Förderverein wehrt sich

Freibad Stolzenau: Massiver Widerstand gegen Zuschüttung 

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Der Saal in Stolzenaus Altem Bahnhof ist voller Menschen, die interessiert an den Planungen für das Freibad Stolzenau sind sitzend Arnd Wiebe, Ton van den Born und Jörg Niemeyer.

Stolzenau - Die Freibäder in Stolzenau und Landesbergen sollen saniert und umgestaltet werden. Aktuelle Pläne beinhalten, Becken zuzuschütten. Das will der Förderverein der Stolzenauer Bades nicht hinnehmen. 

Der kleine Saal in Stolzenaus Altem Bahnhof ist schier übergequollen vor Menschen zur Hauptversammlung des Fördervereins Freibad Stolzenau. Nicht einmal die „Notsitze“ auf den Tischen ringsum reichten aus, um allen einen Platz zu bieten, die Luft war zum Schneiden und die Missstimmung von allen Seiten nahezu greifbar – nicht wegen der beengten Verhältnisse, sondern wegen der geplanten Veränderungen am Freibad Stolzenau.

Wie ist der Stand der Dinge? Das wollte der Förderverein genau wissen. Deshalb hatte der Vorstand um den Vorsitzenden Ton van den Born und seine Stellvertreterin Elisabeth Wiegmann nicht nur die Vereinsmitglieder eingeladen, sondern auch den Leiter des Fachbereichs „Zentrale Dienste und Steuerung“ der Samtgemeinde Mittelweser, Jörg Niemeyer. Der kam gemeinsam mit Arnd Wiebe, Fachdienstleiter Hochbau und Haustechnik der Samtgemeinde. Weiterhin dabei waren etliche Stolzenauer, die als interessierte Gäste wissen wollten, wie es um die Zukunft des Freibades steht – und sich gegebenenfalls auch in die in Aussicht gestellte Diskussion einbringen wollten.

Freibad Stolzenau: Neuer Schwung für Förderverein

Mit einem Statement des Vorsitzenden begann der Abend. Der Verein – vor etwas mehr als einem Jahr noch von Auflösung bedroht – habe sich von rund 100 Mitgliedern innerhalb eines Jahres auf 157 Mitglieder steigern können, gehe jetzt in sein 15. Jahr – und vermisse manchmal die Kompromissbereitschaft der Samtgemeinde. Damit war er beim eigentlichen Thema angelangt, das alle Anwesenden umtrieb: Der Sanierung und Umgestaltung der Freibäder in Stolzenau und Landesbergen, zu der van den Born die Samtgemeinde bat, sie noch einmal zu überdenken. 

Blick in den kleinen Saal im „Alten Bahnhof“. Nicht alle Interessierte fanden Platz, fast alle Besucher waren mit den Plänen der Verwaltung nicht einverstanden.

Dem Verein gehe es darum, dass das derzeitige Nichtschwimmerbecken erhalten bleibe. Zur Untermauerung dieses Ansinnens hatte van den Born zwei Vertreterinnen der DLRG und Birte Hagestedt, die Leiterin der Helen-Keller-Schule – einer Schule für Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen – eingeladen. Die DLRG-Vertreterinnen wiesen darauf hin, wie dramatisch die Zahlen der Kinder, die nicht schwimmen können, zunehmen würden – auch wegen des „Bädersterbens“ in Deutschland. 

Nichtschwimmerbereich in Stolzenau aktuell relevant

Um schwimmen zu lernen sei es zudem sinnvoll, dass ein Herantasten an das Wasser durch einen abfallenden Beckenboden möglich ist – wie jetzt im Schwimmbad vorhanden. Darauf zielte auch Hagestedt ab. Ihre Schüler nutzten das Bad in der Nachbarschaft gerne, insbesondere diese Kinder bräuchten die Chance der Wassergewöhnung. Gebe es den Nichtschwimmer-Bereich nicht mehr, würde vermutlich auch das sommerliche Schwimmfest der Schule ausfallen müssen.

Bevor Arnd Wiebe vorstellte, welches die Planungen und was der Stand der Dinge ist, ergriff Jörg Niemeyer das Wort. Die Zusammenarbeit mit dem Förderverein sei suboptimal, sagte er sichtlich ungehalten. Der Fokus solle doch bitte darauf gelegt werden, dass es gelte zwei Bäder zu sanieren und möglichst auch zu erhalten – nicht nur das Bad in Stolzenau – und dass die Mittel der Gemeinde begrenzt seien.

Die Notwendigkeit dieser Sanierungen stellte Wiebe vor und auch die Herangehensweise der Gemeinde. Um die Sanierung überhaupt finanzieren zu können, habe sich die Gemeinde um Aufnahme in ein Förderprogramm des Bundes bemüht – was auch gelungen sei. Dort seien sie jedoch gebeten worden, ihre Planungen noch einmal zu überdenken. 

