GalerieN und Kulturwerk in Nienburg zeigen die Ausstellung „Deep Water Horizon“

Mit dem Umweg über die Tiefsee

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"Am Hafen in Playa Blanka" nach dem Entstehungsort ist dieses Bild aus Anja Fußbachs Bilderserie über die Insel Lanzarote benannt.

NIENBURG - von Rike Schockenhoff. Die GalerieN und das Kulturwerk in Nienburg zeigen die Ausstellung "Deep Water Horizon" der Bremer Künstlerin Anja Fußbach. Das Herzstück der Ausstellung, die am 14. September eröffnet wird, bildet ein künstliches Riff.

NIENBURG - von Rike Schockenhoff. Korallenriffe sind der Mittelpunkt des Lebens unter Wasser. Pflanzen und Tiere leben auf und in ihnen, finden Nahrung, ziehen ihre Jungen auf. Ein künstliches Riff bildet auch das Herzstück der Ausstellung „Deep Water Horizon“ der Bremer Künstlerin Anja Fußbach, die die GalerieN in Zusammenarbeit mit dem Kulturwerk Nienburg ab dem 14. September zeigt. Bereits jetzt anmelden sollten sich Teilnehmer für einen Workshop mit der Künstlerin am Wochenende 19. bis 21. September. Das Wasser, kraftvolles Element und wertvoller Rohstoff, inspiriert Fußbach seit langem, genau wie die Reibungen, die an den kulturellen - und sozialen Rändern der Gesellschaft entstehen. Dass der Mensch in das empfindliche Ökosystem der Meere auf viele verschiedene Arten eingreift, erzeugt ebenfalls Reibungen, die Anja Fußbach in Objekten und Installationen sowie einer Fotoserie aufzeigt. Ein künstliches Riff wird erzeugt, indem Stahlnetze und Autoreifen im Meer versenkt werden, auf denen sich Lebewesen ansiedeln können. Ein gezielter Eingriff in die Natur soll so wiedergutmachen, was durch vorherige Eingriffe zerstört worden war. Doch auch Schiffs- oder Flugzeugwracks werden durch Unfälle zu künstlichen Riffs. Anja Fußbachs künstliches Riff wird von Korallenplastiken überwuchert. Den Untergrund trägt sie erst vor Ort in Nienburg zusammen. Die Überbleibsel alter Ausstellungen eignen sich dazu ebenso wie Plakate, Verpackungsmaterialien, entbehrliches Bürointerieur und Fundstücke aus der Stadt. In der Bilderserie „Ich sehe was das du nicht siehst“ zeigt Anja Fußbach Lanzarote. Für das Langzeitkonzept entstanden Fotos, die die Zerrissenheit der Insel abbilden. Lanzarote hat kein eigenes Grundwasser, ist jedoch durch den Atlantik von Wasser umgeben, das den Lebewesen auf der Insel keinen Nutzen bringt. Die Menschen auf Lanzarote leben zwar vom Tourismus, doch auch dieses sprichwörtliche Wasser scheint man bereit, sich selbst abzugraben: Vor der Küste wird mit Bohrinseln nach Öl gesucht. Außerdem setzt Anja Fußbach in „Deep Water Horizon“ den beiden Tauchpionieren Jacques Cousteau und Hans Hass ein Denkmal, die mit den ersten massenkompatiblen Fernsehaufnahmen der Unterwasserwelt einen wahren Run auf die Tiefsee auslösten. Größter Bestandteil des Begleitprogramms, das die Organisatoren von GalerieN und Kulturwerk um die Ausstellung gestrickt haben, ist der Workshop mit Anja Fußbach vom 19. bis zum 21. September. Sie will die Teilnehmer dabei unterstützen, „künstlerische Konzepte zu entwickeln die sich über den kleinen Umweg in die Tiefsee direkt im gesellschaftlichen Leben verankern lassen“. Wesen, die in der Tiefsee leben, müssen sich dort sehr gut anpassen, um überleben zu können. Die gallertartigen Wesen, die mit ihren weichen Körpern dem Problem mit dem Druck entkommen, Taucherfische, die ihre Beute mit Licht anlocken – Die Bilder dieser ziemlich skurril wirkenden Wesen können Synonyme für die Anpassung des Menschen an seinen Lebensraum sein, glaubt Anja Fußbach. So, wie manchmal Wesen tief aus dem Meer an die Oberfläche kommen, so will Anja Fußbach tief verborgene Bilder und Ideen an die Oberfläche ihrer Mitstreiter bringen. Der erste Tag des Workshops ist deshalb konsequent den Assoziationen und der Entwicklung der künstlerischen Ideen gewidmet. Am Samstag und auch noch am Sonntag werden diese Ideen umgesetzt. Grenzen setzt den Teilnehmern dabei niemand. „Wir nähen, schweißen, sägen, kleben oder nieten. Holz, Stahl, Alltagsmaterialien, Fundstücke – alles, was dazu geeignet ist, der eigene Idee einen konsequenten und stabilen Rahmen zu geben, wird verarbeitet“, erklärt Anja Fußbach. Die künstlerische Präsentation der Arbeiten ist für den Sonntagnachmittag geplant. Freunde und Verwandte der bildenden Künstler, aber auch alle, die sich für den Schaffensprozess interessieren, sind dazu ab 16 Uhr in die GalerieN, Leinstraße 6, eingeladen. Die Ausstellung „Deep Water Horizon“ wird am Sonntag, 14. September, um 11 Uhr eröffnet. Anmeldungen für den Workshop sind ab sofort im Kulturwerk möglich, Tel. 05021/922 580, E-Mail info@nienburger-kulturwerk.de.

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