„Hinterlistiger Überfall“ auf Rockerclub

Gefährliche Körperverletzung: Fünf Männer angeklagt 

Verden/Eystrup - Wurde am Domweihsonnabend 2017 in Verden ein Streit unter zwei Rockergruppen ausgetragen? Seit Freitag müssen sich fünf Angeklagte aus Walsrode, Eystrup und Vissehövede vor dem Landgericht Verden wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Laut Anklageschrift verfügen die Männer im Alter von 27 bis 36 Jahre „über Verbindungen zu den Hells Angels“. Zur „Untermauerung ihres Gebietsanspruchs“ sollen sie Personen aus dem „Umfeld des MC Gremium“ angegriffen haben. Diese feierten auf dem Hinterhof einer Kneipe in der Grünen Straße.

Als „hinterlistigen Überfall“ bezeichnet die Staatsanwaltschaft Verden die Tat am 10. Juni 2017 in ihrer Anklageschrift. Zum Ende der Feier soll die Angeklagten und weitere fünf Personen auf dem Hinterhof aufgetaucht sein. Ein 36 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode wird als „offensichtlicher Anführer“ bezeichnet.

Sofort bewusstlos

Die Gruppe soll bei ihrem Auftauchen verlangt haben, den Gastgeber zu sprechen. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Mann soll der 36-Jährige „unvermittelt“ ausgeholt und seinem Gegenüber einen Schlag mit der rechten Hand inclusive Schlagring verpasst haben. Der Geschädigte sei daraufhin bewusstlos zu Boden gegangen.

„Das hier ist rot-weißes Gebiet“ sei erklärt worden sein und dann ging es offenbar so richtig los. Ein 27 Jahre alter Angeklagte aus Walsrode soll ein Messer eingesetzt und einem Geschädigten damit den Oberarm durchstochen haben. Dann soll er den am Boden liegenden Mann angegriffen haben. Ein ebenfalls 27 Jahre alter Angeklagte aus Eystrup soll mit einem Teleskopschlagstock geprügelt haben. Und der 33 Jahre alte Angeklagte aus Visselhövede soll mehrere Gegenstände, darunter Stühle und Aschenbecher in die Gruppe der Feiernden geschleudert haben. Ein laut Anklageschrift nicht identifizierter Täter soll einem Mann durch Schläge mit einem Eisenrohr eine Hand gebrochen haben. Zudem sei Pfefferspray eingesetzt worden.

Verden: Videos im Gericht

Bei dem 36-Jährigen aus Walsrode soll am 20. Juli 2017 bei einer Hausdurchsuchung ein Schlagring sichergestellt worden sein, weshalb er sich zusätzlich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten muss.

Was sich auf dem Hinterhof abgespielt hat, zeigen die Videos von Überwachungskameras. Doch dieses „zentrale Beweismittel“, wie es der Vorsitzende Richter Markus Tittel bezeichnete, sorgte am ersten Verhandlungstag für jede Menge Diskussionen unter den Juristen. Aus Sicht der Verteidigung seien diese nicht zu verwerten und würden nicht so eindeutige Beweise liefern, wie man vermuten könnte.

Beim Fortsetzungstermin am Montag sollen die Videos gezeigt werden. Dem wurde zumindest Freitag nicht widersprochen, aber mehrfach betont, dass man der Verwertung dieses Beweismittels widersprechen will. Außerdem sollen am Montag erste Zeugen gehört werden.

Insgesamt hat die 4. Große Strafkammer für den Prozess acht Verhandlungstage bis zum 14. Mai vorgesehen.

Rubriklistenbild: © dpa

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