Zum Welttag des Down Syndroms: Das erste Jahr mit Simon

Vom großen Glück mit diesem Kind

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Zum Welttag des Down Syndroms erzählt Magdalene Jonik vom großen Glück mit ihrem Sohn Simon.

Rehburg-Loccum - Der 21. März ist der Welttag des Down Syndroms. Bewusst ist dieses Datum gewählt worden, denn das charakteristische Merkmal dieses Gendefekts ist das dreifache Vorkommen des 21. Chromosoms. Auf diesen Tag, der von den Vereinten Nationen seit 2012 offiziell anerkannt ist, möchte auch das Ehepaar Magdalene und Andreas Jonik aufmerksam machen. Ihr Sohn Simon ist vor einem Jahr mit dem Down Syndrom auf die Welt gekommen ist.

Simon dreht sich. Mal rechts herum, mal links herum. Es kommt darauf an, wo etwas Spannendes herumliegt, was er anschauen, anfassen oder schmecken will.

„Das machst du prima“, sagt Magdalene Jonik und strahlt ihren Sohn an. Ein breites Lächeln erscheint auch auf Simons Gesicht. „So ein zufriedenes und freundliches Kind“, sagt Jonik. Wenn sie dann noch erzählt, dass sie in den meisten Nächten ruhig durchschlafen kann, dann schauen manche Eltern sie neidisch an. Das große Glück, dieses Kind zu haben, davon erzählt Magdalene Jonik oft. Allerdings auch davon, dass sie dieses Glück in den ersten Tagen nach der Geburt schwer erarbeiten musste.

Alle Untersuchungen unauffällig

40 Jahre alt war sie, als sie zum dritten Mal schwanger wurde. Ein Wunschkind für sie und ihren Mann Andreas. Die Schwangerschaft verlief problemlos, alle notwendigen Untersuchungen wurden gemacht. Mutter und Kind geht es gut, sei stets die Aussage gewesen. Auch die Geburt verlief normal. Als Magdalene Jonik aber ihr Kind genauer anschaute, wurde sie stutzig. 

Die Augenform erinnerte sie an Kinder mit Down Syndrom. Aber darauf hatte nichts hingedeutet. Wenig später bestätigte ihr eine Kinderärztin: Ihr Baby war mit dem Down Syndrom zur Welt gekommen. In diesem Moment, sagt Magdalene, blieb ihr die Luft weg, drehte sich alles. Was sollte sie nur ihrem Mann sagen, für den es das erste eigene Kind war? Wo ihnen beiden doch von Anfang an klar gewesen war, dass sie nur dieses eine gemeinsame Kind haben würden.

Simon beim Spielen mit anderen Kindern.

„Die Männer sind oft das Problem“, sagt Kerstin Dinter. Die Kinderkrankenschwester bietet in Bad Rehburg FEP-Kurse an. FEP steht für „Frühkindliches-Entwicklungsförderungs-Programm“. Das machen Simon und seine Mutter seit einiger Zeit mit. Kinder unter einem Jahr in Entwicklung, Motorik und Sprache unterstützen und mit den Eltern über Fragen rund um ihre Kleinen in der Gruppe zu sprechen, ist der Ansatz des Programms – für alle Kinder, ob mit oder ohne Down Syndrom. Dort kullert Simon sich im Kreis der Anderen zu den Spielsachen. Währenddessen reden die Mütter über allerhand Themen. Wie etwa die Männer, die sich nach Dinters Erfahrung oft nicht damit abfinden können, wenn ihnen ein Kind mit Down Syndrom geboren wird.

Nach dem Schreck – der Prototyp eines Vaters

Diese Erfahrung musste Magdalene Jonik nicht machen. Auch für ihren Mann war es eine Schrecksekunde, als er vom Down Syndrom seines Kindes erfuhr. Andreas ist der Prototyp eines stolzen Papas: Er erzählt oft davon, wie schön es ist, wenn solch ein kleines Wesen sich zwischen den Eltern sonntags noch eine Weile ins Bett kuschelt.

Zum Stichwort Akzeptanz und Berührungsängsten hatte Andreas Jonik ein Schlüsselerlebnis, als Simon einige Monate alt war. Dass ihr Baby mit dem Down Syndrom geboren wurde, hatte sich in ihrem Wohnort Rehburg herumgesprochen, auch weil beide von Anfang an offen davon erzählten. Irgendwann, sagt Andreas Jonik, habe ein Freund zu ihm gesagt, dass er sich nicht traue, in den Kinderwagen zu schauen. Das sei ein besonderer Moment gewesen: Dieses Eingeständnis des Freundes, der nicht wusste, wie er reagieren würde angesichts des Kindes mit Down Syndrom. „Weißt du was, wir schauen gemeinsam in den Kinderwagen“, sagte Andreas Jonik. Das Lächeln des stolzen Vaters, das Lächeln des Babys – danach war die Scheu des Freundes gebrochen.

Was, wenn sie früher vom Down Syndrom erfahren hätten?

Wenn Magdalene Jonik von ihrem Glück erzählt, dieses Kind zu haben, dann sieht sie auch die dunklen Seiten. Mit einem Herzfehler ist Simon auf die Welt gekommen – eine typische Nebenerscheinung des Down Syndroms. Um das zu operieren, wird er ins Krankenhaus müssen. Das Kümmern ist intensiver als bei anderen Kindern. Lernt er laufen? Sprechen? Wird er Lesen lernen? Seinen Lebensunterhalt verdienen können? Alleine leben? Was andere Eltern gar nicht hinterfragen, sind bei Familie Jonik Themen, die zum Alltag gehören.

Manchmal kommt die Frage auf, was Simons Eltern getan hätten, wenn sie von dem Down Syndrom früher erfahren hätten.

Eine Antwort können beide nicht geben. Sie sind froh, dass sie nie vor diese Entscheidung gestellt wurden. Nach ihrem ersten Jahr mit Simon möchten sie werdenden Eltern Mut machen, sich für ihr Kind zu entscheiden, wenn es das Down Syndrom hat. Das Glück würde überwiegen.

Zum Welttag des Down Syndroms davon zu berichten, ist beiden ein Anliegen gewesen. Und Simon hat so jede Menge zusätzliche Aufmerksamkeit bekommen. Welches Kind mag das nicht?  - ade

Quelle: kreiszeitung.de

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