Bereich Uchte

Ehrenamtliche Krötensammler gesucht

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Willi Eisfeld an der Stelle, wo bald der Krötenschutzzaun vom Bauhof Uchte errichtet wird. 

Uchte - Von Julia Kreykenbohm. Nein, die Top-Models im Tierreich sind sie nicht, dazu haben sie weder die Figur noch die Haut. Und die Kerle unter ihnen sind auch keine Gentlemen, denn sie lassen sich gern mal von den Damen durch die Gegend tragen. Dennoch sind sie Teil der Natur und damit schützenswert, findet Willi Eisfeld aus Uchte. Seit zwölf Jahren betreut er ehrenamtlich einen Krötenschutzzaun in seinem Heimatort. Und obwohl hin und wieder Freunde von ihm mithelfen, die Amphibien sicher über die „Todesfalle Straßen“ zu geleiten, würde sich Eisfeld über weitere Unterstützer freuen.

Bevor er 2004 das erste Mal Kröten sammeln ging, hatte der gebürtige Mindener noch nie davon gehört. Doch der heute 71-Jährige war auf der Suche nach einer Aufgabe, die ihn „morgens in die Hufe kommen lässt“ und gleichzeitig einen Beitrag für die Allgemeinheit leistet. Dann traf er Marita Schröder-Bönisch, die Kröten sammelte und einen „Nachfolger“ suchte. Sie nahm Eisfeld zum ersten Mal mit zu einem der Krötenschutzzäune in Uchte. „Ich hatte noch nie eine Kröte angefasst“, erzählt Eisfeld lächelnd, „aber es war überhaupt nicht schlimm“.

Tatsächlich sei das Sammeln der quakenden Wandergesellen kein Problem, denn die Tiere sind robust und bleiben ruhig auf der Hand sitzen, wollen manchmal sogar gar nicht wieder runter. Das Errichten des Schutzzaunes sei hingegen harte Arbeit gewesen. Dieser wird an den stark frequentierten Stellen aufgebaut. 

Denn Kröten suchen einmal im Jahr den Tümpel auf, in dem sie geboren wurden, um ihren Laich abzugeben. Kein Mensch wisse, wie sie ihren Geburtsort finden, sagt Eisfeld. Unterwegs findet sich schon so manches Paar. Das Männchen springt auf den Rücken des Weibchens, klammert sich fest und lässt sich bis zum Tümpel tragen. Diese Paare bezeichnet Eisfeld als „Doppeldecker“. „Ich habe aber auch schon welche gesehen, wo drei Männchen auf einem Weibchen hockten.“

Auf Hilfe angewiesen

Die Wanderungen beginnen meist gegen 22 Uhr, wenn es draußen warm und gern auch feucht ist. Dann stoßen die Kröten auf den Schutzzaun, der Ende Februar stehen sollte. „Früher haben den oft die Vereine gezogen, dann wieder musste ich es selber machen, und das war sehr aufwändig“, sagt Eisfeld. Heute sei das kein Thema mehr, denn die Mitarbeiter des Bauhofes kümmerten sich darum. Am Zaun stehen etwa alle 20 Meter Eimer, die im Boden eingegraben sind. Wenn die Kröten am Zaun entlangmarschieren, fallen sie hinein. „Die tun sich dabei nichts“, erklärt Eisfeld. Aber sie sind nun auf die Hilfe der Zweibeiner angewiesen, um wieder herauszukommen.

Die freiwilligen Sammler müssen, sobald der Zaun steht, ihn jeden Tag kontrollieren, etwa vier bis sechs Wochen. Aber sie können selbst entscheiden, wann sie es tun. „Es sollte aber in den Morgenstunden sein, denn natürlich ist es für die Tiere nicht schön, dicht gedrängt in den Eimern zu hocken“, sagt Eisfeld, der schon mal an die 20 in einem Behälter hatte. Dann werden die Wanderfreunde über die Straße getragen und ausgesetzt. Weiter sollte man nicht gehen. „Eine sehr eifrige Tierfreundin hat die Kröten mal bis zum Tümpel getragen. Kurz darauf saßen die Kröten wieder an der Straße, weil sie völlig irritiert waren. Sie haben ihre eigene Route und die müssen sie gehen, sonst verlieren sie die Orientierung.“

Bevor die Tiere jedoch wieder in die Freiheit entlassen werden, wird jedes registriert. Eisfeld zeigt ein Blatt Papier, das jeder Helfer bekommt. Darauf notiert er unter anderem die Witterungsbedingungen, in welchem Eimer er wieviele männliche oder weibliche Kröten gefunden hat und wie viele „Doppeldecker“ dabei waren. Diese Statistik geht an den Landkreis. „Im Jahr 2013 hatte ich 1 750 Kröten gesammelt“, erinnert sich Eisfeld. Uchte liege, was die Krötenzahl angeht, an zweiter oder dritter Stelle im Landkreis. In Bad Blenhorst habe man seines Wissens schon mal 10 .000 Kröten gesammelt.

Menschen, die sich um die quakenden Wanderfreunde kümmern, werden oft belächelt, weiß Eisfeld. „So viel Aufwand und so viel Geld, nur für diese Kröten“, hört er häufig. Dabei fressen die Tiere Spinnen, Würmer, Fliegen und Mücken sowie deren Larven. Schlimm seien die Leute, die die Kröten sogar bewusst überfahren. „Naturschutz kommt oft nicht an“, sagt Eisfeld bedrückt. Umso mehr Freude machen ihm die Kinder der Grundschule Uchte, die ihm schon beim Sammeln geholfen haben und begeistert bei der Sache waren.

Nun hofft Eisfeld, dass ihm noch ein paar Erwachsene zur Seite stehen, damit man sich bei der Kontrolle der Eimer abwechseln und vertreten kann. Eine halbe Stunde bis zu zwei Stunden müsse man täglich einplanen, je nachdem, wie viele Kröten unterwegs seien.

„Mir macht das Ganze noch immer viel Spaß“, betont Eisfeld. „Deswegen will ich auch nicht aufhören. Aber ich weise neue Helfer gern ein und erkläre ihnen alles.“

Kontakt:

Der Fachdienst Naturschutz sucht noch dringend Helfer für den Bereich Uchte. An vielen Strecken gibt es bereits Teams, die für jede Unterstützung dankbar sind. Wer Interesse an der Betreuung eines Krötenzaunes hat, kann sich beim Fachdienst Naturschutz unter Telefon 05021/967875 melden oder eine E-Mail an natur@kreis-ni.de schicken. Informationen gibt es auch im Internet.

Quelle: kreiszeitung.de

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