"Nicht am Bedarf vorbei planen"

Holtorfer Freibad: Kopfschütteln über Sanierungsvarianten

+
Die Vorstandsmitglieder des Fördervereins „Freibad am Dobben“ Heike Möhlmann, Hans-Werner Max, Ralf Gilster, Katrin Beermann und Bennet Schütz (v.l.) wundern sich über die vorgeschlagenen Sanierungsvarianten.

Holtorf - von Leif Rullhusen. Das Freibad in Holtorf hat immensen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf. Das stellt dessen Förderverein, der das Bad seit 17 Jahren erfolgreich betreibt, nicht in Frage.

Die Vorschläge des Architekten Thorsten Schütze lösen bei den Vorstandsmitgliedern allerdings kollektives Kopfschütteln aus. Der Geschäftsführer des Architekturbüros Schütze aus Hildesheim hat von der Stadt Nienburg den Auftrag, ein Strategiekonzept zur Erhaltung des Bades zu entwickeln. Wie die Zukunft der Wasserlandschaft aussehen könnte, stellte er dem Ausschuss für Jugend, Soziales und Sport am Mittwoch anhand mehrerer Varianten vor.

Alleinstellungsmerkmale hervorheben

„Als Herr Schütze zur Bestandsaufnahme bei uns war, sagte er, die Alleinstellungsmerkmale des Freibades, also der Zehn-Meter-Sprungturm und die Bahnlänge von 50 Metern, sollten bei den Sanierungsplanungen herausgehoben werden“, berichtet Ralf Gilster, der erste Vorsitzende des Fördervereins. „Davon war im Ausschuss plötzlich nicht mehr die Rede.“ Im Gegenteil: Schütze schlägt vor, den Sprungturm abzureißen und durch einen Ein-, Drei-, und Fünfmeter-Turm zu ersetzen. Zudem sieht die vom Architekturbüro empfohlene Variante eine Halbierung der Bahnlänge auf 25 Meter vor. Die Wasserfläche würde sich von derzeit rund 2500 auf 1496 Quadratmeter verringern.

Nicht am Bedarf vorbei planen

„Wir dürfen nicht am Bedarf vorbei planen. Wir brauchen den Sprungturm, die 50-Meter-Bahn und auch die großzügigen Grünflächen“, mahnt Gilster. Die Turmspringer nutzen das zehn Meter hohe Wahrzeichen des Bades regelmäßig und unter anderem die Triathleten benötigen die langen Bahnen für ihr Training. „Die Stadt weist neue Baugebiete aus und baut dann die Infrastruktur zurück. Das ist irrsinnig“, kritisiert Heike Möhlmann vom Vorstand die Rückbaupläne. „An heißen Sommertagen reicht die Wasserfläche schon jetzt nicht aus.“ Eine Verringerung müsse deshalb so gering, wie möglich ausfallen, fordert der Vorstand des Fördervereins.

Badegäste wollen Sanierung im Bestand

Eine Umfrage unter den Badegästen im Sommer 2018 gibt ihm recht. Drei Viertel halten sowohl den Sprungturm als auch die 50-Meter-Bahnen für „sehr wichtig“. Sogar 83 Prozent aller Umfrageteilnehmer sprechen sich für eine Sanierung im Bestand aus – also einer Beibehaltung der Wasserfläche. Lediglich zweieinhalb Prozent bevorzugen ein Naturbad.

Architekt: Wasserfläche ist viel zu groß

Thorsten Schütze hält die Wasserfläche dagegen für viel zu groß. Bezogen auf die Einwohnerzahl Nienburgs seien 1300 Quadratmeter ausreichend, erklärt der Architekt in der Ausschusssitzung. „Diese Zahlen berücksichtigen nicht die vielen Badegäste von außerhalb“, entgegnet Gilster. Schütze präsentierte dem Gremium vier Varianten. Deren verbleibende Wasserflächen reichen von 780 bis 1812 Quadratmeter – die Investitionskosten von 4,1 bis 5,5 Millionen Euro. Drei der Varianten können zudem in Edelstahl oder Folie gebaut werden. Edelstahl hält deutlich länger, ist aber auch teurer. Die von dem Architekturbüro vorgeschlagene zukünftige Badelandschaft hätte mit 1496 Quadratametern etwa 1000 weniger als jetzt und würde in Edelstahl etwa 4,8 Millionen Euro kosten. Diese Drei-Becken-Lösung hätte ein echtes Schwimmbecken, ein Nichtschwimmerbecken mit einer Breitwasserrutsche und ein Kleinkinderbecken. Die 50 Meter Bahnlänge würden auf 25 reduziert.

Zwei ähnliche Varianten

Sehr ähnlich sind sich zwei weitere Varianten, bei denen die 50 Meter Bahnlänge erhalten bleibt. Sie hätten 1794 beziehungsweise 1812 Quadratmeter Wasserfläche. Die teurere, und auch attraktivere der beiden Ausführung besäße zudem zwei runde Ausbuchtungen. Mit Abstand die kleinste Wasserfläche bliebe beim Umbau in eine naturnahe Badeanlage mit 780 Quadratmetern übrig. Trotzdem würde sie 4,1 Millionen Euro kosten. „Ein solches Bad muss alle hygienischen Anforderungen wie ein Schwimmbad erfüllen, sobald man einen Zaun drumherum baut und Eintritt nimmt“, erklärt Schütze. Deshalb sei auch hier die gesamte Badewassertechnik nötig. Die Rekordbesucherzahlen aus dem Jahrhundertsommer 2018 würde aber auch die Naturbad-Variante problemlos verkraften, versichert Schütze.

Kritik an Präsentation

An der Präsentation bemängelt der Förderverein unter anderem, dass die Investitionskosten überhaupt nicht belegt werden. Zweifel haben die Mitglieder auch an den jährlichen Betriebskosten von 800 000 Euro. „Gegenwärtig betreiben wir das Freibad pro Saison mit 100 000 Euro. Wo kommen die 800 000 Euro her?“, fragt Hans-Werner Max. Bevor die Politik sich für eine Variante entscheidet, wird der Arbeitskreis „Freibad am Dobben“, an dem der Förderverein beteiligt ist, zunächst zu einer Bereisung von vergleichbaren Schwimmbädern aufbrechen. Die soll spätestens Ende Juni abgeschlossen sein, beschloss der Ausschuss für Jugend, Soziales und Sport. Bis Ende September soll das Ergebnis daraus dem Gremium vorgestellt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Wohnen

Natürlich dekorieren mit ungefärbten Eiern

Natürlich dekorieren mit ungefärbten Eiern
Reisen

Unterwegs auf dem Badischen Weinradweg

Unterwegs auf dem Badischen Weinradweg
Wohnen

Ein Garten im Cottage-Stil ist wie ein riesiger Blumenstrauß

Ein Garten im Cottage-Stil ist wie ein riesiger Blumenstrauß
Auto

Autotest: Taugt der Ford Kuga als modernes Familienauto?

Autotest: Taugt der Ford Kuga als modernes Familienauto?

Meistgelesene Artikel

Borkenkäfer-Ansturm: Nienburger Forstamt bereitet Wälder vor

Borkenkäfer-Ansturm: Nienburger Forstamt bereitet Wälder vor

Mit Nadel und Faden durch die Krise

Mit Nadel und Faden durch die Krise

Coole Fotoaktion gegen leere Kirchenbänke: Ein Selfie für den Pastor

Coole Fotoaktion gegen leere Kirchenbänke: Ein Selfie für den Pastor

Fahrt unter Kokaineinfluss

Fahrt unter Kokaineinfluss

Kommentare