Freibäder in Landesbergen und Stolzenau: Reduzierung kein Kriterium

Als Anregung – wenn auch nicht als Kriterium, das für die Förderung entscheidend sei – habe er in Berlin gesagt bekommen, dass zwei Bäder und die dadurch zur Verfügung stehende Wasserfläche im Vergleich zu der Einwohnerzahl Mittelwesers zu viel seien. Wenige Wochen seien nur geblieben, um das Konzept zu überarbeiten. Das sollte im Dialog geschehen: Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus der Verwaltung, den Schwimmbadleitern, Vertretern aus den beiden Fördervereinen, jeder Fraktion und den beiden Gemeinde-Bürgermeistern tagte dreimal.

Umfangreiche Veränderungen sind für beide Bäder vorgesehen. Das Freibad Stolzenau verfügt über ein Nichtschwimmerbereich (1), ein Schwimmerbecken (2), einen Sprungturm (3), ein Behinderten-WC (4), ein Planschbecken (5) sowie einen Spraypark (6).

Mit einem Vorschlag, der zwar nicht allen gut gefallen habe, dem als Kompromiss aber alle zugestimmt hätten, seien sie aus diesem Verfahren herausgegangen, sagte Wiebe. Für Landesbergen sah das Konzept die Umwandlung in ein Naturbad vor. In Stolzenau sollte das Nichtschwimmerbecken zurückgebaut und stattdessen im Schwimmerbecken ein Bereich eingerichtet werden, der den Nichtschwimmern dient. Konsens habe auch geherrscht, dass der Sprungturm saniert werden solle. Maximal 2,9 Millionen Euro solle die Sanierung beider Bäder maximal kosten, wovon 1,5 Millionen Euro Fördergeld sein müssten.

Umfangreiche Veränderungen sind für beide Bäder vorgesehen.  Im Naturfreibad Landesbergen finden Gäste einen Nichtschwimmerbereich (1), einen Strandbereich (2), einen Schwimmerbereich (3), ein Behinderten-WC (4), einen Spielplatz (5), einen Steg (6), einen Sprungturm (7), ein Volleyballfeld (8) sowie ein Planschbecken (9).

Freibad-Förderverein in Stolzenau nicht einverstanden

Mit diesen Plänen zeigte sich der Vorstand des Stolzenauer Fördervereins letztlich doch nicht mehr einverstanden und bemängelt, dass ein Bereich für Nichtschwimmer in dem großen Becken zu Lasten der Schwimmer gehe. Zudem werde die Nichtschwimmer-Zone künftig eine durchgehende Höhe haben – was für kleinere Kinder und für die Wassergewöhnung keine gute Lösung sei.

Ein Besucher brachte den Vorschlag ein, auf die Fördermittel zu verzichten, um das Nichtschwimmerbecken zu erhalten. Ein anderer sagte, dass ihm erst jetzt klar geworden sei, dass dieses Becken wegfalle und es für die älteren Besucher weniger Bahnen zum Schwimmen geben werde. „Wir sind betrogen worden“, fügte er hinzu. Elisabeth Wiegmann schaltete sich ein und sagte, dass in den Arbeitstreffen die Reduzierung der Wasserfläche als Bedingung für die Förderung genannt worden sei – nicht lediglich als Vorschlag der Geldgeber, der aber nicht zwingend umgesetzt werden müsse. 

Christiane Helmerking von der DLRG versuchte vermittelnd einzutreten, meinte, dass womöglich tatsächlich beide Bäder als Einheit betrachtet werden sollten – mit dem Naturbad in Landesbergen inklusive seinem Sandufer als Fläche zur Wassergewöhnung für Kinder. Eventuell gebe es in Stolzenau die Möglichkeit, das Nichtschwimmerbecken nur kleiner zu machen?

Freibad in Stolzenau: Lösung weiter gesucht 

Stolzenaus Bürgermeister Heinrich Kruse ließ schließlich verlauten, dass sehr nach einem Kompromiss gesucht wurde, damit sich niemand in diesem Prozess als Verlierer fühlt. Die Landesberger seien der Ansicht, dass sie künftig nur noch eine Kiesgrube haben würden. Die Versammlung vermittelte allerdings den Eindruck, dass auch die Stolzenauer sich auf der Verliererseite sehen. 

Auch wenn Kruse dafür plädierte, einen Konsens zu finden, der letztlich allen Altersgruppen etwas zu bieten habe, ging die Versammlung nach nahezu drei Stunden ohne ein konkretes Ergebnis zu Ende. Nur die Erkenntnis, dass die für die Förderung eingereichten Planungen bei vielen Einwohnern auf massiven Widerstand stoßen, blieb.

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