700 Euro Geldstrafe für 22-Jährigen

Fußtritte gegen Frauen haben Nachspiel

Nienburg - Von Andreas Wetzel. Weil er zwei Frauen während des Altstadtfestes in Nienburg im vergangenen Jahr angegriffen hatte, verurteilte der Richter am Amtsgericht der Kreisstadt einen 22-jährigen Nienburger zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung. Außerdem muss er den Frauen Schmerzensgeld zahlen.

Was war passiert? Drei junge Frauen im Alter von 32, 31, und 26 Jahren hatten im vergangenen Jahr das Altstadtfest besucht. Gegen 3 Uhr nachts warteten sie an der Hafenstraße vor der Volksbank auf ein Taxi. Die 26-jährige Frau hatte sich in der Zwischenzeit auf die Fensterbank am Gebäude des Geldinstituts gesetzt, als der spätere Angeklagte hinzukam. 

Laut Bericht der Staatsanwaltschaft begann der junge Mann, der angetrunken war, mit den drei Damen zu flirten. Die Frauen gaben ihm zu verstehen, dass sie kein Interesse hätten. Hierüber war der Nienburger seinerseits wenig erfreut und begann, die Frauen mit Worten wie „Brillenschlange“ und „Schlampe“ zu beschimpfen. Dann ging der junge Mann zunächst zu einer anderen Gruppe junger Frauen, die ein paar Meter weiter in Höhe der Sparkasse stand, und versuchte dort sein Glück – ebenfalls erfolglos.

Nunmehr kehrte er zu den Frauen vor der Volksbank zurück, ging zu der auf Fensterbank sitzenden 26-jährigen Frau und trat so nah an sie heran, dass sie sich bedrängt und bedroht fühlte. Sie stieß den jungen Mann zurück. Daraufhin trat dieser mit voller Wucht gegen den Kopf der Frau. In der Folge stürzte sie auf den Boden, wobei ihre Brille und ihr Handy zu Boden fielen und beschädigt wurden.

1,5 Promille im Blut

Nach dieser Attacke versuchte die 31 Jahre alte Freundin, den Angreifer zur Rede zu stellen, und erntete ihrerseits einen Fußtritt gegen den Oberschenkel. Der Tritt war laut Staatsanwaltschaft so heftig, dass sich ein paar Tage später ein Schuhabdruck als blauer Fleck abzeichnete. Der Täter floh anschließend in Richtung Marienstraße. Die zwischenzeitlich verständigte Polizei stellte ihn in Höhe der Rühmkorffstraße. 

Da der Angreifer alkoholisiert war, ließ die Polizei eine Blutprobe entnehmen. Demnach hatte er 1,5 Promille im Blut. Die Beamten stellten zudem dessen Sportschuhe sicher. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht gab der Angeklagte an, sich an den Vorfall aufgrund seiner Alkoholisierung nicht mehr erinnern zu können. Er habe einen Blackout für die Tatzeit.

Keine Freiheitsstrafe

Die Staatsanwaltschaft forderte für beide Angriffe eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, während der Verteidiger für eine Geldstrafe plädierte. Der Amtsrichter entschied auf sechs Monate Haft auf Bewährung. Er hielt dem Angeklagten zugute, dass dieser bisher polizeilich nicht in Erscheinung getreten ist und letztlich nicht ausgeschlossen werden konnte, dass eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund der Alkoholisierung vorgelegen haben könnte. Außerdem muss der Angeklagte der 26-Jährigen ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro zahlen, die 31-Jährige erhält 200 Euro.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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