Querung der B215 zu gefährlich für Helfer

Krötentunnel zum Wohl von Tier und Mensch

Geschafft: Dieses Krötenpärchen wurde von den Helfern über die Straße gebracht und strebt jetzt seinem Laichgewässer – dem Alten Weserarm – entgegen.

Haßbergen - Von Maren Hustedt. „Das Wandern ist des Müllers Lust.“ Ob diese erste Zeile des bekannten Volkslieds auch auf die Wanderschaft der Kröten zutrifft, ist fragwürdig. Denn ein Großteil der Amphibien, die derzeit zu ihren Laichplätzen wandern, werden auf unseren Straßen überfahren.

Um das zu ändern, engagieren sich der Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU) und der ehrenamtliche Krötensammler Ulrich True derzeit dafür, dass an der Bundesstraße 215 – zwischen Haßbergen und Gandesbergen – so genannte Amphibientunnel gebaut werden.

Grund hierfür: Das Überqueren der viel befahrenen Straße ist mittlerweile nicht nur für die steigende Population der Kröten gefährlich, sondern auch für ihre Retter.

Bau im Zuge der Straßensanierung geplant

Vor zehn Jahren ist Ulrich True zur Gruppe der ehrenamtlichen Krötensammler gestoßen. Während der Laichzeit, die Ende Februar beginnt und im April endet, kontrollieren die 15 Ehrenamtlichen morgens ab 8 Uhr sowie zeitweise noch einmal abends gegen 22 Uhr die im Boden vergrabenen Eimer am Krötenzaun. Die darin befindlichen Amphibien heben sie behutsam in mobile Eimer, um sie dann zu Fuß über die Straße zum Laichgewässer – einem alten Weserarm – zu tragen.

Über die Zahl der geretteten Tiere hat True von Anfang an persönliche Aufzeichnungen gemacht: „Damals haben wir in der ersten Saison etwa 2000 Amphibien über die Straße getragen“, erinnert er sich. Diese Anzahl sei über die Jahre kontinuierlich gestiegen. Bis Anfang April diesen Jahres werden die Helfer an die 12 000 Amphibien über die Straße getragen haben. So jedenfalls lässt es die offizielle Zählung erwarten, die aktuell im Auftrag der Niedersächsischen Straßenbaubehörde durchgeführt wird. Das bedeutet mehr Arbeit und vor allem mehr Straßenquerungen für die freiwilligen Helfer.

Maik Beermann und Ulrich True ziehen an einem Strang

Ebenso wie die Zahl der Kröten wächst auch die Zahl der vorbei fahrenden Autos. Nach den Erfahrungen von Ulrich True nehmen die Autofahrer wenig Rücksicht auf die Akteure der Krötenrettung. „Nur mit Stirn- und Taschenlampe sowie Warnweste ausgerüstet, laufen wir hier zum Beispiel abends im Dunkeln herum“, beschreibt er. „Das ist zweifellos gefährlich.“ Außerdem sei es sehr einsam in der Weserkurve, sodass einem schon mal mulmig werden könne, wenn es im Unterholz knackt. Das sei auch der Grund dafür, dass in den Abendstunden nur Männer sammeln gehen.

All diese Unannehmlichkeiten könnten mit Krötentunneln beendet werden. Die Idee dazu kam vor rund eineinhalb Jahren Ulrich True. Er wandte sich damit an die zuständigen Behörden – und mit der Bitte um Unterstützung auch an den heimischen Bundestagsabgeordneten Maik Beermann. Bei ihm fand der Tierschützer sofort ein offenes Ohr. „Ich habe mir die Situation vor Ort angesehen und bin zu dem Schluss gekommen, dass der Bau von Krötentunneln hier sinnvoll wäre, weil das Sammeln an dieser Stelle zu gefährlich ist“, so Beermann.

Gemeinsam brachte man in Erfahrung, dass eine Sanierung der B 215 im genannten Bereich bevorsteht, und setzte verschiedene Hebel in Bewegung, um die Dringlichkeit für den Bau der Unterquerungen deutlich zu machen. „Wir sind auf einem guten Weg“, beschreibt Ulrich True den aktuellen Stand des Verfahrens. Dass die Krötentunnel im Rahmen der Straßensanierung gebaut werden sollen, sei inzwischen beschlossene Sache. Mittels offizieller Zählungen und Auswertungen wird jetzt genau ermittelt, an welcher Stelle die Durchgänge für die Kröten gebaut werden sollen. 

Haßbergen: Tunnel für Kröten soll entstehen

 © M. Hustedt
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Die Planungen für die anstehende Sanierung der B215 in dem betroffenen Bereich sollen nach Kenntnisstand von Ulrich True Ende 2019 fertiggestellt werden. „Vielleicht kann dann schon 2020 mit dem Bau der Tunnel begonnen werden“, wünscht sich der ehrenamtliche Krötensammler.

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