„Sehr herzergreifend und bewegend“

Glückstour: Im nächsten Jahr geht es auch durch Nienburg

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Maic Wetzel (links unten) hält die Tour fotografisch fest.

Nienburg - von Kristina Stecklein. Maic und Antje Wetzel sind von der Glückstour für krebskranke Kinder zurück. Mitgenommen haben sie ergreifende Momente, die ein Leben lang im Gedächtnis bleiben. Nächstes Jahr soll es sogar durch Nienburg gehen.

Sie brauchen auch Unterstützung? Wer selbst eine (Eltern)-Initiative für krebskranke Kinder im Landkreis Nienburg und Umland gegründet hat oder Hilfseinrichtungen und Stiftungen kennt, kann sich bei Maic Wetzel melden. Erreichbar ist der Schornsteinfeger auf seiner Homepage www.schornsteinfeger-wetzel.de

„Alle waren sehr froh, dass sie Sonnenbrillen auf hatten“, erinnert sich Maic Wetzel lächelnd. „Es war sehr herzergreifend, sehr bewegend. So etwas motiviert, sich auf’s Rad zu setzen und 1 000 Kilometer zu fahren.“ Als sich die Mutter ihres ehemals krebskranken Sohnes unter Tränen bei den Radlern der Glückstour bedankt, bleibt dieser Moment fest in Wetzels Gedächtnis. Der damals 21-jährige Sohn fuhr sogar einen Teil der Tour mit, begann eine Ausbildung als Schornsteinfeger. Als Wetzel davon erzählt, spielen sich die Bilder sichtlich vor dem geistigen Auge ab.

Genau wegen solcher Momente, dem Gefühl, etwas für krebskranke Kinder und deren Familie zu tun, fahren Antje und Maic Wetzel bereits seit neun Jahren bei der Glückstour mit (wir berichteten). Die von Schornsteinfegern privat organisierte Spendenaktion ist die Größte deutschlandweit. Sechs Tage lang ging es über Stock und Stein von Freilassing (Salzburg) bis nach Frankfurt. Gut 120 bis 170 Kilometer legten die ehrenamtlichen Radler an einem Tag zurück, sechs Tage benötigten sie für die knapp 1 000-Kilometer lange Strecke. Auf dem Weg übergaben sie Spenden – in diesem Jahr 25 Checks á 5 000 Euro – an Hilfseinrichtungen und wurden ihrem Ruf als Glücksbringer wieder einmal gerecht.

„Damit Gesundwerden keine Glückssache wird“

Kurz durchatmen: Die Fahrradfahrerinnen- und -fahrer bei einem Halt.

„Wir hatten tolles Wetter, immer so 25 Grad. Es gab keine Ausfälle. Landschaftlich ist es natürlich sehr schön – aber auch anstrengend“, weiß Wetzel. Das sei halt alles ein wenig hügeliger als in Norddeutschland. Doch die nächste Chance durch die eigene Heimat zu fahren, lässt nicht lange auf sich warten: Im nächsten Jahr ist das große Ziel Hamburg. „Wir kommen definitiv durch Nienburg. Es liegt auf jeden Fall auf der Route, ob als Mittagspause oder Etappenziel“, verrät der Schornsteinfeger gut gelaunt. Außerdem gibt es 2018 sogar noch mehr Checks zu verteilen, denn es kamen insgesamt über 188 000 Euro an Spendengeldern zusammen.

Andreas Gorgas, Geschäftsführer von frikoni Food, durfte sich über einen limitierten Druck von dem Paderborner Künstler Herman freuen.

So ein Projekt muss gut geplant werden, vor allem dann, wenn 35 bis 40 Beteiligte bei der Glückstour dabei sind. „Es ist ein riesiger logistischer Aufwand, wir fangen jetzt schon an, für nächstes Jahr zu planen“, gibt Wetzel zu. Fünf Begleitfahrzeuge sorgen dafür, dass Gepäck, genügend Verpflegung sowie Werkzeug und Ersatzteile von A nach B kommen. Auch Hotels müssen Platz für die fleißigen Übernachtunsgäste finden. All das bezahlen die Teilnehmer übrigens selbst, denn die Spenden kommen hundertprozentig und ohne jegliche Abzüge bei den Initiativen und Stiftungen an.

Maic Wetzel, Tina Blanke und Antje Wetzel (v.l.) mit einem weiteren Druck.

Von den Spenden wird aber nicht nur an krebskranke Kinder gedacht – sondern auch an deren Geschwister und Eltern. „Es gibt ja auch Klinikclowns und Fruchtalarm“, fügt Wetzel als Beispiel für den Einsatz der Spendengeldern an. Fruchtalarm, das ist ein spendenfinanziertes Projekt, das krebskranke Kinder wieder näher an das Essen und Trinken heranbringt. Durch die chemotherapeutischen Behandlungen verändert sich im Laufe der Therapie immer wieder der Geruchs- und Geschmackssinn. So sollen die Kinder wieder auf spielerische Weise und völlig ungezwungen wieder näher an das herangebracht werden, was uns Menschen so selbstverständlich erscheint.

Finanzielle Hilfe gibt es aber auch aus Nienburg: Friseursalon-Inhaberin Tina Blanke von „Tinas Hairstyling“ hat drei Tage lang für den guten Zweck Haare geschnitten. Alle Einnahmen, insgesamt 1 500 Euro, kommen der Glückstour zu Gute. Auch Spenden wie von Frikoni Food helfen den Schornsteinfegern, andere Menschen glücklich zu machen.

Für die Wetzels heißt es damit wohl: Fleißig in die Pedale treten, damit die Tour im nächsten Jahr – durch Nienburg – wieder ein voller Erfolg wird. Ganz ohne Training funktioniert die Teilnahme zwar auch (das bewies Antje Wetzel bereits mehrere Male), angenehmer ist es aber sicher nicht. „Ich bin viel engagiert im Beruf. Manchmal fehlt die Zeit, aber ich hab sie mir dieses Jahr genommen“, zieht Maic Wetzel abschließend das Fazit – und scheint wirklich zufrieden.

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