Der traditionelle Weihnachts-Wackelpudding zur Erinnerung an Opa

„Glibberige Masse“ – nicht gemocht und doch geliebt

Was auf den Tisch kommt, muss gegessen werden: auch Wackelpudding. Dass das auch traditionelle Gründe haben kann, erzählt die heutige Geschichte. ·
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Was auf den Tisch kommt, muss gegessen werden: auch Wackelpudding. Dass das auch traditionelle Gründe haben kann, erzählt die heutige Geschichte. ·

Nienburg - Von Beate Ney-JanßenNiemand mag Wackelpudding. Mein Sohn nicht – der isst nur die Vanillesoße. Mein Mann nicht – der verzichtet komplett auf den Nachtisch. Ich mag ihn auch nicht – aber was auf den Tisch kommt, muss gegessen werden. Mein Bruder und meine Schwägerin können sich ebenfalls einen schöneren Nachtisch vorstellen, und was meine Nichte zu diesem Thema meint – nun, das werden wir zu diesem Weihnachtsfest erstmals erfahren.

Greta ist dann schon fast ein Jahr alt, wird an Heilig abend in ihrem Hochstuhl am Tisch sitzen und vermutlich nur Augen für den ersten blinkenden, glitzernden und duftenden Weihnachtsbaum ihres Lebens haben.

Aber vielleicht linst sie auch einmal zu dem herüber, was wir auftischen, wenn wir unser gemeinsames Weihnachtsessen einnehmen wollen. Irgendein Geflügel kommt knusprig gebraten auf die Platte, zweierlei Gemüse und Kartoffeln dazu, die in Sauce gern ertrinken dürfen. Das hat Tradition und das habe ich in meinem nunmehr 46-jährigen Leben noch nie anders erlebt. Greta stehen vermutlich ähnliche Zeiten bevor. Da ist mein Bruder genauso altmodisch wie ich.

Was danach kommt, das können Sie sich vermutlich schon denken: Wackelpudding. Eine Schale mit roter, eine weitere Schale mit grüner, glibberiger Masse stellen wir auf den Tisch. Aromatisierter Zucker, mit Lebensmittelfarbe veredelt, aufgekocht und dank Gelatine so fest, dass dem Einfüllen in die Dessert-Schälchen eine Wette vorausgeschickt wird: Wer fabriziert den ersten Wackelpudding-Fleck auf dem weißen, ordentlich gestärkten Tischtuch? Vielleicht gewinnt Greta, wenn sie mit beiden Händen in ihren Teller langt.

Welchen verrückten Grund haben wir also, diese einfalls- und geschmacklose Süßspeisen-Kreation als Abschluss einer schönen Familienfeier zu servieren, fragen Sie sich vermutlich? Das, liebe Leser, liegt an meinem Opa.

Opa starb, als ich acht Jahre alt war. Trotzdem erinnere ich mich noch genau daran, wie er in unserer Runde saß. Nach einem guten – und reichhaltigen – Essen pflegte er sich mit beiden Händen an der Tischkante abzustützen, sich zurückzulehnen und zufrieden zu seufzen. Essen mochte Opa gerne. Das Problem, das Opa hatte, war allerdings sein Magen. Von dem hatten die Ärzte ihm ein gutes Stück herausgeschnitten und nun konnte er nicht mehr alles zu sich nehmen, was ihm gut schmeckte.

Bei Süßigkeiten waren die Probleme besonders groß. Und der einzige Nachtisch, den sein Magen duldete – Haben Sie es erraten? – war Wackelpudding.

Zur Erinnerung an meinen Opa essen wir also in jedem Jahr zu Weihnachten, was uns nicht schmeckt. Und freuen uns trotzdem diebisch darauf. Dann kommt die Erinnerung daran hoch, wer früher noch an diesem Tisch gesessen hat. Die Erzählungen dazu kommen meistens von mir, denn ich bin die einzige, die alle kannte, die jemals den Tisch in unserem Elternhaus mit Wackelpudding beschmutzten. Das ist dann meine schönste Weihnachtsfreude. Und das lässt uns Weihnacht für Weihnacht etwas auf den Tisch bringen, das wir zwar alle nicht wirklich mögen, dafür aber umso mehr lieben.

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