Drakenburger Kinder nach Heemsen

Samtgemeinde Heemsen: Grundschulen werden zusammengeführt

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Eine Weile bleibt die Grundschule in Haßbergen noch geöffnet.

Samtgemeinde Heemsen - Von Maren Hustedt. „Das wichtigste sind die Kinder“ – dieser Satz klang nach, bei der jüngsten Ratssitzung der Samtgemeinde Heemsen am Montag in der Alten Schule in Rohrsen. Für ordentlich Zündstoff sorgte jedoch erneut die Frage, was genau denn für die Schüler und Schülerinnen künftig das Beste sei.

In geheimer Abstimmung und unter Berufung auf das künftige Wohl der Kinder entschieden die Mitglieder des Samtgemeinderates bei zwei Enthaltungen und drei Gegenstimmen mit elf Stimmen Mehrheit, jedenfalls Folgendes: „Die Grundschulen der Samtgemeinde Heemsen werden zusammengeführt. Die Grundschule Drakenburg wird mit der Grundschule Heemsen zum Schuljahr 2019/20 zusammengeführt.“

Im Rahmen der aktualisierten Beschlussvorlage entschieden die Ratmitglieder außerdem, dass die Grundschule Haßbergen erst zu einem späteren Zeitpunkt geschlossen werden soll. Wortlaut: „Die Grundschule Haßbergen wird mit der Grundschule Heemsen zusammengeführt, wenn zukünftig die Lehrerversorgung über mehrere Jahre nicht mehr sichergestellt werden kann, oder die Schülerzahlen über mehrere Jahre die Bildung von sogenannten Kombiklassen erforderlich macht, oder die Grundsätze der Inklusion nicht mehr umgesetzt werden können, oder außerordentliche und umfangreiche Investitionen für Sanierungs-/Umbaumaßnahmen am Schulgebäude erforderlich werden...“

Diese Entscheidung stieß bei vielen Bürgern, die bei der Sitzung so zahlreich anwesend waren, dass einige stehen mussten, auf Unverständnis, obwohl sie sie wohl hatten kommen sehen. Zu Beginn der Sitzung hatte Samtgemeindebürgermeister Fietze Koop zur Thematik Stellung genommen.

Mehr Sachlichkeit und Transparenz eingefordert

Dass die Schließung der Oberschule in Heemsen Auswirkungen haben würde auf die Gestaltung des Primärbereichs, sei „nicht zu verhindern“ gewesen, betonte Samtgemeindebürgermeister Fietze Koop. Um der Bedeutung des Themas gerecht zu werden und eine gute Lösung vorzubereiten, habe man den Arbeitskreis vorgeschaltet. Man müsse den Anforderungen der ganzen Samtgemeinde gerecht werden und „am Ende muss der Rat entscheiden“, so Koop.

Der Ratsvorsitzende Henry Koch und SG-Bürgermeister Fietze Koop (Mitte v.l.) moderierten die Sitzung.

Für künftige Investitionen müsse die Samtgemeinde Schwerpunkte setzen in Bezug auf Schülerzahlen und Lehrerversorgung. Der Unruhe, die daraufhin im Publikum entstand, begegnete Koop mit dem Hinweis darauf, dass die Landesregierung beschlossen habe, inklusive Schwerpunktschulen zu gestalten und die Ausnahmeregelung, welche zurzeit für die Haßberger Grundschule gelte, spätestens in 2024 auslaufe. „Diese Frist ist von Bund und Land so vorgegeben. Wir haben keine Möglichkeit, die Ausnahmeregelung zu verlängern.“ Spätestens 2024 also steht die Haßberger Grundschule vor dem endgültigen Aus.

Zweifel zu Schülerbeförderung, Klassenstärke und Lehrerversorgung

Im Rahmen der Diskussionsrunde, welche der Vorsitzende Henry Koch eröffnete, machten die Bürger ihrer Sorge um das Wohl der Kinder und ihrem Unmut in Bezug auf die Zusammenlegung der Schulen Luft. Die größte Sorge galt der Beförderung der Erstklässler und Grundschüler vom Heimatort in die Grundschule Heemsen.

Vor dem Hintergrund, dass die Kinder mit Linienbussen befördert werden sollen, klagte eine Bürgerin: „Herr Koop, haben Sie schon mal gesehen, wie voll die Busse morgens sind?“ Der Verwaltungschef versicherte darauf: „Wir werden uns darum kümmern.“ Zwar sei das, von einem weiteren Bürger, eingeforderte Verkehrssicherheitskonzept noch nicht diskutiert worden, doch würde das passieren, sobald der Beschluss zur Zusammenlegung gefasst sei. Fahrtkosten für Kinder, deren Schulweg mehr als drei Kilometer betrage, würden vom Landkreis übernommen, erklärte Koop auf Nachfrage.

