Einer von wenigen Privilegierten

Fußballer Moritz Dittmann darf täglich mit fast 30 Kollegen auf den Platz

Moritz Dittmann
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Moritz Dittmann tritt in der U23 von Hannover 96 gegen das Leder.

Moritz Dittmann aus Marklohe spielt bei der U23 von Hannover 96 Fußball. Damit ist er einer der wenigen Privilegierten, die derzeit mit Mitspielern trainieren dürfen. Er stellte sich den elf Fragen von Blickpunkt-Mitarbeiter Maik Hoffmeyer.

Marklohe - von Maik Hoffmeyer. Nicht einmal eine Handvoll Fußballer mit Kreis-Nienburger Wurzeln darf dem runden Leder aktuell uneingeschränkt hinterherjagen. Dass man so etwas einmal lesen muss, hätte vor einem Jahr noch niemand gedacht.

Auch Moritz Dittmann aus Marklohe weiß dieses Privileg zu schätzen. Unter Profibedingungen darf der 20-Jährige bei Hannover 96 täglich mit fast 30 Kollegen auf den Platz. Regelmäßig werden Tests gemacht. Das nimmt man natürlich gern in Kauf. Wie die Profis von Hannover 96, wird auch bald die U23, die als 96 II geführt wird, in den Punktspielbetrieb übergehen.

Elf Fragen an Moritz Dittmann

Moritz, mit 14 Jahren war für dich der Mikrokosmos Fußball im Kreis Nienburg zu klein, zumal auch die Zeit im DFB-Stützpunkt bei Stefan Gilster und Lutz Senning zu Ende ging. Wie kam der Kontakt zu Hannover 96 damals zustande?

Bei einem Stützpunktvergleichsturnier hat der damalige Co-Trainer der U14 von Hannover 96 zugeschaut und meinen Vater, der an dem Tag Trainer war, gefragt, ob ich ein Probetraining absolvieren wollen würde. Das habe ich dann gemacht und daraufhin war klar, dass ich die neue Saison dort verbringen würde.

Witzigerweise hat dein Opa Hans Dittmann selbst mal das Trikot von Hannover 96 getragen. Konnte sich noch jemand an den Namen Dittmann erinnern?

Tatsächlich wusste niemand mehr, dass mein Opa für 96 die Amateurmeisterschaft gewonnen hat. Allerdings ist das inzwischen wirklich schon etwas her und so gut wie alle Funktionäre waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren.

Apropos Opa: Hans wird auch heute noch gern nach seiner Meinung als Sachverständiger gefragt oder als Sichter verpflichtet, auch weil ihm ein sehr gutes Auge nachgesagt wird. War oder ist er dein größter Förderer und Fan?

Also ich möchte da eigentlich keine Rangordnung festlegen. Allerdings ist er definitiv ein großer Fan und sammelt alle möglichen Infos über mich. Meine Mutter und mein Vater stehen dem allerdings in nichts nach und sind bei den meisten Spielen vor Ort, was meinem Opa inzwischen leider nicht mehr so möglich ist, wie es früher mal war.

Nach zwei Jahren bist du mit 15 zu Werder Bremen gewechselt und durftest dort dein G8-Abitur machen. Empfandest du das vom Unterricht her einfacher als beispielsweise am MDG Nienburg?

Nein, das würde ich nicht sagen. Dadurch, dass ich die Chance hatte, die drei Jahre der Oberstufe im Internat zu verbringen, entfielen mir natürlich lange Fahrtwege, was mir eine große Zeitersparnis einbrachte. Die Oberstufe, die allerdings in den meisten Kursen genauso wie in Niedersachsen nach dem Zentralabitur aufgebaut ist, fand ich nicht einfacher. Am Ende steht ja auch das gleiche Ergebnis – die Allgemeine Hochschulreife.

Nach dem Abitur ging es zurück an die Leine. Welches ist der große Unterschied zwischen Werder Bremen und Hannover 96?

Ich habe bei Werder Bremen meine Jugendzeit im Internat erlebt und dort gute Freunde gefunden. Daher bin ich mit Bremen natürlich in ganz besonderer familiärer Weise verbunden. Ich denke, vom Grundsatz sind beide Vereine sehr ähnlich. Die Betreuung der Spieler ist in beiden Vereinen professionell.

