Einige Lokale schließen komplett

Corona-Krise: Gebeutelte Gastronomie in Grafschaft Hoya

In solchen Thermoboxen liefert „Essen auf Rädern“ Speisen aus und stellt sie vor den Haustüren der Kunden ab, auch wenn diese nicht in Quarantäne sind. Es geht dabei eher darum, einen Kontakt zu Risikogruppen möglichst zu vermeiden. Foto: Imago/Sascha Steinach

Samtgemeinde - Von Rebecca Göllner-Martin. Die einen lassen ihre Türen gleich geschlossen, die anderen überlegen sich Alternativlösungen.

Die Lokale und Gaststätte in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya müssen sich wegen der neuen Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise etwas einfallen lassen, um zu überleben. Denn ab sofort gelten verkürzte Öffnungszeiten, um 18 Uhr ist Schluss. Die Kreiszeitung hat einige Gaststättenbetreiber zur aktuellen Situation befragt.

„So lange wir dürfen, haben wir unser Restaurant geöffnet“, sagt Matthias Duske, Inhaber des Gasthofs Lindenhof in Hoya. Es seien einige Tische aus den Gasträumen entfernt worden, um die Abstände zwischen den Sitzplätzen zu vergrößern. Vermutlich ab Freitag bietet der Lindenhof einen Liefer- und Abholservice an, dann aber mit einer reduzierten Karte. „Nicht alle unsere Speisen bieten sich zum Transport an“, schildert Duske. Informationen zu diesem Angebot erhalten die Kunden auf der Homepage des Restaurants sowie bei Facebook.

Corona-Krise im Landkreis Nienburg zu spüren

Die Auswirkungen der Pandemie seien bereits deutlich zu spüren, meint Duske. Zum einen sei die Gästezahl enorm gesunken, und zum anderen seien alle gebuchten Feiern im Lindenhof für die kommende Zeit storniert worden. Das Resultat: „Wir schicken 17 Mitarbeiter in die Kurzarbeit, die Aushilfen haben in diesem Fall leider Pech“, schildert der Lindenhof-Inhaber.

Ebenso nicht mehr beliefern muss das Lokal derzeit die Mensa des Hoyaer Schulzentrums. Noch Bestand hat hingegen die Auslieferung der Speisen für „Essen auf Rädern“.

Rund 24 Essen am Tag fahren die ehrenamtlichen Helfer in Hoya aus. „Wir hatten gestern eine Krisensitzung und haben uns beraten“, erklärt Birgit Evers, die „Essen auf Rädern“ in Hoya unter anderem koordiniert. Das Team sei zu dem Schluss gekommen, erst einmal weiterzumachen. Auch, weil die Kunden zur sogenannten Risikogruppe gehören und ansonsten keine Chance hätten, regelmäßig warme Mahlzeiten zu erhalten. 

Sicherheit für „Essen auf Rädern“-Fahrer

Die Fahrer würden Handschuhe tragen und hätten Desinfektionsmittel in ihren Lieferwagen. Sofern möglich, stellen sie die Boxen mit dem eingeschweißten Speisen vor den Haustüren ab, um den Kontakt auf ein Mindestmaß zu regulieren. Nur bei solchen Kunden, die nicht mehr mobil beziehungsweise besonders stark eingeschränkt sind, würden sie das Essen noch ins Haus liefern.

Der Hotel- und Gasthausbetrieb Thöle in Bücken bietet zumindest in dieser Woche noch einen Mittagstisch an. „Aber auch da ist die Nachfrage nicht mehr allzu groß“, verrät Geschäftsführer Sven Thöle. Er rechnet damit, dass das Restaurant ab kommender Woche bis Ostern komplett schließt und das Hotel „auf Sparflamme“ weiterläuft. Es seien im Moment ohnehin nur noch einige wenige Monteure zu Gast.

Bücken: Mitarbeiter verzichten auf Lohn

Von Kurzarbeit möchte Sven Thöle zumindest aktuell noch nichts hören. Gemeinsam mit den Mitarbeitern habe das Unternehmen ein „eigenes Paket geschnürt“. Die Mitarbeiter würden bis Ostern auf einen kleinen Teil ihres Lohns verzichten. „Sie verhalten sich sehr solidarisch“, lobt Thöle.

Auf Solidarität hofft auch Kristin Okelmann vom Gasthaus „Okelmann’s“ in Warpe und dem dazugehörigen „Café Heimatliebe“ und meint, dass Kunden schon jetzt bei regionalen Unternehmen Gutscheine erwerben könnten, um ihnen zur Seite zu stehen. „Bei uns wurde alles storniert, was man sich vorstellen kann“, sagt sie. 

Hochzeiten in Warpe abgesagt

Besonders schwierig empfindet sie die Lage für Brautpaare, deren Feier nun ausfallen muss. Zum anderen gebe es natürlich Umsatzeinbrüche. Wie diese zu kompensieren seien, stehe noch nicht fest. Das „Café Heimatliebe“ würde weiterhin geöffnet bleiben, so Okelmann, der Restaurantbetrieb hingegen vermutlich ganz eingestellt. Im Hotel seien derzeit nur noch Geschäftsreisende untergebracht.

Pizza und italienische Gerichte gibt es in Hoya und Umgebung wie gewohnt weiter. Sowohl Pizza Blitz als auch die Pizzeria Europa liefern aus. „Wir haben die Hygienestandards erhöht“, beschreibt Pizza-Blitz-Inhaber Tim Gowitzke. Die Mitarbeiter seien geschult worden, sollen sich regelmäßig die Hände waschen sowie desinfizieren. Die Bestellungen würden bis zur Haustür gebracht, auf Wunsch könne auch das Geld deponiert werden, um einen Kontakt komplett zu vermeiden.

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