Charlotte Hustedt häkelt

Handgefertigte Babychucks am „laufenden Band“

+
Obwohl diese Babychucks handgefertigt sind, gleicht ein Paar dem anderen auf das sprichwörtliche Haar. Charlotte Hustedt ist für ihre Gewissenhaftigkeit bekannt.

Haßbergen - Von Maren Hustedt. Es gibt Tage im Leben von Charlotte Hustedt, an denen sie die Fernsehzeitung, den Roman, den Sudoku-Block und die Schale mit den Keksen oder Gummibärchen vom Wohnzimmertisch räumt. In der Regel sind diese Dinge unentbehrlich für einen entspannten Feierabend der 74-jährigen Haßbergerin. Doch drei- bis viermal im Jahr weichen diese lieb gewonnenen Utensilien zugunsten winziger, gehäkelter Babyschuhe.

Charlotte Hustedt häkelt die Babyschuhe nämlich in einer Art „Massenproduktion“ – immer etwa 10 Paar auf einmal, drei- bis viermal im Jahr. Und zwar, um sie nach Fertigstellung der Kirchengemeinde Haßbergen/Eystrup zu schenken. Seit etwa fünf Jahren nutzt Pastor Thies Jarecki diesen ehrenamtlichen Akt der Nächstenliebe, um Neugeborene in Haßbergen und Täuflinge in Eystrup zu beschenken.

„Die Idee geht auf ein Gespräch zwischen meiner Frau und Charlotte Hustedt zurück“, erzählt der Pastor. In dem Jahr, in dem das Paar die Kirchengemeinde Haßbergen übernommen hatte, startete Pastorin Tinecke Jarecki einen Aufruf zum gemeinsamen Basteln. Ziel des Basteltreffens war, kleine Geschenke für Täuflinge und Jubilare zu fertigen und zu verpacken. Charlotte Hustedt, die seit ihrer Kindheit gern handarbeitet und bastelt, las den Aufruf und nahm gemeinsam mit Freundin Hanne Patzer an einem Bastelnachmittag teil. „Dann ist das Treffen wieder eingeschlafen, aber wir haben uns gut kennengelernt und es ist daraus die Idee entstanden, für Täuflinge Babyschuhe zu häkeln“, erzählt Charlotte Hustedt. Seitdem füllt die 74-Jährige zuverlässig die Kiste im Eystruper Gemeindehaus mit Babyschuhen, die von dort aus nach Bedarf verschenkt werden.

„Die Aufgaben, die Charlotte Hustedt in unserer Gemeinde übernimmt, erledigt sie zuverlässig und voller Freude“, lobt Pastor Jarecki ihr Engagement. Neben den Babyschuhen organisiert Charlotte Hustedt mit weiteren Damen ehrenamtlich das Gemeindecafé und gestaltet in regelmäßigen Abständen Gemeindenachmittage.

Für das Foto durften Fernsehzeitung, Kekse und Gummibärchen an Ort und Stelle bleiben. Für die Anfertigung von 10 Paar Babychucks gleichzeitig braucht Charlotte Hustedt allerdings viel Platz und räumt den kompletten Wohnzimmertisch frei.

Das Häkeln der winzigen Schuhe liegt Charlotte Hustedt besonders am Herzen. „Es ist eine furchtbare Fummelei“, beschreibt sie die mühselige Arbeit knapp. Während sie zwei große Schuhkartons öffnet, blüht die Rentnerin sichtlich auf. Denn darin lagert die jüngste „Produktion“ an Babychucks – wie sie offiziell heißen. Ordentlich in Reih und Glied, füllen Babyschuhe in den Farben Rot, Rosa, Pink, und Blau den Boden der Kartons. „Zuerst häkel ich mit Nadelstärke 4,5 die Sohlen für etwa 10 Paar Schuhe“, erklärt die Haßbergerin. Die 20 Sohlen legt sie dann auf dem Tisch aus, um sie in einem weiteren Arbeitsschritt farblich passend zu umrunden. Neben 4,5er Häkelnadeln finden auch 4er und 3er Stärken Verwendung – je nachdem, welcher Teil der Schuhe gefertigt wird.

