Neue Sonderausstellung

Heimatmuseum Hoya freut sich über Invasion der Zwerge

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Lauter kleine Engel präsentiert Henry Bockisch aus Nienburg-Erichshagen in vier Vitrinen.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Schneewittchen wird nicht vorbeikommen; deshalb wird es keinen Menschenauflauf vor dem Hoyaer Museum geben. Und mit einem Zwergenaufstand ist auch nicht zu rechnen. Denn in ihren gläsernen Behausungen sind die kleinen Zipfelmützenkerle komfortabel untergebracht.

Sie dürften sich also rundum wohlfühlen, die winzigen Wichtel, die in den Vitrinen des grafenstädtischen Heimatmuseums vorübergehend Quartier bezogen haben. Gemeinsam mit ihren geflügelten „Kolleginnen“ sind sie die Hauptdarsteller der Sonderausstellung „Zwerge und Engel aus dem Erzgebirge“, die am Sonntag, 26. November, um 15 Uhr ihre Pforten öffnet.

Angeregt hat Henry Bockisch aus Nienburg-Erichshagen die Ausstellung. Zusammengestellt hat er sie gemeinsam mit Hoyas Museumsleiterin Ulrike Taenzer. Außer zur „Zwergenweihnacht“ (siehe Kasten) gibt es am Sonntag, 21. Januar, um 15 Uhr im Heimatmuseum einen besonderen Termin: Dann führt Sammler Henry Bockisch selbst durch die Ausstellung und gibt anschließend einen Einblick in seine „Notaufnahme für verletzte Engel und Zwerge“ – das ist die „Krankenstation“, die er in seiner Erichshagener Werkstatt für Engel mit abgebrochenen Flügeln, Zwerge mit gebrochenen Beinen und allen anderen vorkommenden „Wehwehchen“ betreibt. Längst hat Bockisch sich bei Herstellern im Erzgebirge und an anderen Orten in Deutschland einen Namen als „Unfallchirurg“ für die kleinen Figuren gemacht. Deshalb treffen Heinzelmännchens „Krankentransporte“ aus vielen Richtungen in Erichshagen ein, denn dort gibt es die besten denkbaren Heilungschancen.

Zwergische Musikvorstellungen wie sie Museumsleiterin Ulrike Taenzer für ein Foto präsentiert, entspringen natürlich nur der menschlichen Fantasie.

In vier Vitrinen mit Engeln und einer Vitrine mit Zwergen zeigt das Heimatmuseum herzerwärmende Schmuckstücke aus der im Erzgebirge beheimateten Schnitz- und Drechselkunst. Anders als im wirklichen Die weiblichen Repräsentanten erzgebirgischer Holzschnitzkunst im Hoyaer Museum sind zwar in einer klaren Mehrheit, aber die männliche Minderheit hat sich augenscheinlich ohne Rücksicht auf die vorherrschenden Mehrheitsverhältnisse in den Vordergrund gedrängt. Das liegt zweifellos an der Popularität, die Zwerge generell in Hoya genießen. Schon jetzt ist absehbar, dass sie während der beliebten „Zwergenweihnacht“, dem Weihnachtsmarkt in der Grafenstadt, der direkt vor dem Museum gefeiert wird, wieder eine herausragende Rolle spielen werden. Verglichen mit den dort zu sehenden, lebendigen Zwergen aus Hoya sind die Museumswichtel wirklich winzig – dafür aber umso kunstvoller hergestellt.

Allein 150 Arbeitsschritte sind notwendig, um so einen Erzgebirgszwerg herzustellen – vom hölzernen Rohling bis zur Kleidung aus leuchtend buntem Lack.

Wichtelproduktion als Überlebenschance

„Nach dem Rückgang des Erzbergbaus in Sachsen war die Wichtelproduktion in Heimarbeit für viele Familien eine Überlebenschance“, erzählt Henry Bockisch. Das einstige Metier der Ex-Bergleute ist mittlerweile zu einem weltumspannenden Geschäft geworden. Zwerg- und Engelsfiguren aus dem Erzgebirge sind vor allem in den Vereinigten Staaten, aber auch in asiatischen Ländern begehrt.

Zum systematischen Sammeln von erzgebirgischen Zwergen und Engeln ist Henry Bockisch nach der Grenzöffnung von 1989 gekommen. Auf der Suche nach einem Nachschlagewerk erforschte er die Herkunftsgebiete der liebevoll hergestellten Kleinodien und kam so in Kontakt mit vielen Einzelpersonen, aber auch Firmen, die heute im Kunsthandwerk der Zwergen- und Engelproduktion arbeiten. Henry Bockischs nächster großer Plan ist es, ein Identifizierungsbuch herauszugeben, in dem die „Lebensläufe“ seiner kleinen Freunde aufgelistet sein werden.

Die neue Sonderausstellung ist bis zum 4. Februar 2018 jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr im Heimatmuseum Hoya (Im Park 1) zu sehen. Außerdem können gesonderte Besichtigungstermine mit der Museumsleitung vereinbart werden. Am letzten Ausstellungstag von „Zwerge und Engel aus dem Erzgebirge“ (4. Februar) gibt es um 15 Uhr eine Projektpräsentation „Die zweite Liebe – alte Handtaschen: ausrangiert und neu gestaltet“ sowie ein Erzählcafé rund um Taschengeschichten.

www.museum-hoya.de

Quelle: kreiszeitung.de

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