Samtgemeinde will E-Mobilität voranbringen

Elektroauto-Ladesäule am Rathaus ein weiteres Puzzleteil

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Das Runde muss ins Elektrische: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig (links) greift anlässlich der Eröffnung einer öffentlichen Elektroauto-Ladesäule am Rathaus Hoya zum Stecker. Nun kann die Samtgemeinde vor Ort ihren neuen Dienstwagen laden, einen weißen Renault Zoe. Er ist von „Classic Carsharing“ gemietet. Mit Axel Knoerig freuen sich (von links): Wirtschaftsförderer York Schmelter, Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer und Hauke Hartwig („Classic Carsharing“).

Hoya - Von Michael Wendt. „Bei uns kommt der Strom direkt aus dem Bundestag“, scherzt Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer, als diese Woche der hiesige CDU-Abgeordnete Axel Knoerig (Kirchdorf) den Anschlussstecker für die neue Elektroauto-Ladesäule am Hoyaer Rathaus fürs Pressefoto präsentiert. Der Strom kommt natürlich von der Avacon und nicht aus Berlin. Aber es fließen 7.500 Euro von der Spree an die Weser, denn der Bund fördert den Bau öffentlich zugänglicher Lademöglichkeiten. Mit den beiden Doppel-Ladesäulen am Rathaus und bei „Famila“ gibt es nun rund um die Weserbrücke ebenso viele Lademöglichkeiten wie bei der Hannover-Messe, die Detlef Meyer und Wirtschaftsförderer York Schmelter demnächst im Elektroauto ansteuern.

York Schmelter konnte es kaum fassen, als er bei der Planung der Dienstfahrt schaute, wo er an der Messe den neuen Renault Zoe der Samtgemeinde laden kann. „Dort gibt es nur vier Ladepunkte!“, sagt er bei einem Pressegespräch zur Eröffnung der Ladesäule am Rathaus. Diese Zahl verdeutlicht den aktuell geringen Stellenwert der Elektromobilität in Deutschland ebenso wie eine Zahl aus dem Landkreis Nienburg: Von den derzeit 75 000 dort zugelassenen Personenautos fahren nur rund 160 mit Strom.

Das Ziel: Vorreiterschaft

Aber das soll ja nicht so bleiben. Die Samtgemeinde erarbeitet derzeit ein Elektromobilitätskonzept, tauscht jetzt einen von zwei Dienstwagen mit Verbrennungsmotor gegen einen gemieteten, vollelektrischen Renault Zoe und lässt nach der Ladesäule am Rathaus in Hoya auch eine am Bahnhof in Eystrup bauen. „So langsam fügen sich die Puzzleteile zusammen“, sagt Detlef Meyer.

Als Kommune will die Samtgemeinde vorangehen bei der E-Mobilität. Sie ist „Ankermieterin“ beim „Classic Carsharing“ der Hoyaer Firma Lühmann. Das heißt: Der am Rathaus stationierte Renault Zoe steht der Samtgemeindeverwaltung tagsüber als Dienstfahrzeug zur Verfügung; ab dem späten Nachmittag und am Wochenende kann er von anderen Carsharing-Kunden genutzt werden.

Detlef Meyer betont: „Wir machen das vor allem für die Bevölkerung, für die Region, nicht in erster Linie für unsere Mitarbeiter.“ Die Samtgemeinde wolle Vorreiterin einer nachhaltigen Mobilität sein und die Bürger anregen, über die eigene Mobilität nachzudenken.

Erste Carsharing-Bilanz

Das im Januar gestartete Geschäftsmodell Carsharing könnte sich zu einem Erfolg entwickeln. „Wir haben mehr als 500 Registrierungen. Das Konzept, alle Gruppen zu integrieren, geht super auf. Das stimmt mich froh, auch wenn wir noch nicht am Ende der Entwicklung sind“, sagt Hauke Hartwig. Er ist bei Lühmann für das „Classic Carsharing“ verantwortlich. Zwar verrät Hartwig keine finanziellen Details. Doch dürfte sich das Carsharing für Lühmann nur rechnen, wenn es ausreichend „Ankermieter“ gibt, also Firmen oder Behörden, die die Autos für einen verlässlichen Zeitraum mieten. Interesse scheint vorhanden. Demnächst soll es das „Classic Carsharing“ auch in Nienburg geben, sagt Hartwig.

