Gemälde von Marianne Hippolyte von Schwicheldt hängt im Heimatmuseum

„Da gehörte sie hin“

Das Originalgemälde der adligen Marianne Hippolyte von Schwicheldt tauschte jetzt seinen Platz in der Eingangshalle des Guts Ovelgönne in Bücken gegen eine Wand im Heimatmuseum Grafschaft Hoya. Geschäftsführer Bernhard Schubert vom Kinderheim „Kleine Strolche“ in Asendorf, das Ovelgönne im vergangenen Jahr erworben hat, übergab das Gemälde (oben im Bild) an Museumsleiterin Ulrike Taenzer. Im Gegenzug erhielt Schubert eine fotomechanisch erstellte Kopie des Gemäldes, die nun im Gut Ovelgönne aufgehängt werden soll. Foto: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Bitte recht freundlich“, haben Porträtmaler des 18. Jahrhunderts wahrscheinlich nicht gesagt. Als sie wohlhabende Auftraggeberinnen mit Ölfarben verewigten, galten fraglos andere Gesichtspunkte. So blickt Marianne Hippolyte von Schwicheldt (1719 bis 1793) mit einem vornehm angedeuteten Lächeln, ein wenig streng, aber auch gütig aus ihrem Edelholzbilderrahmen auf die Nachwelt. Mehr als zwei Jahrhunderte lang tat sie das in der Eingangshalle des Guts Ovelgönne in Bücken. Jetzt ist sie umgezogen, ins Hoyaer Museum. Dort, im ehemaligen von-Staffhorstschen Gutshaus, lebte zuletzt ihre Urenkelin, Gräfin Sophie von Bremer, geborene von Staffhorst.

Das Originalgemälde der Marianne Hippolyte von Schwicheldt wechselte den Besitzer, nicht aber den Eigentümer: Als Dauerleihgabe überreichte Bernd Schubert, Geschäftsführer vom Kinderheim „Kleine Strolche“, Gut Ovelgönne, das Gemälde der Leiterin des Heimatmuseums Grafschaft Hoya, Ulrike Taenzer. Damit die Porträtierte aus dem 18. Jahrhundert im Rittergut Ovelgönne auch weiterhin präsent bleibt, überreichte Ulrike Taenzer ihrerseits dem „Kleine Strolche“-Geschäftsführer eine Kopie, die das Originalgemälde an Größe sogar noch übertrifft. Das fotomechanisch hergestellte Duplikat ließ das Museum auf Leinwand drucken und rahmen.

Am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, ist das Hoyaer Museum von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Dann können Besucher das Ergebnis des Gemälde-Tauschs zum ersten Mal am „richtigen“ Ort betrachten. Bernhard Schubert: „Die klimatischen Bedingungen für das Gemälde sind hier wesentlich besser als im Gut Ovelgönne.“ Der Museumsraum, in dem das originale Von-Schwicheldt-Porträt nun an der Wand hängt, diente in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als katholische Kapelle. Davon zeugt der Teil eines Deckengemäldes, der zur Erinnerung freigelegt wurde.

„Immer, wenn ich das Gut Ovelgönne besuchte, schien mir die Frau auf dem Gemälde etwas sagen zu wollen“, erinnert sich Elfriede Hornecker, Buchautorin („Die Herren von Staffhorst“) und ausgewiesene Expertin für die Familiengeschichte derer von Staffhorst, und fügt während der Übergabe hinzu: „Sie wollte ganz einfach ins Museum in Hoya, denn da gehörte sie hin.“ Als dann vor eineinhalb Jahren das Gut Ovelgönne an das Kinderheim „Kleine Strolche“ verkauft wurde, brachte Elfriede Hornecker den Stein ins Rollen, als sie mit Hoyas Bürgermeisterin über das Gemälde ins Gespräch kam. Weitere Unterhaltungen mit den Beteiligten folgten und führten schließlich zur jetzt vollzogenen Gemälde-Übergabe.

Marianne Hippolyte von Schwicheldt verwaltete nach dem Tod ihres Mannes 1766 das Familienvermögen und gründete 1772 eine Stiftung, zu der unter anderem ein Witwen- und Waisenhaus gehörte, das am Rand des Sudweyher Mühlenhofs stand. Das Stiftungskapital währte bis 1923, und das Haus in Sudweyhe wurde zum Mietobjekt, bis es in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts wegen der Verkehrsplanung abgerissen wurde.

Die Familie von Schwicheldt war verwandtschaftlich mit der Familie von Staffhorst verbunden. Amalie Wilhelmine, Gräfin von Schwicheldt, eine Enkeltochter der auf dem Gemälde abgebildeten Marianne Hippolyte von Schwicheldt, heiratete 1803 in die Familie von Staffhorst ein. Ihre Tochter war Sophie, die letzte geborene von Staffhorst und verheiratete Gräfin von Bremer. Zu Amalies und Sophies Erbe gehörte das Rezept der sogenannten „Schwicheldt’schen Salbe“, die bis in das 20. Jahrhundert hinein in Hoya bekannt gewesen sein soll.

Termin

Am Sonntag, ab 15 Uhr, führt Museumsleiterin Ulrike Taenzer durch die aktuelle Sonderausstellung „Straßengeschichten“ im Heimatmuseum Hoya (Im Park 1). Danach können die Besucher bekannte Straßenspiele früherer Zeiten ausprobieren.

Quelle: kreiszeitung.de

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