Doreen Klingenstein fertigt Taschen aus Papier

"Recycling der besonderen Art"

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Hobbyraum Wohnzimmer: Für das Fertigen einer Papiertasche reichen Doreen Klingenstein der Esstisch und ein paar einfache Werkzeuge.

Lichtenhorst - von Leif Rullhusen. Wer den Begriff Papiertasche hört, hat vermutlich die ökologisch-korrekten und recycelfähigen Exemplare an der Supermarktkasse im Sinn.

Wer die Taschen von Doreen Klingenstein sieht, denkt dagegen kaum an das so wenig wasser- wie reißfeste Material. Dabei ist genau das der Fall.

Die Gestaltung ist zumeist Zufall. Aber auch Motive sind möglich, wie auf der Tasche oben rechts.

„Auf der Adventsausstellung vor wenigen Wochen vermuteten die meisten Besucher, meine Taschen seien aus Lkw-Planen gefertigt“, erzählt die Familienmutter aus Lichtenhorst. Nicht, dass ihre Taschen aussehen, als wären sie vor kurzem noch auf Autobahnen kreuz und quer durch Europa unterwegs auf Achse gewesen, vielmehr stand ein entsprechender Anbieter auf der Ausstellerliste. Und da war die Assoziation doch nicht so abwegig. Zumindest näherliegend als die, sie seien aus Papier gefertigt. Doch das sind sie definitiv.

Gemeinsam mit Marlies Hagedorn bastelt Doreen Klingenstein Taschen aus Papier. Seit März gestalten die beiden Lichtenhorsterinnen aus Altpapier individuelle Taschen. „Wir wollen damit die Umwelt entlasten. Es ist Recycling der besonderen Art“, beschreibt Doreen Klingenstein ihre Motivation. Ganz nebenbei entstehen überaus praktische Unikate in unterschiedlichen Formen und Größen. So wird aus vier Knax-Heften, zweieinhalb „Bild der Frau“ oder einer Geo-Zeitschrift ein echter Hingucker und Alltagsbegleiter mit Platz für die verschiedensten Utensilien.

Absolut stabil und wasserfest sind die Papiertaschen trotz des labilen und löslichen Werkstoffes übrigens auch. „Meine erste Tasche habe ich ausgiebig in der Dusche getestet“, versichtert die Hobbybastlerin. „Man kann auch schwere Sachen hineinpacken. Nur für den Transport von Bierflaschen würde ich sie nicht unbedingt benutzen.“

Aus über 300 Einzelteilen besteht ein Exemplar.

Aus über 300 Einzelteilen besteht ein Exemplar. Zunächst schneidet Doreen Klingenstein das Papier auf das entsprechende Maß zu und faltet es, versieht die Streifen mit einer wasserabweisenden Beschichtung und setzt sie nach einem bestimmten Verfahren zusammen. „Sie werden aber nicht geflochten, auch wenn das Ergebnis so aussieht“, versichert die Lichtenhorsterin. „Zum Schluss nähe ich alles zusammen“, erklärt sie. Je nach Modell bekommt die Tasche dann noch neben einem Trageriemen einen Verschluss.

Was sich einfach und unkompliziert anhört, erfordert doch einigen Arbeitsaufwand. Rund eine Woche benötigt die Familienmutter für ein größeres Exemplar. Zumeist abends, wenn ihre Kinder schlafen, macht sie sich ans Werk. Sehr überschaubar ist hingegen die Ausrüstung. Doreen Klingenstein benötigt eine Zeitschrift oder mehrere Zeitungen als Rohstoff, ein Holzbrett, ein Cuttermesser, ein Lineal und eine Schere als Werkzeug. Ihr Hobbyraum ist der Tisch im Esszimmer. „Mitten im Geschehen! Manchmal sogar, während die Kinder dort ihre Hausaufgaben machen.“ Wie die Tasche am Ende aussieht, weiß die Hobbybastlerin in der Regel nicht. „Mit der Form des Bodens lege ich lediglich fest, ob die Tasche breit oder schmal wird. Von dem Ergebnis lasse ich mich überraschen“, schildert sie. Man könne natürlich auch entsprechend farbig bedrucktes Papier nehmen, wenn man ein bestimmtes Muster haben möchte. Selbst Motive seien möglich. Allerdings widerspricht das natürlich dem eigentlichen Recycling-Gedanken.

Die Idee zu ihrem noch relativ neuem Hobby – im März entstand die erste Papiertasche – hatte sie nicht selbst, gibt Doreen Klingenstein zu. Freundin Marlies Hagedorn war im Internet darauf gestoßen und suchte Unterstützung. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen vor einigen Jahren, als Marlies Hagedorn noch Teilnehmerinnen für ihren Nähkurs suchte. Doreen Klingenstein, die schon als Kind gerne bastelte und nähte, war sofort dabei. Selbstverständlich auch, als Marlies Hagedorn im Frühjahr mit ihrer neuen Idee ankam. Die will das Bastel-Duo übrigens noch ausbauen. „Die Technik eignet sich ebenso für Blumenübertöpfe oder Schalen“, erklärt Doreen Klingenstein. „Auch Schmuck, zum Beispiel Ohrringe, kann man so herstellen“, ist sie sich sicher. Wie, weiß sie noch nicht ganz genau.

Wer im kommenden Jahr auf Frühjahrs- und Hobbymärkten in der Region die Augen offenhält, wird vielleicht sehen, ob die Lichtenhorsterin eine Lösung gefunden hat.

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