Frust statt Fitness

Fitnessstudios im Landkreis Nienburg geschlossen

Trainer mit Hantel gibt einen Online-Kurs über Zoom.
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Bruno Schulz, Trainer bei der Fitness Factory, gibt seinen Kurs „Muskel-Express“ während des Lockdowns online über Zoom.

Landkreis - Bis zur letzten Minute hatten sie gehofft, doch Ende Oktober hat die Bundesregierung einen Beschluss gefasst, der Fitnessstudiobetreiber hart getroffen hat. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr mussten Fitnessstudios bundesweit am 2. November ihre Türen schließen. 

Das sorgt auch für angespannte Stimmung bei den Fitnessstudiobetreibern im Landkreis Nienburg. „Man kann nicht den Fitness- und Gesundheitssektor für die steigenden Zahlen verantwortlich machen“, meint Kathrin Oldenburger, Geschäftsführerin des Fitness-Wellnessstudios Medi-Fit in Nienburg. „Fitnessstudios sind kein Infektionsherd. Das belegen auch die Statistiken.“

Noch nicht vom ersten Lockdown erholt

Detlef Engelking, Geschäftsführer der Fitness Factory in Holtorf hätte sich bei der Entscheidung mehr Feingefühl gewünscht. „Die Politik muss harte Entscheidungen treffen, die ich selbst auch nicht gern treffen würde.“ Laut Engelking hätte jedoch schon früher mit weiteren Maßnahmen reagiert werden und ein Gremium mit Experten zu Rate gezogen werden müssen, um eine komplette Schließung zu verhindern. „Ich habe wirklich gedacht, dieses Mal sind wir nicht betroffen“, sagt Lukas Swiatkowski, Trainer bei der Fitness Factory. „Wir haben uns immer noch nicht vom ersten Lockdown erholt und jetzt müssen wir einen zweiten stemmen.“

„Ich war ehrlich überrascht über die Schließungsanordnung“, sagt Jens Meier, Geschäftsführer vom Balance Fitness- & Gesundheitsstudio in Steyerberg. „Ich kann nicht verstehen, dass Fitnessstudios neben Hotellerie und Gastronomie als Treiber der Pandemie angesehen werden. Die Studios haben alle Hygienemaßnahmen vorschriftsgemäß umgesetzt und dafür auch viel Geld in die Hand genommen.“

Medi-Fit streamt live den Kurs von Trainerin Joanna Meinking für den Youtube-Kanal. 

Für viele Mitglieder sei das Training nicht bloß ein Hobby, sagt Kathrin Oldenburger. „Besonders Menschen mit Rückenleiden, Diabetes oder Osteoporose sind auf das Training im Studio angewiesen. Man nimmt unseren Mitgliedern nun die Möglichkeit, sich fit zu halten.“ Besonders jetzt in der kalten und dunklen Jahreszeit sieht Oldenburger dies als problematisch. „Im Sommer konnten die Leute immerhin auf Outdoor-Sport ausweichen.“

Die Studios haben nun nicht nur mit Rückbuchungen der Mitgliedsbeiträge zu kämpfen. Auch Kündigungen würden nun vermehrt eintreffen. Zudem fehle es an Neuverträgen, um diese wieder aufzufangen, erklären die Studiobetreiber. Doch viele Mitglieder solidarisieren sich auch mit ihren Studios. Seien es aufmunternde Worte, kleine Geschenke oder Zuspruch über die sozialen Medien. „Unsere Mitglieder sind super und unterstützen uns, wo sie können. Dafür sind wir wirklich dankbar“, sagt Oldenburger.

Betreiber setzen auf digitale Inhalte

„Als wir erfahren haben, dass wir wieder schließen müssen, haben wir sofort reagiert. In einer zusätzlichen Nachtschicht haben wir unseren Online-Club ins Leben gerufen“, erklärt Lukas Swiatkowski. Über den Videokonferenzdienst Zoom und in Kooperation mit dem Studio Perfect Sports aus Celle bietet die Fitness Factory eine bunte Palette an Online-Kursen an, die sogar für Nicht-Mitglieder zugänglich sind.

„Das Angebot wurde schon in der ersten Woche super angenommen, wir hatten rund 150 Teilnehmer“, sagt Swiatkowski. Medi-Fit bietet seinen Mitgliedern auf der Videoplattform Youtube jeweils morgens und abends Live-Workouts sowie einen Newsletter mit Ernährungs-und Gesundheitstipps. Das Balance Fitness- und Gesundheitsstudio postet via Facebook Übungsvideos zum Mitmachen.

Zudem haben die Studios ihr Equipment verliehen. „Von Kettlebells über Hanteln oder Matten, wir haben rausgegeben, was wir konnten“, sagt Detlef Engelking. „Das Studio hier ist wie leergefegt“, bestätigt auch Oldenburger lachend.

Wie es für die Studios im Dezember weitergehen könnte, darüber ist sich Jens Meier alles andere als im Klaren. „Es ist alles offen. Bisher wissen wir nicht, worauf wir überhaupt hinarbeiten können.“ Oldenburger hat noch Hoffnungen, die Türen im Dezember wieder für ihre Mitglieder öffnen zu dürfen. „Wir versuchen, positiv zu bleiben. Etwas anderes bleibt uns ja auch gar nicht übrig.“

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