich als Kaufhaus gebaut, übernahm Kinopionier Willi Gehrcke die Immobilie 1937 und eröffnete dort das „Film-Eck“. 860 Besuchern bot der riesige Vorführraum damals Platz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war mit den Filmvorführungen im „Film-Eck“ zunächst einmal Schluss. Denn von 1945 bis 1955 belegten die englischen Besatzungsmächte das Kino. Als die Engländer abzogen, kehrte Willi Gehrcke zurück. Bis zu seinem Tod führte er Hollywoodstreifen, Heimatfilme oder auch Italo-Western vor. Danach setzte seine Frau Luise sein Werk fort. Im Jahr 1973 übernahm Heike Spannhake das Ruder des „Film-Ecks“ und betrieb es bis 2012. Seit fünf Jahren lenkt nun Holger Glandorf die Geschicke des traditionsreichen Lichtspielhauses.

Er hauchte dem alten Kino neues Leben ein, investierte – so weit möglich – in moderne Technik und Umbauten. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten und der alten Bausubstanz stieß Glandorf aber zunehmend an Grenzen, die ihn zum Handeln zwangen. „Vor allem durch die Digitalisierung ist der Markt so schnell geworden, dass wir jede Woche neue Filme zeigen müssen“, erklärt Glandorf. Wenn ein Neustart bei ihm nur eine Woche später anlaufe, habe er bis zu 50 Prozent Einnahmeverluste. Es gebe derzeit ein Potenzial am Markt, das mit dem alten Filmpalast nicht genutzt werden könne, ergänzt Meinders. Die in der Vergangenheit häufig gemachten Vermutungen, mit dem neuen Kino würden die Preise steigen, seine falsch, versichert der Projektkoordinator.

Nun sind die Tage des alten Fimpalastes an der Filmeck-Kreuzung endgültig gezählt. Sollte alles nach Plan laufen, zieht der Inhaber im Herbst 2018 in den neuen Filmpalast an der Brückenstraße um und an dem traditionsreichen Kinostandort gehen nach über 105 Jahren dann für immer die Lichter aus. Zwar gibt es bereits Interessenten an der traditionsreichen Immobilie, doch ein Kino wird dort sicherlich nicht einziehen.

Die weitere Entwicklung: Im November noch kein Baustart in Sicht

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