Jeanette Hagedorn wehrt sich gegen Gemeindesaal-Planungen

Haus der Gesundheit: Inhaberin denkt über Schließung nach

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Das „Haus der Gesundheit“, gesehen vom Standort des geplanten Gemeindesaals. Der würde bis auf wenige Meter an Hecke reichen. Sie bildet die Grundstücksgrenze.

Heemsen - von Leif Rullhusen. Seit 15 Jahren betreuen Therapeuten im „Haus der Gesundheit“ in Heemsen Patienten in zahlreichen Bereichen. Damit könnte bald Schluss sein.

Wenn die Samtgemeinde auf dem Nachbargrundstück einen Gemeindesaal bauen sollte, will die Gründerin und Inhaberin der Immobilie, Jeanette Hagedorn, das Haus schließen. „Diese Eventhalle würde uns in unserer Arbeit so stark einschränken, dass wir unsere Praxen aufgeben müssten“, erklärt sie. Zu groß sei die Lärmbelastung.

Die Planungen, in der Dorfmitte einen Gemeindesaal zu bauen, ständen noch ganz am Anfang, erläutert Heemsens Samtgemeindebürgermeister Friedrich-Wilhelm Koop. „Wir befinden uns auf einem Vorplanungsstand“, verdeutlicht der Verwaltungschef.

Samtgemeinde hat Bauvoranfrage gestellt

Im Herbst vergangenen Jahres hat die Samtgemeinde beim Landkreis Nienburg eine Bauvoranfrage für ein entsprechendes Objekt gestellt. Es soll auf dem gemeindeeigenen Grundstück direkt neben dem Feuerwehrgeräte- und Schützenhaus entstehen und mit beiden über ein gemeinsames Foyer baulich verbunden werden. Nach dem Plan in der Bauvoranfrage beträgt sein Abstand zur Grundstücksgrenze des „Hauses der Gesundheit“ rund fünf Meter. Beinhalten soll der Neubau unter anderem einen rund 200 Quadratmeter großen Gemeindesaal mit Ausschank, Lager und Buffetbereich sowie einen Besprechungsraum. „Die Nutzung ist vordergründig als Vereinshaus für alle Vereine vorgesehen. Es sollen dort Vereinsfeste, gemeindliche und kirchliche Veranstaltungen/Feste stattfinden“, schreibt Andreas Kneist, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt, in der Bauvoranfrage. Darüber hinaus soll der Gemeindesaal auch für private Veranstaltungen und Feierlichkeiten zur Verfügung stehen.

„Laut neben Leise – das funktioniert nicht“

„Laut neben Leise – das funktioniert nicht“, wehrt sich Jeanette Hagedorn gegen die Planungen der Samtgemeinde. „Unsere Patienten können nicht entspannen, wenn nebenan gerade ein Soundcheck stattfindet“, verdeutlicht die Heilpraktikerin und Osteopathin. Da sie Auflagen hinsichtlich der Belüftung erfüllen müssten, seien die Fenster der Praxen häufig geöffnet. Zudem fänden zahlreiche Übungen auf dem Außengelände statt. „Das könnten wir dann nicht mehr nutzen.“ Da die Praxen abends häufig bis 21 Uhr und auch am Wochenende geöffnet hätten, würden sich diese mit Veranstaltungen im Gemeindesaal zeitlich überschneiden. „Wir sind von der Gemeinde bisher überhaupt nicht nach unseren Betriebszeiten gefragt worden“, ärgert sich Hagedorn.

Wenn das Projekt umsetzungsreif sei, würden auch die Nachbarn daran beteiligt, entgegnet Koop. „Dann werden auch die Belange der Praxen im Haus der Gesundheit berücksichtigt.“ So weit sei der Planungsstand derzeit aber noch nicht. Noch warte die Gemeinde auf eine Antwort des Landkreises auf ihre Bauvoranfrage. Wenn diese positiv sei, könnten Förderanträge gestellt und die Planungen in den politischen Gremien beraten werden.

Grund: Gaststättensterben auf den Dörfern

Die Idee zum Bau des Gemeindesaals sei durch die Aufnahme der Gemeinden Heemsen, Rohrsen und Haßbergen in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen entstanden, erläutert der Verwaltungschef. In einem der daraufhin gegründeten Arbeitskreise mit Bürgerbeteiligung sei daraufhin die Idee entstanden, einen Gemeindesaal in der Dorfmitte von Heemsen zu bauen. Hintergrund sei das Gaststättensterben auf den Dörfern. „Deshalb gibt es immer weniger Gaststätten mit Sälen für Veranstaltungen in den Orten“, schildert Koop. Das sieht Hagedorn ganz anders: „Der Bedarf ist künstlich. Es gibt ihn gar nicht. Die Gemeinde will sich damit nur ein Denkmal setzen. Das kann sie machen, aber nicht neben unserem Gesundheitshaus“, ärgert sich die Therapeutin.

Gelegenheit, diese Argumente mit der Samtgemeinde zu diskutieren, bekommt Jeanette Hagedorn im Verlauf des weiteren planungsrechtlichen Verfahrens noch. Es sei denn, der Landkreis erteilt der Bauvoranfrage eine Abfuhr.

„Haus der Gesundheit“

Mehrere Praxen bieten im „Haus der Gesundheit“ ein Spektrum aus verschiedenen medizinisch ganzheitlich-orientierten Therapien, die sich gegenseitig ergänzen. Die Bandbreite umfasst Logopädie, Osteopathie – auch für Babys und Kinder – sowie Physio-, Farb- und Ergotherapie. Ergänzt werden die therapeutischen Angebote durch eine Lernwerkstatt. „Solch ein Angebot unter einem Dach ist im Landkreis Nienburg absolut einzigartige“, erklärt Jeanette Hagedorn. Die Therapeuten würden Patienten aus dem gesamten Land betreuen, darunter sogar Bundesliga- und Fußballnationalspieler.

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