Gespräch über religiöse Grenzen hinweg

Forum des Gedenkens am Sonntag im Nienburger Ratssaal

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Karolina und Mosche (Mitte) vertraten das Likrat-Projekt bei einer Schulveranstaltung der AG Für den Frieden der KGS Rastede.

Nienburg - Jugendliche des „Likrat“-Begegnungsprojektes nehmen am Forum des Gedenkens am kommenden Sonntag im Nienburger Ratssaal teil.

„Likrat“ ist ein Programm des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der Titel ist ein hebräisch und bedeutet soviel wie „auf einander zu“. Es ist ein Begegnungsprojekt, das nichtjüdischen Schülern und jungen Erwachsenen ermöglicht, auf gleichaltrige Juden zuzugehen. Nach den bisherigen Erfahrungen des Programms ist es gerade die Gleichaltrigkeit, die das Spannende an dieser Form des Dialogs ausmacht. 

Sie erleichtert ein unbefangenes Gespräch „auf Augenhöhe“. Dabei beantworten die jungen „Likratinos“ – so die Bezeichnung der jüdischen Teilnehmenden – Fragen über das Judentum und sprechen über ihr Selbstverständnis und ihre Lebenswelt. Auch über Vorurteile und antisemitische Ressentiments kommen die Dialogpartner über die religiösen Grenzen hinweg ins Gespräch.

Für das diesjährige Forum zum Internationalen Holocaust-Gedenktag hat der Arbeitskreis Gedenken den Zentralrat der Juden in Deutschland eingeladen, sich mit seinem Likrat-Programm an der Veranstaltung zu beteiligen. Geplant ist die Mitwirkung eines zweier-Teams von jüdischen Jugendlichen aus der Region. 

Da es ganz normale junge Leute sind, geht es nicht vorrangig um politische Diskussionen oder religiöse Themen. Im Vordergrund werden vielmehr die ganz persönlichen Erfahrungen der „Likratinos“ als deutsche Jüdinnen und Juden stehen. Gleichwohl gilt der Grundsatz, dass alle Fragen gestellt werden dürfen, es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Auch kritische Fragen sind durchaus erwünscht.

Der Arbeitskreis Gedenken hofft, mit diesem Begegnungsangebot möglichst viele Jugendliche und junge Erwachsene aus Nienburg und Umgebung zu erreichen. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema Antisemitismus kommt zu dem Ergebnis, dass rassistische Einstellungen durch persönliches Kennenlernen von Menschen, auf die sich die Vorurteile und Klischees beziehen, häufig rasch verschwinden. Dabei richtet sich das Angebot auch an Lehrkräfte und Jugendpädagogen, die die Begegnung mit Likrat für ihre alltägliche Arbeit mit Jugendlichen auswerten wollen.

Wie in jedem Jahr sind auch wieder Arbeitsgruppen aus Nienburg und der Region eingeladen, ihre Erfahrungen und Auseinandersetzungen mit Antisemitismus und Antiziganismus einzubringen. Bisher zugesagt haben die Projektgruppe Stolpersteine der OBS Marklohe, die AG Für den Frieden Rastede und die Film-AG des cjd/Jugendmigrationsdienstes. Weitere teilnehmende Gruppen und Interessierte sind auch ohne förmliche Anmeldung willkommen. Die Veranstaltung beginnt am Sonntag, 27. Januar, um 11.15 Uhr im Ratssaal der Stadt Nienburg. In den Veranstaltungspausen bietet die Stadt Nienburg Erfrischungen an und lädt zu einem Mittagsimbiss ein. Der Eintritt ist frei, neben der Veranstaltung besteht auch die Möglichkeit, die Ausstellung „Weiße Rose – Studenten im Widerstand gegen die NS-Diktatur“ zu besuchen.

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