Schlechte Nachrichten für viele Gartenbesitzer

Gewässerschutz: Erhöhte Nitratwerte in Uchte

Wasser tröpfelt aus einer Gießkanne
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Das selbst gezogene Gemüse mit Wasser aus dem eigenen Brunnen gießen: In einigen Gegenden des Landkreises Nienburg ist das keine gute Idee. Der VSR-Gewässerschutz meldet dort erhöhte Nitrat-Werte.

Das Brunnenwasser im Raum Uchte enthält weit mehr Nitrat als der zulässige Grenzwert erlaubt. Das ergeben Untersuchungen des Vereins VSR-Gewässerschutz.

Landkreis / Uchte - von Katrin Köster. Schlechte Nachrichten für viele Gartenbesitzer im Raum Uchte: Nach Angaben des Vereins VSR-Gewässerschutz enthält das dortige Brunnenwasser weit mehr Nitrat als der zulässige Grenzwert erlaubt. Das teilt der Verein jetzt in einem Schreiben an die Presse mit.

Demnach haben 18 Bürger aus dem Raum Warmsen, Raddestorf, Uchte und Stolzenau bereits am 5. Oktober jeweils eine Probe ihres Brunnenwassers beim Labormobil abgegeben. Laut VSR habe fast jeder vierte Brunnenbesitzer Wasser im Schacht, das mehr Nitrat enthält, als erlaubt ist. Wie das niedersächsische Umweltministerium auf seiner Webseite meldet, beträgt der derzeit zulässige Nitratwert der deutschen Trinkwasserverordnung 50 Milligramm pro Liter (mg/l).

Der Diplom-Physiker Harald Gülzow und der Diplom-Ingenieur Peter Brückner haben bei den Untersuchungen 175 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Warmsen gemessen. Ebenfalls stark belastet sind Brunnen in Essern mit 63 Milligramm pro Liter, in Raddestorf mit 154 mg/l und in Struckhausen mit 66 mg/l fest.

Umweltschützer: Intensive Landwirtschaft ist schuld

Woran liegt das? Die Umweltschützer des VSR-Gewässerschutz sehen den Schwarzen Peter bei der Landwirtschaft. Genauer: Der intensiven Landwirtschaft, die ihrer Ansicht nach nur mit Subventionen so wachsen konnte. „Die EU-Agrarpolitik fördert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an erster Stelle stehen und die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Auflagen sind, die sie versuchen zu umgehen“, sagt Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Die Organisation fordert in ihrer Mitteilung daher, „dass Subventionen nur noch an Landwirte mit einer gewässerschonenden Bewirtschaftung gezahlt werden“. Zudem solle die EU-Agrarreform so gestaltet werden, dass die Nitratbelastung der heimischen Gewässer verringert wird. „Die Subventionen an Betriebe, die das Grundwasser stark belasten, haben große Probleme geschaffen. Nur die großen Betriebe konnten mit intensiver Bewirtschaftung den Dumpingpreisen der Discounter standhalten“, ist der Verband überzeugt.

Harald Gülzow analysiert eine Wasserprobe im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen steht den Mess-Ergebnissen der Naturschützer indes skeptisch gegenüber, kann sie aber nicht wirklich entkräften: So schreibt der Pressesprecher der Landwirtschaftskammer, Wolfgang Ehrecke zu einer Anfrage dieser Zeitung, dass man einzelne Nitrat-Messwerte nicht kommentieren könne, weil deren Herkunft unklar sei. Und: „Bestätigen können wir Ihnen jedoch ausdrücklich, dass wir die Themen Düngung und Düngeeffizienz seit jeher sehr intensiv bearbeiten, damit Nährstoffüberschüsse reduziert werden können. Wichtig ist in diesem Zusammenhang außerdem, dass in den zurückliegenden Jahren die Regelungen für die Düngung vom Gesetzgeber mehrfach verschärft worden sind. In der Folge sind die Nährstoffüberschüsse in Niedersachsen gesunken.“

