Drei Akteure des Comedy Clubs Bremen mit Witzen über Politiker, Historie und typisch Deutsches

„Geschichte kann Spaß machen“

Internationale Comedians: Philipp Simon . . .

Hoya (gru) · „Auch Hoya ist lustig.“ Das abgewandelte Motto des Comedy Clubs Bremen, „Bremen ist lustig“, stimmte am Freitagabend im Hoyaer „Filmhof“. Auch wenn bei diesem zweiten Event, anders als bei der Premiere im Februar, das Kino nicht ausverkauft war.

Drei Comedians hatte der Comedy Club auf Tour geschickt: Den Holländer Philipp Simon, den Amerikaner John Doyle und den Hamburger Sebastian Schnoy. International also das Programm, und das zeigte sich auch am Inhalt: Weniger Plattheiten unter der Gürtellinie, wie sonst häufig von Comedy-Vertretern strapaziert, sondern „intellektuellen Witz“ hatte Moderator Christian Kotouchek angekündigt – mit Niveau also. Mancher Lacher kam denn auch verspätet: Schnoy und Simon machten ihre Scherze ob der mitunter manchmal etwas längeren „Leitung“ des Publikums.

„Geschichte kann Spaß machen“, so fasste Schnoy sein Programms „Hauptsache Europa“ zusammen: Der studierte Historiker, Jahrgang 1969, machte den Auftakt, indem er über die Deutschen herzog, die Kreuzfahrten lieben: Die zumeist älteren Gäste der „MS Europa“ erinnerten ihn an die „Körperwelten“-Ausstellung, während das junge Volk auf der „AIDA“-Flotte wie „im sozialen Wohnungsbau zur See“ residiere. Wer „eine halbe Stunde Wagner hört, bekommt Lust, Polen anzugreifen“, soll Woody Allen laut Schnoy mal gesagt haben. Vom angeblich aggressiv machenden Komponisten ging es nahtlos weiter zum Attentat Stauffenbergs auf Hitler, das von einem „deutschen Tisch aus Eiche“, unter dem die Bombe platziert war, verhindert wurde: „Wäre der Tisch wie heute von Ikea gewesen – dann wäre Hitler an 400 Gramm Inbusschrauben krepiert“, mutmaßte Schnoy.

Mit seinem nach eigener Aussage „komplett akzentfreien Deutsch“ eroberte anschließend der Holländer Philipp Simon das Publikum. Natürlich klang er, wie ein Holländer so klingt, aber das tat er mit Charme. Der blonde Amsterdamer erzählte von seiner Jugend, wie man sie sich in Deutschland vorstellt: „Wir haben am Wochenende Hasch geraucht und stundenlang Radio geguckt – in Farbe.“ Seitenhiebe teilte Simon wegen der Panikmache während der Schweinegrippe aus, die in Holland „Mexiko-Grippe“ heißt und deshalb nicht so gefürchtet war wie hierzulande („da denkt man an Sonne und Urlaub, trinkt einen Tequila und gut ist es“). Die Politik bekam auch ihr Fett weg: Die SPD als „eine verwahrloste Splittergruppe der Linken“ ebenso wie die „Legehenne“ Ursula von der Leyen und Guido Westerwelle, „mit dem man überall zweimal hingeht: Einmal so und einmal zum Entschuldigen.“

Internationales Flair brachte auch John Doyle mit: Der 46-jährige amerikanische Journalist, der vor 19 Jahren nach Deutschland gekommen war, trat äußerst lässig auf die Bühne, genauso, wie man sich den „Ami“ bei uns vorstellt: Unrasiert, ungebügeltes T-Shirt, Baseball-Cap auf dem Kopf. Er amüsierte sich darüber, dass hier „too much English“ benutzt werde, aber auch über typisch deutsche Ausdrücke wie „draußen gibt’s nur Kännchen“. Doyle erzählte, er habe „eine ostdeutsche Frau“: „Aber meine Devise ist, Hauptsache Frau.“ Danach gefragt, was er im Bett sexy fände, gestand er: „Anwesenheit. Und wenn die Frau lebt, ist es auch schön.“ Andererseits halte seine Frau ihn „hier weniger dick, als wenn ich in Amerika wäre“. Statt nächtlicher Genüsse wie Tiefkühlpizzen würde sie ihm gesunde Möhren ans Herz legen.

Viel Applaus gab es für alle drei Akteure. Gelächter und die Hoffnung auf eine Fortsetzung für den „Comedy Club on Tour“ bestimmten den gelungenen Abend.

Quelle: kreiszeitung.de

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