Hans Soltau: „Barrierefreiheit ist in den Köpfen noch nicht angekommen.“

„Inklusion steckt noch in den Kinderschuhen“

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Hans Soltau

Bücken - Die Landfrauen für die Themen Inklusion, Behinderung und Barrierefreiheit zu sensibilisieren, das hat sich Hans Soltau, Landesvorsitzender der obersten Schwerbehindertenvertretungen des Landes Niedersachsen, vorgenommen. Er hielt jetzt einen Vortrag zum Thema „Inklusion – Es geht um Menschenrechte“.

„Obwohl in Deutschland seit dem 26. März 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gesetzlich gültig und verbindlich ist, steckt die Inklusion noch in den Kinderschuhen“ – so begann der engagierte Referent seinen Vortrag im Gasthaus Thöle in Bücken.

Bei diesem Übereinkommen handelt es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag, der bereits bestehende Menschenrechte für die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen konkretisiert. Sie sollen von den Menschenrechten Gebrauch machen können – und zwar gleichberechtigt mit nichtbehinderten Personen.

Landläufig werde mit einer Behinderung eine körperliche oder geistige Einschränkung assoziiert, aber der zu schützende Personenkreis gehe viel weiter. Auch die älteren Mitglieder unserer Gesellschaft fielen unter diesen Schutz, sagte der Landesvorsitzende und führte insbesondere die ärztliche Versorgung auf dem Lande als Beispiel für nötige Verbesserungen an.

In Niedersachsen leben rund 1,3 Millionen Menschen mit Behinderung, davon sind etwa 700000 Personen schwerbehindert, nannte Soltau ein paar Zahlen. Bezogen auf die niedersächsische Gesamtbevölkerung von rund 7,9 Millionen Bürgern ist dies ein Anteil von 8,7 Prozent. Ein überdimensionaler Anstieg sei bei den Menschen über 60 Jahren zu verzeichnen, ebenso nehme die Anzahl behinderter Menschen ohne Arbeit zu.

Inklusion, abgeleitet vom lateinischen Wort „includere“ (einschließen) drückt nach Auffassung des Referenten etwas Selbstverständliches und Natürliches aus, nämlich die Einbindung aller Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen – egal, ob Schule, Arbeit oder Freizeit. Aber diese Kernbotschaft sei in den Köpfen vieler Menschen noch nicht angekommen. Insoweit gehe es bei der Inklusion nicht nur darum, Menschen mit Handicap ein barrierefreies Leben zu ermöglichen, sondern auch Barrieren in den Köpfen der Mitmenschen, der Arbeitgeber, aber an erster Stelle der Politik abzubauen, führte Soltau weiter aus. Seit 2009 sei die UN-BRK in Deutschland in Kraft, es habe sich auch etwas verändert, aber nicht viel.

Hans Soltau stellte einen Überblick der Maßnahmen vor, die in dem Aktionsplan des Landes Niedersachsen zusammengefasst sind. Dieser Maßnahmenkatalog basiert auf den Vorschlägen verschiedener Verbände zur Umsetzung der Inklusion und Integration.

Außerdem berichtete er über positive Maßnahmen einiger Kommunen, wie beispielsweise der Stadt Aurich, die einen Stadtplan für Menschen mit Behinderung anbietet. In Hildesheim, als weiteres Beispiel, sind Stadtführungen für sehbehinderte Menschen ein Angebot des Tourismusbüros.

Dass das Thema „Inklusion – Es geht um Menschenrechte“ auch in der hiesigen Bevölkerung noch nicht angekommen ist, bewies das geringe Zuhörerinteresse. Vorsitzende Claudia Bartels des sonst mit Gästezahlen verwöhnten Landfrauenvereins konnte zu diesem Vortrag, auch zum Bedauern des Referenten, nur wenige Besucher begrüßen.

Die nächste Veranstaltung des Landfrauenvereins ist für Dienstag, 10. Februar, geplant. Um 15 Uhr geht es im Gasthaus Thöle um das Thema „Gärten auf dem Lande – Gartenkunst gestern und heute“.

Quelle: kreiszeitung.de

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