„Internationales Workcamp“ in Heemsen: Jugendliche arbeiten für Würde der Gefallenen

Bei Halbzeit gibt es keine Pause

Kreiszeitung Syke

Nienburg - HEEMSEN (hen) · Es ist Halbzeit in Heemsen, aber eine – wie etwa beim Fußball übliche – Pause gibt es nicht: Die jungen Menschen aus Weißrussland, Armenien, Russland, Bulgarien, Polen, Moldavien, der Ukraine und aus Deutschland, die seit einer Woche das „internationale Workcamp“ bestreiten, arbeiten zielstrebig an der Aufarbeitung eines Stückes Geschichte weiter. Insbesondere daran, den 746 Toten auf dem „Russenfriedhof“ in Heemsen Identität und Würde zurückzugeben.

Nachdem der Friedhof inzwischen – wie berichtet – herausgeputzt worden und auch die Dokumenten-Sichtung gut vorangeschritten ist, fertigen die Teilnehmer die „Namensziegel“. Auf ihnen stehen Zuname, Vorname, Geburts- und Sterbedatum der Gefallenen beziehungsweise im ehemaligen „Lazarett Zweigstelle Rohrsen“ mit dem Namen „Stalag XC“ gestorbenen russischen Soldaten.

Das „Workcamp“, initiiert vom Kreisverband Nienburg im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, betreut Jörg Schgalin. Er ist Presse- und Jugendreferent des VDK-Bezirks Hannover und kooperiert eng mit den Mädchen und Jungen des „Jugendtreffs“ Heemsen. Heemsens Jugendpflegerin Sandra Auf dem Berge ist mit ihrem Team mittendrin und hilft, wo Unterstützung nötig ist.

„An Bord“ ist ferner die Bundeswehr vom ElokaBtl 912 in Nienburg, etliche andere und auch private Unterstützer fördern dieses „Workcamp“ ebenfalls, so Michael Siegel, VDK-Kreisgeschäftsführer in Nienburg. Er hatte verraten, dass Gitta Eggers, die Frau von Landrat Heinrich Eggers, anlässlich einer privaten Feier auf Geschenke verzichtet hatte und dafür einen Betrag von mehr als 1 100 Euro spendete.

„Das Geld haben wir zum Beispiel für Fahrten verwendet“, so Sandra Auf dem Berge. Ziele waren beziehungsweise sind die Gedenkstätte in Bergen-Belsen, das Steinhuder Meer, die sowjetische Kriegsgräberstätte am Maschsee in Hannover sowie das „Wassarium“ in Drakenburg.

Daneben geht die Arbeit mit den „Namensziegeln“ ruhig und besonnen weiter. „Etwa knapp 50 können wir vermutlich bei der zentralen Gedenkfeier am kommenden Mittwoch auf dem Areal der Kriegsgräberstätte platzieren“, sagte Jörg Schgalin. Alle weiteren müssten dann nach und nach entstehen: „Wir haben die Vorarbeit geleistet und hoffen, dass es nach Beendigung dieses Workcamps auf lokaler Ebene weitergeht“, so der „Chef“, der vermutlich heute Abend mit den jungen Camp-Teilnehmern und denen eines Camps in Marklohe in die Disco gehen dürfte. Soldaten des Bataillons Elektronische Kampfführung haben die Halle der Schule in Heemsen, die den Camp-Leuten als Unterkunft dient, gestern mit Tarnnetzen ausgestattet. Sie sorgten so für eine „besondere Atmosphäre“, in der es sich – trotz des ernsten Hintergrunds des internationalen Treffens – vermutlich gut feiern lässt.

Einen echten familiären Bezug zu einem der auf dem „Russenfriedhof“ bestatteten Soldaten habe übrigens keiner der Camp-Teilnehmer, erklärte Jörg Schgalin. Aber es seien „interessante Entdeckungen gemacht“ worden. So kenne eine Teilnehmerin den Herkunftsort eines der Toten und wolle nach Abschluss des Workcamps mit den Angehörigen des Verstorbenen Kontakt aufnehmen und sie informieren.

Quelle: kreiszeitung.de

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