Fundamentreste vor Baubeginn frei gelegt

Grabungsstelle Kloster

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Eine Grube in Priors Garten: Dort legen angehende Studenten alte Fundament- und Mauerreste frei.

LOCCUM - Von Beate Ney-Janßen. Wie es früher einmal war und bevor im Kloster Loccum Baumaßnahmen beginnen, soll erforscht werden. In Priors Garten und im Garten hinterm ehemaligen Abthaus suchen die Landeskirche Hannovers und das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege Ergebnisse.

In 2015 rücken die Baumaschinen im Kloster an. Dann wird zunächst ein Gästehaus für die Vikare im Predigerseminar gebaut. Vor dem funktionalen Neubau kommt aber die Denkmalpflege ins Spiel. Grabungstechniker Richard Landwehr ist bereits seit einigen Wochen im Kloster und sucht mit einigen angehenden Studenten nach Spuren der Vergangenheit. „Diesen Grabungsschnitt schütten wir in den nächsten Tagen wieder zu“, sagt Landwehr beim Gang durch den Garten hinter dem Abthaus. 70 Zentimeter in die Tiefe ist gegraben worden, auf einer Fläche von rund fünf mal zehn Metern. Dort soll das Gästehaus im kommenden Jahr gebaut werden. Vorher wird aber erkundet, ob Reste früherer Bauten noch zu finden sind. Die haben sie gefunden.

Kisten voller Scherben hat der Erdboden hinter dem Abthaus bei den Grabungsarbeiten freigegeben.

Ein Mauerrest lugt aus der Erde, eine daran anschließende Wand zeigt sich. „An dieser Stelle, sagt Richard Landwehr, „haben wir eimerweise Scherben ausgebuddelt.“ Die Scherben lagern auf Tischen und in Kisten in der ehemaligen Zehntscheune des Klosters. Derbe Gebrauchskeramik ist darunter, aber auch feineres Porzellan mit diversem Dekor. Austernschalen haben sie gefunden und zerbrochene Steingut-Flaschen. Verwundert ist Landwehr nicht darüber, denn an jener Stelle, an der sie gegraben haben, soll einmal das Gasthaus des Klosters gestanden haben – praktisch gelegen, nicht weit entfernt von der Brauerei. Den Gästen ist vermutlich mehr als nur Bier serviert worden. Woher kämen sonst die vielen Teller-Scherben? Die große Ansammlung auf relativ kleiner Fläche erklärt sich der Grabungstechniker damit, dass die Brauerei irgendwann abgebrochen wurde. Er vermutet, dass in der Nähe des Gasthauses der Abraum in einer vorhandenen Senke abgeladen wurde. Die zu Tage getretenen Bodenschichten im Grabungsschnitt weisen auf diese Möglichkeit hin.

Oliver Wolf und Richard Landwehr versuchen aus den Funden im Garten hinter dem Abthaus Schlüsse auf frühere Bebauungen zu ziehen

Wesentlich weniger Scherben sind im Boden in Priors Garten verborgen – dafür aber umso mehr Reste von Fundamenten. Der Rasen ist auch in dem Garten am Refektorium des Klosters nicht verschont geblieben. In der Grube hocken zwei junge Männer und kratzen einen Stein nach dem anderen in geduldiger Arbeit frei. Alte Baupläne sind im Kloster zwar aus verschiedenen Epochen vorhanden, ein lückenloses Bild ergeben sie aber nicht und bei mancher Zeichnung sei es auch nicht sicher, ob der Baumeister nicht vielleicht etwas vorschnell einen Strich gesetzt habe, sagt Oliver Wolf. Er ist Bauingenieur und arbeitet in der Bauabteilung der Landeskirche. In Loccum wird er in den kommenden Jahren noch oft anzutreffen sein. Zunächst bei der Koordinierung des Gästehaus-Neubaus, später auch beim Neubau der Bibliothek. Diese Bibliothek ist es, wegen der in Priors Garten gegraben wird. Dort soll sie entstehen, soll funktionell sein, soll sich in das Gebäude-Ensembles einfügen, ohne historisierend zu wirken, soll einerseits einen Standort bekommen, der mit historisch nachzuweisenden Gebäudeteilen übereinstimmt, andererseits aber so angelegt sein, dass die alten Fundamente erhalten bleiben. Aus diesem Grund muss nachvollzogen werden, wo in früheren Jahrhunderten Gebäude standen.

Gegraben wird noch bis Ende September. Die Auswertung der Ergebnisse wird anschließend in die Ausschreibung für die Bibliothek einfließen. Für Landwehr ist das eine ausgezeichnete Lösung. In vielen Fällen, sagt er, käme der Denkmalschutz erst dann ins Spiel, wenn die Baumaschinen schon vor Ort seien. Im Vorfeld einer Baumaßnahme forschen zu können und nicht erst dann, wenn die Bauunternehmer schon angerückt seien – das sei ein entspanntes Arbeiten.

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