Die Anleitung für die Chucks hat Charlotte Hustedt seinerzeit von Pastorin Tinecke Jarecki bekommen. „Es hat lange gedauert, bis ich die Anleitung entschlüsselt und umgesetzt hatte. Sie ist ziemlich kompliziert und zum Teil auf Englisch.“ Neben der genauen Umsetzung kommt es der ehemaligen Sekretärin aber auch auf die optimale Brauchbarkeit der Schuhe an. „Ich verwende ausschließlich, Garn einer bestimmten Marke. Das läuft gut durch die Finger, lässt sich leicht verarbeiten und sorgt für die nötige Standfestigkeit“, erklärt sie, und streicht mit den Fingern behutsam über den Schaft eines Schuhs.

Die Kosten für die Wolle bekommt die Haßbergerin von der Kirchengemeinde erstattet. Doch hat die findige Rentnerin mittlerweile auch günstigere Quellen für ihren Werkstoff aufgetan: „Ich schaue auf Flohmärkten nach geeigneter Wolle und habe schon ganze Tüten voll für wenige Euro ergattert.“ Dadurch, dass Charlotte Hustedt auch in der Handarbeitsgruppe „EFA – Am Morgen“ (Eystruper Frauenabend) aktiv ist, wissen viele Frauen um die Aktion und steuern gerne Wollreste bei. Die winzigen Schuhe mit dem pfiffigen Emblem kommen so gut an, dass Charlotte Hustedt auch privat schon darum gebeten wurde, Paare anzufertigen. „Zum Beispiel wenn ein Enkelkind geboren wurde.“ Auf die Frage, wie viele Paar Schuhe sie im Lauf der Jahre wohl gehäkelt und verschenkt hat, erklärt Charlotte Hustedt kurz: „Ach – ich weiß nicht. Vielleicht so hundert Paar?“ Dass das nicht stimmen kann, ist schnell errechnet: 10 Paar Schuhe, etwa drei bis viermal im Jahr gehäkelt, über einen Zeitraum von rund fünf Jahren – das ergibt nach Adam Riese allein für die Kirchengemeinde mindestens 200 Paar. „Ist egal“, wehrt sie entschieden ab. „Hauptsache, die Schuhe gefallen und machen Freude.“

Das könnte Sie auch interessieren

Fußball

Erster Bayern-Sieg dank Lewandowski - Leverkusen gewinnt

Erster Bayern-Sieg dank Lewandowski - Leverkusen gewinnt
Politik

Schwieriger G7-Gipfel erwartet: Krisen und Konflikte

Schwieriger G7-Gipfel erwartet: Krisen und Konflikte
Politik

Das Ende einer Irrfahrt: Migranten von „Ocean Viking“ in Malta angekommen

Das Ende einer Irrfahrt: Migranten von „Ocean Viking“ in Malta angekommen
Politik

Europa macht wegen Amazonas-Bränden Druck auf Bolsonaro

Europa macht wegen Amazonas-Bränden Druck auf Bolsonaro

Meistgelesene Artikel

Flugplatzfest des Luft-Sportclubs Nienburg zieht tausende Besucher an

Flugplatzfest des Luft-Sportclubs Nienburg zieht tausende Besucher an

Pawel Popolski mit neuen Sensationen aus der Welt der Popmusik

Pawel Popolski mit neuen Sensationen aus der Welt der Popmusik

Unfall bei Wietzen fordert vier Verletzte

Unfall bei Wietzen fordert vier Verletzte

Stadtrat Nienburg berät über Teilnahme an Versteigerung

Stadtrat Nienburg berät über Teilnahme an Versteigerung

Kommentare