Bislang kein Investor in Sicht

Landesreitschule droht trotz aller Bemühungen das Aus

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Insolvenzverwalter Dr. Christian Willmer (rechts) diskutiert mit Sachbearbeiterin Katrin Dutschke und Diplom-Wirtschaftsjurist Stephan Lewerenz der der Kanzlei „WILLMERKÖSTER“ über die Zukunft der Landesreitschule Hoya.

Hoya - Von Antje Haubrock-Kriedel. Sollte für die Landesreitschule Hoya nicht in letzter Minute ein Investor gefunden werden, droht ihr trotz aller Bemühungen das endgültige Aus. Das stellte der Insolvenzverwalter, der Verdener Rechtsanwalt Dr. Christian Willmer, jetzt unmissverständlich klar.

In finanzielle Schieflage war die Landesreitschule geraten, nachdem das „Zugpferd“, Ausbildungsleiter Hans-Heinrich Meyer zu Strohen, 2013 sein Arbeitsverhältnis nach 27 Jahren beendet hatte. Die Anordnung der vorläufigen Insolvenzverwaltung erfolgte am 3. März 2017, am 1. Mai wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Seit diesem Zeitpunkt befindet sich der Trägerverein in einem Insolvenzverfahren, seit diesem Zeitpunkt wurde die Fortführung des Geschäftsbetriebs aufrecht erhalten. „Es gab in dieser Zeit große Unterstützung von allen Seiten“, berichtet Willmer. Zum Beispiel habe die Stadt Hoya die ausstehenden Mitarbeiter-Lohnkosten für den Monat Januar 2017 übernommen. Die Vereinsstruktur als gemeinnütziger Verein blieb bestehen.

Für den Neustart der Landesreitschule hat sich eine „Allianz der Willigen“ gebildet. Dieser Arbeitskreis aus sieben Pferdesportbegeisterten hatte sich zum Ziel gesetzt, die Einrichtung in Hoya zu erhalten und voranzutreiben. Ein Businessplan für die nächsten fünf Jahre wurde im Dezember 2017 fertiggestellt. Auch ein neuer Schulleiter sollte gefunden werden. „Alle sind mit sehr viel Wohlwollen unterwegs, und jeder gibt Hilfestellung soweit möglich“, betont Willmer.

„Der Betrieb arbeitet nicht kostendeckend“

Zudem konnten namhafte Persönlichkeiten aus der Wirtschaft als potenzielle Vorstände für einen neuzugründenden Verein gewonnen werden. „Es gab auch viele Treffen und Gespräche mit dem Verein PSV Hannover hinsichtlich einer Fortführung der Landesreitschule sowie Gespräche mit Institutionen, die Vereine fördern“, sagt Willmer.

Als Insolvenzverwalter müsse er nach einem Jahr sein Augenmerk auf die Finanzen richten. „Der Betrieb arbeitet nicht kostendeckend, das muss man bei allem Wohlwollen deutlich machen. Wir brauchen einen Investor, der entweder die Landesreitschule übernimmt oder für die Kosten in der Übergangszeit einsteht.“ Sechs Monate mindestens seien nötig, um den Verein neu aufzustellen und Finanzierungsverhandlungen zu führen.

Aufgrund der angespannten finanziellen Situation im Insolvenzverfahren wurde Ende 2017 das Ziel gesetzt, zum 1. April 2018 eine Lösung für die Landesreitschule zu finden. Trotz aller Bemühungen sei es letztlich nicht gelungen, eine Fortführung des Geschäftsbetriebs im Insolvenzverfahren zu ermöglichen. Voraussetzung wäre eine Zusage über den Ausgleich der zu erwartenden Verluste ab dem 1. April 2018 gewesen. Zahlen nannte Willmer nicht.

„Wir sind gezwungen, die Konsequenzen zu ziehen“

Nun sieht der Insolvenzverwalter keine andere Möglichkeit, als den Geschäftsbetrieb ruhen zu lassen. „Wir sind gezwungen, die Konsequenzen zu ziehen. Wir machen das aber nicht, ohne einem potenziellen Investor noch die Möglichkeit zu geben, sich zu positionieren. Es ist fünf nach zwölf, aber es gibt noch Chancen“, macht Willmer deutlich. Sollte sich jedoch bis Mitte Mai kein Interessent mit einem konkreten Angebot gemeldet haben, sei man gezwungen, den Betrieb zum Ruhen zu bringen.

Die Stadt Hoya habe deutlich gemacht, dass sie Interesse am Fortbestand der Landesreitschule hat. „Sie wird auch weiterhin daran interessiert sein, dass das Objekt in gute Hände kommt“, ist Willmer sicher. Sollte sich kein Investor finden, werden die verbliebenen sieben Mitarbeiter zum 31. Mai betriebsbedingt gekündigt.

Es nützt nichts, „die Augen zu verschließen“

Die Landesreitschule Hoya bietet ein Gästehaus mit 36 Plätzen, Boxen für 79 Pferde, zwei Reithallen sowie zwei Außenplätze, Paddocks, die Möglichkeit zum Weidegang und zudem Lehrgänge, Unterricht, Ausbildung von Trainern und Pferden sowie Seminare und Schulungen an.

Stadtdirektor Detlef Meyer spricht mit Blick auf die Landesreitschule Hoya von einer „tollen Anlage, die für den Bereich Pferdehaltung und -sport ideal ist“. Weiter sagt er: „Eine Überlegung wäre, die Liegenschaft zu veräußern oder zu verpachten.“ Laut Meyer, der Mitglied in der „Allianz der Willigen“ ist, nützt es nichts, „die Augen zu verschließen, wenn die Zahlen die Schule nicht mehr tragen“. Fest steht für den Stadtdirektor: Mit dem Aus der Landesreitschule würde auch ein Stück Geschichte gehen. - vik

Quelle: kreiszeitung.de

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