Die künftige Größe der Klassen bildete einen weiteren Sorgenschwerpunkt der anwesenden Bürger. Für das kommende Schuljahr würden mit den Drakenburger Kindern 60 Schüler in Heemsen beschult. „Können wir uns denn wenigstens darauf verlassen, dass sie dreizügig beschult werden und nicht zweizügig“, so ein besorgter Bürger. „Mein Ziel wäre das“, erwiderte Koop daraufhin. Zwischen 220 und 240 Schüler würden in den nächsten Jahren in der Samtgemeinde beschult. „Dann hätten wir eine gesicherte Dreizügigkeit“, so Koop.

Auch die Lehrerversorgung trieb die anwesenden Bürger um. Warum man denn glaube, dass in Heemsen kein Lehrermangel herrschen würde, fragte jemand in Richtung Rat. Der Landtagsabgeordnete Dr. Frank Schmädeke antwortete darauf unter Berufung auf seine Nähe zum Kultusminister: „Wenn wir eine zukunftsfähige Schullandschaft aufstellen, können wir zwar keine Garantien geben, dass wir hier Lehrer rankriegen, aber der Einsatz dafür wird einfacher.“ Zur Not würde er die zuständigen Politiker „hierher holen“.

Auch Fietze Koop versicherte: „Ich sehe es als meine vornehmste Aufgabe, beim Land dafür zu werben und Lehrer einzufordern.“ Sollten die Schülerzahlen ausreichen, könnte man vielleicht sogar eine Konrektorstelle in Heemsen einrichten.

Bei der Ratssitzung am Montag gab es keinen Sitzplatz mehr im Zuschauerbereich. Vor der Entscheidung des Rates wurde die Beschlussvorlage noch einmal kontrovers diskutiert.

Auf welche Weise die leer stehenden Schulgebäude künftig nachgenutzt werden sollen, müsste in Abstimmung mit den Gemeinden und örtlichen Vereinen geregelt werden, kündigte Koop auf Nachfrage eines Bürgers an. Dessen Einwand, dass eine solche Unterhaltung kein örtlicher Verein stemmen könnte, blieb offen im Raum stehen.

Im Anschluss an die Diskussion machte Ratsherr Burkhardt Schmidt (WG) seinem Unmut deutlich Luft und erntete dafür den Beifall der anwesenden Bürger. „Ich kritisiere, dass uns die aktuelle Beschlussvorlage mit den zusätzlich aufgenommenen K-o.-Kriterien für Haßbergen viel zu spät vorgelegt wurde.“ Außerdem meinte er, der Arbeitskreis habe nur 16 bis 21 Stunden Arbeit in das Thema investiert. „Das ist zu wenig. Drakenburg hatte von Anfang an keine Chance.“ Auch Ratsherr Thorben Andermann meinte, dass in der Diskussion um die Zusammenführung der Schulen nicht Fakten gezählt hätten, sondern, dass es vor allem darum gegangen sei, den Schulstandort Heemsen zu stärken. „Koste es, was es wolle. Und die Rechnung zahlen Drakenburg und Haßbergen.“

Der Antrag des Ratsherren Schmidt, über die Zukunft der Schulen in Haßbergen und Drakenburg gesondert abzustimmen, sorgte kurzfristig für Verwirrung und Unruhe im Rat, wurde letztlich aber abgelehnt.

Paczkowski fühlt sich von Unbekannten bedroht

Unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen“ meldete sich Ratsfrau Ute Paczkowski zu Wort. Sie bedauerte, dass in den vergangenen Wochen so „unsachlich diskutiert“ worden sei. Mehrfach sei sie angefeindet und sogar bedroht worden. Bei einer ihrer jüngsten Auftritte in der Öffentlichkeit habe sie sich „nicht sicher“ gefühlt, weshalb Polizei anwesend gewesen sei. „Man hat mich angerufen und mir gesagt, dass etwas passieren würde, wenn die Schule in Drakenburg geschlossen würde.“ Überwiegend fühle sie sich in ihrem Amt als Bürgermeisterin in Drakenburg sehr wohl, doch in Anbetracht der jüngsten Ereignisse müsse noch einmal deutlich darauf hingewiesen werden, dass es sich um ein Ehrenamt handle.

Mehr Sachlichkeit auf der einen und mehr Transparenz auf der anderen Seite, wünschten sich die Ratsmitglieder für ihre zukünftige Arbeit. Jetzt gilt es, die Drakenburger Kinder gut nach Heemsen zu begleiten und dort einzubinden. Der Beschluss des Samtgemeinderates sieht bereits vor, entsprechende Konzepte auszuarbeiten. Zitat: „Über die Konzepte ist die Öffentlichkeit – insbesondere die Elternschaft – ebenfalls vor der Zusammenführung zu informieren.“

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