Lotta Cordes (VFL Wolfsburg), Patrick Osterhage (BVB Borussia Dortmund) Moritz Dittmann (Hannover 96). Für jeden Fan des SC Marklohe geht das runter wie Öl. Zufall oder Talentschmiede?

Klar würde ich gerne Talentschmiede sagen, auch weil sowohl mein Vater und Opa und auch der Vater von Lotta meine beziehungsweise unsere Trainer waren. Das ist auf jeden Fall etwas Besonderes, worauf wir alle stolz sein können. Dass wir das alle so zusammen soweit gebracht haben, ist schon außergewöhnlich. Trotzdem kommen dort natürlich andere Aspekte hinzu, wie eine gute genetische Voraussetzung oder auch das nötige Glück, im richtigen Moment gute Leistungen gebracht zu haben. So haben Lotta und Patrick ja bereits die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Das habe ich noch nicht, was einen selbst natürlich etwas wurmt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Vor kurzem bist du 20 geworden und hast den Sprung in die U23 auf Anhieb geschafft. Fühlst du dich dort angekommen oder hast du auch noch den ganz großen Traum?

Den ganz großen Traum aufzugeben, ist keine Option. Ich denke jeden Tag daran, wie es wäre, vor so vielen Menschen zu spielen. Vor allem, weil man ja bereits einen so langen Weg gegangen ist und sich dafür auch gerne belohnen möchte. Außerdem sehe ich noch viel Potenzial bei mir. Das möchte ich voll ausschöpfen, da ich überzeugt bin, die Möglichkeiten zu haben, nach oben zu kommen.

Du absolvierst ein Fernstudium an einer Uni in Berlin. Wird der Aufwand des Trainings dadurch nicht etwas gestört?

Das tut es nicht. Ich bin überzeugt, dass es gut ist, sich auch anders zu fordern als auf dem Platz und ein zweites Standbein zu haben. Das Studium gibt mir mentale Stabilität und hilft mir, mich im Alltag zu strukturieren, und holt mich auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, sollte es beim Fußball mal schlecht oder auch gut laufen.

Die Innerverteidigerposition gewinnt weltweit an Gewicht, was den Schlüssel des Erfolgs angeht. Wo würde der Trainer Moritz Dittmann denn den Spieler Moritz Dittmann einsetzen?

Ich glaube, ich bin schon ganz gut aufgehoben auf meiner Position. Klar kann ich, denke ich, auch auf der Sechs spielen. Da kommen dann meine Qualitäten als Außenstürmer, der ich mit 13 noch war, etwas besser zum Vorschein.

Welchen sportlichen Traum möchtest du 2021 verwirklichen?

2021 ist für mich ein wichtiges Jahr. Ich will mich persönlich nochmal weiterentwickeln im Kraftbereich und an meiner Standfestigkeit arbeiten. Zudem ist es wichtig, weniger verletzt zu sein als die vorigen Jahre und möglichst viel Spielzeit zu bekommen. So möchte ich mich in der nächsten Saison für den Profikader empfehlen. Dafür werde ich hart arbeiten. Außerdem möchte ich mit allen anderen zusammen die Corona-Krise abschließen. Mein Hauptziel ist allerdings, Spaß zu haben an all dem, was ich tue. Natürlich gibt es auch mal blöde Tage, aber grundsätzlich gilt es, die Tage zu genießen.

Was würdest du aus heutiger Sicht jungen Talenten empfehlen? Wie du mit 14, früher oder später zu einem Profi-Club zu wechseln?

Das ist eigentlich recht einfach. Gerade in dem Alter von zwölf bis 15 würde ich einfach nur sagen, habt Spaß am Fußballspielen und überstürzt den Wechsel in das NLZ nicht. Irgendwann ist es nötig, aber wenn ihr erst in der U15 oder U16 in ein NLZ wechselt, ist das völlig in Ordnung. Habt Freude und seid euch bewusst, dass ihr den Traum lebt, den Tausende andere haben und arbeitet hart dafür, ohne eure jugendliche Leichtigkeit zu verlieren!

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