Angelika Küker aus Hoya klöppelt mit großer Begeisterung

Fernab von weißen Spitzendeckchen

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Auch dieses abstrakte Kunstgebilde ist ein Ergebnis der Klöppeltechnik.

HOYA - von Leif Rullhusen. Die oftmals dreidimensionalen Kunstwerke, die in den Klöppelkursen von Angelika Küker entstehen, haben außer ihrer Technik wenig mit den klassischen, gemeinhin bekannten weißen Spitzendeckchen gemeinsam.

Premiert: Diese beiden Klöppelarbeiten ihrer Kindergruppe gewannen den ersten Preis bei einem Klöppelwettbewerb.

HOYA - von Leif Rullhusen. Harry Potters Zauberstab, eine komplette Zirkusmanege mit Raubtierdressur oder der markante rot-gelbe Leuchtturm in Pilsum: Die oftmals dreidimensionalen Kunstwerke, die in den Klöppelkursen von Angelika Küker entstehen, haben außer ihrer Technik wenig mit den klassischen, gemeinhin bekannten weißen Spitzendeckchen gemeinsam. „Ich klöppele auf moderne Art und Weise“, erklärt die 59-Jährige. Und sie klöppelt mit großer Begeisterung – seit 22 Jahren.

Dabei gestaltete sich der Anfang damals durchaus etwas holprig. Es war nämlich keine Leidenschaft auf den ersten Blick. „Nach meinem ersten Wochenendkurs wusste ich überhaupt nicht, was ich eigentlich gemacht hatte“, erinnert sich Angelika Küker noch genau. „Ich habe es einfach nicht verstanden.“ Doch die Hoyaerin gab nicht auf, belegte einen weiteren Klöppelkurs, blickte nun durch und anfänglicher Frust wurde schnell zur absoluten Leidenschaft.

Auf dem Klöppelbrief in der Mitte entsteht das Kunstwerk mit Hilfe vieler verschiedener Klöppel.

Das faszinierende am Klöppeln ist für die Hoyaerin die einzigartige Kombination aus Ruhe, Konzentration und Kreativität. „Klöppeln entspannt und regt gleichzeitig das logische Denken an“, beschreibt die begeisterte Hobbyklöpplerin. „Wenn ich im Sommer auf meiner Terrasse am Teich in der Sonne sitze und klöppele – das ist einfach herrlich“, schwärmt sie. „Dabei kann man wunderbar die noch wartende Staubschicht auf dem Wohnzimmerschrank oder die Bügelwäsche ausblenden“, erzählt Angelika Küker.

Genau so schön sei auch das Klöppeln in der Gruppe. Im Hoyaer Heimatmuseum bietet sie deshalb regelmäßig Klöppelkurse an. Die meisten Teilnehmerinnen halten ihr schon seit Jahren die Treue. Die Harmonie in der Gruppe stimme einfach. „Wir haben hier keinen Zickenalarm“, betont sie. Nachwuchs – insbesondere jüngerer – ist stets willkommen. Denn ihre Kindergruppe ist in der Vergangenheit zusammengeschrumpft. „Durch die Ganztagsschule haben die jungen Menschen nachmittags einfach keine Zeit mehr“, begründet die Kursleiterin den Schwund. Dabei waren gerade ihre jüngsten Schüler in der Vergangenheit durchaus erfolgreich und belegten bei Klöppelwettbewerben immer wieder vordere Plätze.

Auf dem Klöppelbrief in der Mitte entsteht das Kunstwerk mit Hilfe vieler verschiedener Klöppel.

Eine Altersgrenze, um das Klöppeln zu lernen, gebe es weder nach oben noch nach unten. „Die jüngste Teilnehmerin war acht und die älteste 75 Jahre alt, als sie den ersten Kurs bei mir belegte.“ Sie hätte nicht mehr so gut gehört und gesehen, das Klöppeln habe sie trotzdem gelernt. „Mittlerweile ist sie über 80 und noch immer mit Freude dabei.“ Auch weitere Anfahrten schrecken die Klöppeldamen nicht ab, um gemeinsam in entspannter Atmosphäre zu handarbeiten. Sie kommen unter anderem aus Weyhe, Verden und sogar aus Kirchlinteln. Und sie klöppeln nicht nur hinter verschlossenen Türen. Gerne führen sie die faszinierende Technik auf Märkten oder Hobbykunst-Veranstaltungen öffentlich vor. Und sie zeigen, dass eben nicht nur klassische Spitze entsteht, die gemeinhin das Klöppel-Image prägt. Aktuell verlassen das Klöppelbrett auch schon mal stilisierte Hühner. Im Herbst kann es dann gerne mal buntes Laub oder in der Adventszeit ein Weihnachtsstern sein.

Einen speziellen Klöppel-Traum hat die 59-Jährige Kursleiterin nicht. „Ich bin vollkommen zufrieden mit meinem Leben. Das Klöppeln ist das Sahnehäubchen darauf“, sagt sie. Außerdem sei das Klöppeln an sich Herausforderung genug. „Mein Leben reicht nicht aus, um sämtliche Klöppelvarianten zu erlernen.“ Dabei ist das Klöppeln eigentlich nur ihr Zweithobby. „Mein erstes ist mein Beruf“, erklärt die Rechtsanwalts- und Notarsfachangestellte. Aber was ist klöppeln eigentlich? Es handelt sich um eine alte Handarbeitstechnik, bei der mit Klöppeln und dem daran aufgewickelten Garn verschiedenartige Spitzen gefertigt werden. „Es ist das Verschlingen von Fäden auf die richtige Art und Weise“, beschreibt die Fachfrau. Wobei es nicht zwangsläufig Fäden sein müssen. „Wir klöppeln mit allem.“ Vor dem eigentliche Klöppeln steht allerdings der Entwurf, der so genannte Klöppelbrief. Dessen Gestaltung ist derart aufwändig, dass Klöppelbriefe dem Urheberrecht unterliegen. Angelika Küker arbeitet deshalb ausschließlich nach Entwürfen des deutschen Klöppelverbandes, wenn sie keine eigenen Kreationen verwendet. Wer Interesse an den Klöppel-Kursen von Angelika Küker hat, kann sich im Internet unter www.klöppeln-hoya.de weiter informieren.

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