Zudem betont Ehrecke, dass die Landwirtschaftskammer als größte niedersächsische Beratungsorganisation für die Landwirtschaft ihre Angebote in der Dünge- und in der Gewässerschutzberatung kontinuierlich angepasst habe, um die Praxisbetriebe dabei zu unterstützen, die wachsenden Umweltanforderungen zu erfüllen und zugleich weiterhin wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

VSR-Gewässerschutz plädiert für eine deutliche Stärkung des Öko-Landbaus

Dem VSR-Gewässerschutz geht das nicht weit genug. Der Verein plädiert für eine deutliche Stärkung des Öko-Landbaus. „Hier wird auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoffdüngern verzichtet. Die Zahl der Tiere orientiert sich an der Fläche, die dem Betrieb zur Verfügung steht. So werden Nährstoffüberschüsse bestmöglich vermieden“, erläutern die Umweltschützer. Daher dürfe die Agrarlobby die wichtigen Entscheidungen zu einer gewässerschonenden Landwirtschaft nicht wieder untergraben, mahnt Bareiß-Gülzow. „Es wird höchste Zeit für eine Agrarpolitik, die sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst ist und eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft fördert.“

Die Landwirtschaftskammer berichtet hingegen, dass in der Branche das Bewusstsein für Umwelt-Fragen wachse. Zudem wäre der Absatz von Mineraldünger seit Jahren rückläufig. „Im Nährstoffbericht des Landes für 2018/19 ist vermerkt, dass der Absatz von Mineraldünger damals im dritten Jahr in Folge auf nunmehr 220 000 Tonnen gesunken war. Noch im Wirtschaftsjahr 2016/17, vor dem Inkrafttreten der neuen düngerechtlichen Regelungen, hatte der Absatz bei fast 300 000 Tonnen gelegen“, heißt es. Sprecher Ehrecke geht davon aus, dass der im Frühjahr folgende Nährstoffbericht 2019/20 diesen Trend bestätigen wird.

Niedersachsen und das Gülleproblem

Das Grundwasser in Niedersachsen ist mit gesundheitsschädlichem Nitrat belastet und es gibt keine Anzeichen für eine Verbesserung, stellt der BUND in einer Mitteilung fest. Im Vergleich der Bewertungen aus 2009 und 2015 sei die Belastungssituation unverändert dramatisch, heißt es weiter. „Grund dafür ist der Stickstoffüberschuss in der Umwelt, verursacht vor allem durch die intensive Landwirtschaft. Neben der Landwirtschaft entströmen schädliche Stickstoffverbindungen auch aus Verkehr und Industrie, zum Beispiel aus Dieselmotoren und Kohlekraftwerken.“ Die Stickstoffüberschüsse aus Wirtschaftsdüngern (Gülle, Festmist, Gärreste) und Mineraldüngern verursachen hohe Nitratkonzentrationen im Grundwasser, stellen die Naturschützer fest. In Niedersachsen werde an fast der Hälfte aller Grundwassermessstellen der zulässige Nitratgehalt von 50 Milligramm pro Liter überschritten, so der BUND. Das Umweltbundesamt macht abweichende Aussagen: Demnach „weisen circa 17 Prozent der Messstellen des repräsentativen EUA-Grundwassermessnetzes (Messnetz für die Berichterstattung an die Europäische Umweltagentur) Nitratgehalte über dem Schwellenwert von 50 mg je Liter auf“, heißt es dort. „An Messstellen, in deren Einzugsgebiet viele landwirtschaftliche Nutzungen vorkommen (Ackerflächen, Grünland und Sonderkulturen wie zum Beispiel Gemüseanbau), überschreiten circa 27 Prozent der Messstellen den Schwellenwert. Diese Messstellen werden auch für den alle vier Jahre erscheinenden Nitratbericht der Bundesministerien für Umwelt und für Landwirtschaft zugrunde gelegt.“  

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