Unfallfahrer bezieht sich auf Erzählungen

Husum: Keine eigenen Erinnerungen mehr

Husum/Verden - Von Wiebke Bruns. Bei einem schweren Verkehrsunfall am 2. April 2017 auf der Landesstraße 370 bei Husum wurde ein 24 Jahre alter Mann getötet. Als Unfallverursacher wurde vom Amtsgericht Stolzenau im April 2018 ein heute 25 Jahre alter Angeklagter aus Münchehagen der fahrlässigen Tötung und Straßenverkehrsgefährdung schuldig gesprochen.

Die verhängte 18-monatige Freiheitsstrafe wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt. Dies hofft der Angeklagte mit seiner Berufung zu erreichen. Darüber zu entscheiden hat das Landgericht Verden in einem aktuellen Prozess.

Der Getötete saß an jenem Tag als Beifahrer im Auto des Angeklagten, dies gilt als unbestritten. Schließlich signalisierte der Verteidiger zu Beginn der Berufungsverhandlung, dass man die Berufung auf den Rechtsfolgenausspruch beschränken könne. Dies bedeutet, dass die Feststellungen in dem Urteil akzeptiert werden und es nur noch um die Strafhöhe geht. Doch zu dieser Beschränkung kam es nicht, denn Nebenklage und Staatsanwaltschaft machten deutlich, dass für sie eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht in Betracht komme.

Fest stehen dürfte, dass der bei dem Unfall selbst schwer verletzte Angeklagte alkoholisiert war. Eine Blutprobe, entnommen rund zwei Stunden nach Unfall, soll 0,85 Promille ergeben haben.

Zeugen berichteten, dass der Angeklagte sie und einen Lkw, der bei dem anschließenden Unfall gar nicht angehalten haben soll, noch überholt habe. Das Amtsgericht ging von einer alkoholbedingten Enthemmung bei der Fahrweise aus.

In einer Kurve war es zu dem folgenschweren Unfall gekommen. Mindestens 130 Stundenkilometer soll der Wagen des Unfallfahrers auf dem Tacho gehabt haben, als er von der Straße abkam, Bäume überfuhr und sich überschlug.

Ersthelfer befreiten die beiden Männer aus dem auf dem Dach liegen gebliebenen Audi. Der wenige Stunden später Verstorbene soll gar nicht mehr zu Bewusstsein gekommen sein. Seine Eltern und seine Schwester hörten als Nebenkläger im Gerichtssaal noch einmal alle schrecklichen Details der Verletzungen.

Der Angeklagte will keine Erinnerung an den Unfall und die Geschehnisse davor haben. Als „Fußfallfreund“ bezeichnete er das spätere Opfer. Auf dem Fußballplatz hätten sie sich nach einem Spiel getroffen. Dort soll Bier getrunken worden sein, aber das wisse er alles nur aus Erzählungen.

Thematisiert wurde ein früheres Verfahren, bei dem es auch um den Vorwurf der Trunkenheitsfahrt und einen Parkrempler ging. Dieses Verfahren wurde später eingestellt. Allerdings war dem 25-Jährigen während der Ermittlungen der Führerschein abgenommen worden. Erst zwei Monate vor dem tödlichen Unfall hatte er diesen laut dem Stolzenauer Urteil zurückerhalten.

Das Gericht hörte mehrere Zeugen. Wegen eines Anschlusstermins der Kammer, reichte die Zeit am ersten Verhandlungstag nicht aus, um die Beweisaufnahme abzuschließen.

Am 23. Januar um 13 Uhr wird das Berufungsverfahren fortgesetzt. An dem Tag soll auch ein Urteil verkündet werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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