Gewässerentwicklungsplan soll den Lebensraum Meerbach im Landkreis Nienburg stärken

„Eine Ente ist kein Fließhindernis“

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Idyllisch: „Ein Gewässer ist ein Lebensraum. Darum arbeiten wir am Gewässerentwicklungsplan eng mit allen Beteiligten, mit der Landwirtschaft und den Naturschützern, zusammen“, sagt Hermann Morische vom KvW.

NIENBURG. Unter Federführung des Kreisverbandes für Wasserwirtschaft (KvW) entsteht derzeit der „Gewässerentwicklungsplan für Meerbach und Bärenfallgraben“. Ziele sind, so Kreisverbands-Geschäftsführer August Lustfeld, in erster Linie ökologische Aspekte.

NIENBURG. Unter Federführung des Kreisverbandes für Wasserwirtschaft (KvW) entsteht derzeit der „Gewässerentwicklungsplan für Meerbach und Bärenfallgraben“. Ziele sind, so Kreisverbands-Geschäftsführer August Lustfeld, in erster Linie ökologische Aspekte; allerdings würden wasserwirtschaftliche Vorgaben und die Belange der Landwirtschaft ebenso berücksichtigt. Gewässerentwicklungspläne zu entwickeln, ist für den Kreisverband nichts Neues: Er hat solche Konzeptionen bereits für den Blenhorster Bach, den Bücker Mühlbach und die Fulde erarbeitet. „Jedes Fließgewässer ist anders und verhält sich anders“, sagt Hermann Morische, beim Kreisverband zuständig für Gewässerunterhaltung: „Der Führser Mühlbach beispielsweise verkraftet auch einen Wolkenbruch ohne Probleme. Bei der Fulde aber kann die abgeführte Wassermenge in so einem Fall von den üblichen 100 Litern pro Sekunde binnen 15 Minuten auf 2000 Liter pro Sekunde steigen!“ Dieses Gefährdungspotenzial sei für den Laien nicht zu erkennen; vom Kreisverband werde aber erwartet, dass das Wasser auch nach Starkregen oder Schneeschmelze ungehindert abfließen kann. Noch vor einigen Jahrzehnten hätte es dafür eine vermeintlich einfache Lösung gegeben: ausbaggern - breit, tief und schnurgrade. August Lustfeld: „Bis weit in die 70er Jahre ging es nur um den Wasserabfluss. ,Eine Ente ist ein Fließ-Hindernis', hieß es damals, nur halb im Scherz. Ökologie spielte keine Rolle. Unter dem Motto ,Nahrung fürs Volk' musste jede Fläche, die theoretisch landwirtschaftlich nutzbar ist, auch tatsächlich genutzt werden.“ Dass diese Herangehensweise ökologische Wüsteneien hinterließ, liegt auf der Hand, doch die Radikalität, mit der nicht nur die Flüsse, sondern auch Bäche und Gräben (so genannte Gewässer II. und III. Ordnung) begradigt wurden, hatte noch andere Negativ-Folgen: Statt über die Ufer zu treten und gegebenenfalls wochenlang im Bruchwald zu stehen, schießen die Fluten bei Wolkenbruch und Schneeschmelze blitzschnell durch die ausgebauten Vorfluter in die Flüsse. Die können diese zusätzlichen Wassermassen häufig nicht aufnehmen – die Folge sind Hochwässer mit immensen Schäden und sogar Toten wie zuletzt an der Elbe. „Ein Gewässer ist ein Lebensraum. Darum arbeiten wir am Gewässerentwicklungsplan eng mit allen Beteiligten, mit der Landwirtschaft und den Naturschützern, zusammen“, sagt Hermann Morische. Zwar verfüge der KvW über den „Behördenstatus“, könnte also manches schlicht anordnen, doch, betont August Lustfeld, „wir sind keine Ideologen, weder in der einen, noch in der anderen Richtung. Wir wollen ein gutes Gesamtergebnis.“ Ein solches Miteinander gab es früher nicht. August Lustfeld erinnert sich noch gut an die 70er Jahre: Damals suchten staatliche Stellen nach Wegen, die störenden Pflanzen aus den kanalisierten Bächen und Gräben zu bekommen, und das „Fließhindernis“ Ente am besten gleich mit. Man verfiel auf den Einsatz von Pestiziden. In dichtem Fächer wurde das Gift in die Bäche und auf die Böschungen gesprüht. „Am nächsten Tag war alles weiß und tot“, sagt August Lustfeld: Nicht nur die Pflanzen starben, auch Amphibien und ganze Vogelfamilien sind verendet. Landwirte standen in den 70ern nicht unbedingt in dem Ruf, zuallererst den Naturschutz im Blick zu haben, doch was sie hier erlebten, ging entschieden zu weit. August Lustfeld erzählt von seinem Vater, selbst Landwirt in Rehburg: „Ich weiß noch, wie er sich vor einen von diesen Wagen stellte, der gerade am Sprühen war, und dem Fahrer sehr deutlich sagte: ,Du fährst hier nicht weiter!'“ Einen ökologisch intakten Garten Eden stellen Meerbach, Fulde und Co. nach wie vor nicht dar - daran werden auch die Gewässerentwicklungspläne nichts ändern. Aber, sagt Hermann Morische: „Wir kennen alle unsere Gewässer sehr genau. Wir gucken, wo können wir etwas tun, um eine ökologische Aufwertung zu erreichen. Die Initiative für die Gewässerentwicklungspläne kommt ja von uns! Unsere Mitarbeiter vor Ort sind sensibilisiert und sagen uns Bescheid, wenn sie irgendwo besondere Tiere und Pflanzen entdecken.“ Allein im Meerbach sind 14 Fischarten und der Signalkrebs nachgewiesen, und Enten sind auch längst keine Fließhindernisse mehr.

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