Bürgerversammlung zum geplanten Umspannwerk

Hoyerhäger sorgen sich: Angst vor Krebs und Demenz

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Frank Schmidt-Hullmann.

Hoyerhagen - „Was haben Schweine und Bienen gemeinsam?“ Dass es eine absolut ernstzunehmende Antwort auf diese absonderlich scheinende Frage gibt, erfuhren die Teilnehmer einer Bürgerversammlung, die am Freitagabend im Dorfgemeinschaftshaus Hoyerhagen stattfand.

Schweine und Bienen, so erläuterte Rechtsanwalt Frank Schmidt-Hullmann, eint die Tatsache, dass sie in den Plänen für ein mögliches Umspannwerk an der Kreuzung Vogelsang und Tonnenweg nicht vorkommen.

Dabei wären laut Schmidt-Hullmann beide Spezies gefährdet, wenn die „Variante G Tivoli-Hoyerhagen“, die das geplante Umspannwerk ebendort vorsieht, verwirklicht werden würde. Sich gegen dieses Vorhaben zu wehren, ist das erklärte Ziel einiger betroffener Bürger. Ein bereits vorhandener Schweinemastbetrieb läge ohne Sicherheitsabstand im Plangebiet, und die für das Umspannwerk vorgesehene Fläche von zehn Hektar würde den Bienen zum Nektarsammeln fehlen. „Darüber haben sich die Planer anscheinend noch keine Gedanken gemacht“, sagte Schmidt-Hullmann in einem ausführlichen Vortrag zum Thema Umspannwerk. „Und wie sich elektromagnetische Felder auf Schweine auswirken, ist offenbar auch noch nicht bekannt.“

Schmidt-Hullmann schilderte den Stand der Planungen zum Ausbau der 380-kV-Leitung von Stade nach Landesbergen und ging auf die Fragen der Zuhörer ein.

Imker Helmut Dreyer war es, der darauf hinwies, dass durch den Flächenverlust beim Bau eines Umspannwerks die Bienen massiv gefährdet seien. Schmidt-Hullmann erklärte, dass die Insekten in den bisherigen Planungen nicht berücksichtigt worden seien. Deshalb sei eine Eingabe wegen der Gefahr für die so wichtigen Bienen unbedingt zu empfehlen.

Zeit bis zum 18. Oktober

In seiner Präsentation per Beamer zeigte Schmidt-Hullmann eine Luftaufnahme, in der auch die Position der vorhandenen Schweinestallanlage deutlich zu erkennen war.

Anke Hullmann, die Ehefrau des Referenten, hatte sich als Zuhörerin während der jüngsten Gemeinderatssitzung (wir berichteten) für die Einberufung der Bürgerversammlung eingesetzt – erfolgreich, wie sich am Freitagabend zeigte: Nicht weniger als 40 Einwohner Hoyerhagens folgten der Einladung. Anke Hullmann begrüßte die Versammlungsteilnehmer im Dorfgemeinschaftshaus. Sie und ihr Mann seien erst vor wenigen Jahren von Frankfurt am Main nach Hoyerhagen gezogen – wegen der ländlichen Umgebung und der Ruhe. Nun aber drohe ihnen unverhofft die Gefahr eines Umspannwerks buchstäblich vor der eigenen Haustür.

Anke Hullmann und weitere Anlieger beschlossen, etwas zu unternehmen, nachdem sie an einem Informationstermin der Betreiberfirma Tennet teilgenommen hatten.

Bis zum 18. Oktober sei noch Zeit, eine Eingabe an das zuständige Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) zu richten. Eine Unterschriftensammlung sei zwar wichtig, aber die schriftlichen Eingaben möglichst vieler einzelner Bürger seien wesentlich wirkungsvoller. Anke Hullmann verteilte deshalb ausgedruckte Formulierungshilfen mit Textbausteinen. Die betroffenen Einwohner können daraus ihre persönliche Eingabe zusammenstellen.

„Wer sich nicht meldet, wird übergangen“, sagte Schmidt-Hullmann. „Jetzt liegen wir noch auf Platz fünf der Rangfolge. Aber es kann durchaus passieren, dass wir plötzlich auf Platz eins landen.“ Das ArL sitze in Lüneburg. „Niemand dort kennt sich hier bei uns aus. Deshalb müssen wir unsere Einwände nennen und erklären.“ Voraussichtlich im Frühjahr 2018 werde das ArL seine Entscheidung zum Standort des Umspannwerks treffen; danach folge dann das Planfeststellungsverfahren.

„Wir sorgen uns um unsere Gesundheit“

Auf Anfrage aus den Zuhörerreihen sagte Schmidt-Hullmann, dass die schriftliche Eingabe auch per E-Mail an das ArL in Lüneburg gerichtet werden könne: rov-p24@arl-lg.niedersachsen.de.

„Wir sorgen uns um unsere Gesundheit“, steht als Überschrift über den Textbausteinen, die Anke Hullmann und ihr Ehemann für die Eingaben zusammenstellten. Unter anderem genannt wird die Gesundheitsgefährdung durch Elektrosmog, magnetische Felder und ionisierten Feinstaub. Es bestehe ein erhöhtes Risiko, an Krebs und Demenz zu erkranken. Weiter heißt es: „Aufgrund der Nähe zur geplanten Trasse und zum Umspannwerk am Tonnenweg wird unsere Immobilie nahezu wertlos. Die Immobilie ist ein Teil unserer Altersversorgung.“

Hinzu komme der Verlust der Wohn- und Lebensqualität durch magnetische Strahlung und Brummgeräusche. Anke Hullmann: „Ich habe das in Wechold ausprobiert. Schon in 800 Metern Entfernung sind die Brummgeräusche dort unerträglich. Und das dortige Umspannwerk ist dreimal kleiner als das bei uns geplante.“

Ferner nehmen die Vorschläge zum Eingabetext auch Bezug auf die Gefahren für Tiere. Verschiedene Vogelarten seien besonders stark gefährdet. hfr

Quelle: kreiszeitung.de

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