Anklage zugelassen

Brandstiftung: Gericht sieht keine Mordabsicht

Verden/Nienburg - Von Wiebke Bruns. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft Verden war es ein versuchter Mord, den ein 49 Jahre alter Angeklagter aus Nienburg im Januar 2017 in der Ziegelkampstraße unternommen hat, als er einen brennenden Holzscheit in den Briefschlitz eines Wohnhauses geschoben hat. Doch die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Verden hat die Anklageschrift nur hinsichtlich der weiteren Vorwürfe zugelassen. Somit muss sich der Mann wegen versuchter Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Am Freitag war Prozessauftakt.

Die Tat hatte sich in den frühen Morgenstunden des 18. Januar ereignet. Zunächst soll der Angeklagte die gesamten Klamotten seiner Freundin vor das Haus geschmissen haben, das er später habe in Brand setzen wollen. Der 49-Jährige sei „erzürnt und eifersüchtig“ gewesen, heißt es in der Anklageschrift. Seine Freundin habe dort mit einem anderen Mann Alkohol konsumiert und bei diesem übernachtet.

Das brennende Holzscheit habe er durch den Briefschlitz in einer hölzernen Eingangstür geschoben. „Dass viele Rauchmelder in den ,Schlichtunterkünften‘ defekt sind, war ihm gleichgültig“, so der Vorwurf.

Der Geschädigte soll aufgewacht sein und versucht haben, die Frau zu wecken. Dann habe er das brennende Holzscheit rauswerfen können. Der immer noch draußen stehende Angeklagte soll ihn nochmals in den den Briefschlitz gesteckt und erst dann den Tatort verlassen haben.

Vieles spricht gegen versuchten Mord

Für das Gericht spricht gegen eine Tötungsabsicht, dass sich der Angeklagte nicht entfernt hat und dass er kein „geeignetes Mittel“ wie einen Brandbeschleuniger verwendet hat. Durch das vorherige Ablegen der Kleidung hätte er zudem ein Beweismittel gegen sich geschaffen. Dies spreche ebenfalls gegen einen versuchten Mord. Das Gericht hat gleichzeitig darauf hingewiesen, dass auch eine gefährliche Körperverletzung zum Nachteil der Frau in Betracht kommt.

Äußern wollte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Er befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Zunächst war Haftbefehl wegen Schwerstkriminalität erlassen worden. Das Gericht sieht aber eine Fluchtgefahr aufgrund geringer sozialer Bindungen als gegeben. Für den Prozess hat das Gericht sechs Verhandlungstage bis zum 29. August eingeplant.

Quelle: kreiszeitung.de

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