Renault verkauft seine Elektroautos mit dem Kürzel „Z. E.“, was für „Zero Emission“ steht. Null Abgas-Emissionen gibt es aber natürlich nur, wenn der genutzte Strom regenerativ erzeugt wurde. Die gute Nachricht: Alle vom Bund geförderten Ladesäulen, wie die am Rathaus in Hoya, müssen Ökostrom liefern.

Detlef Meyer erzählt an dieser Stelle von einer jungen Frau aus Berlin, die jüngst zu Gast im Rathaus war. „Sie war völlig begeistert, dass wir so ein Carsharing im ländlichen Raum haben. Das hat mich stolz gemacht“, sagt der Samtgemeindebürgermeister.

Ladesäule in Eystrup

Auch am Bahnhof in Eystrup ist derzeit ein Carsharing-Auto (mit Verbrennermotor) stationiert. Schnellstmöglich soll dort nun ebenfalls eine Elektroauto-Ladesäule installiert werden. Die Förderzusage vom Bundesverkehrsministerium liegt bereits vor, denn die oben genannten 7 500 Euro gelten für den Bau der Ladesäulen in Hoya und Eystrup und decken rund 40 Prozent der Kosten. „Die Samtgemeinde Hoya und die Stadtwerke Huntetal hatten die ersten beiden Förderprojekte in meinem Wahlkreis angemeldet“, erklärt Axel Knoerig. Eine Voraussetzung, um die Förderung zu bekommen, ist übrigens, dass an den Zapfsäulen Öko-Strom fließt.

E-Mobilitätskonzept

Weiteres Geld aus Berlin wird die Samtgemeinde erhalten, wenn sie ihr Elektromobilitätskonzept erstellen lässt. Angeregt hatten es 2016 die Grünen im Samtgemeinderat. Der Bund übernimmt bis zu 80 Prozent der Kosten. Derzeit sucht die Samtgemeinde ein Expertenbüro, das bei der Konzepterstellung hilft.

„Es geht dabei auch um die Infrastruktur, eine bedarfsgerechte Infrastruktur“, sagt York Schmelter. Außerdem sollen die Bürger beim Thema Elektromobilität mit ins Boot genommen und aufgeklärt werden – zum Beispiel durch einen Handzettel.

E-Mobilität heute

Dass E-Mobilität keine Zukunftsmusik mehr ist, weiß Axel Knoerig aus eigener Erfahrung. Als Werbemaßnahme hat ihm ein Nienburger Autohaus für den Bundestagswahlkampf 2017 einen Renault Zoe zur Verfügung gestellt (ebenso wie den Bundestagskandidaten anderer Parteien). „Das ist ein sehr angenehmes Fahren“, sagt er und wirbt für die Ziele der Bundesregierung. Deutschlandweit soll es bis 2020 100.000 Ladepunkte geben. Für deren Bau stehen 300 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung. „Das ist ein guter Anreiz“, sagt Knoerig und weist zudem auf Vorteile bei der pauschalen Versteuerung von Elektro-Dienstfahrzeugen hin. Er weiß aber, dass bei bundesweit aktuell 34.000 zugelassenen Elektrofahrzeugen „noch viel Luft nach oben ist“.

Wenn es um Überzeugungsarbeit für E-Mobilität geht, sind die Samtgemeinde und die Firma Lühmann nun ganz vorne mit dabei. „In der Tat wird unser E-Auto im Carsharing öfter gebucht als andere Wagen“, sagt Hauke Hartwig. „Die meisten Kunden sind begeistert: Es fährt leise, beschleunigt gut und bietet ein tolles Fahrgefühl.“ Bei so viel Fahrspaß ist die Frage, ob Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer „seinen“ Wirtschaftsförderer York Schmelter bei der gemeinsamen Fahrt zur Hannover-Messe ans Steuer lässt.

www.classiccarsharing.de

www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/foerderrichtlinie-elektromobilitaet-foerderaufruf.html

Quelle: kreiszeitung.de

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