„Keine Freunde – nur die Berge“

Ihre Flucht führte sie nach Hoya und ist verfilmt worden

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Eine Wohnung im Hoyaer Schloss ist seit zwei Jahren das Zuhause dieser kurdisch jesidischen Familie aus dem nördlichen Irak (von links): Saad, Sherman, Schamel, Jnar und ihr Vater Shalan Khalaf sowie ihre Mutter Sadia Bapir.

Hoya - Von Horst Friedrichs. In strahlendem Sonnenschein fliegt eine Drohne über Hoya und filmt atemberaubend schöne Bilder der Grafenstadt – mit der Weser, der leuchtend blauen Brücke und dem Schloss in unmittelbarer Nachbarschaft. So beginnt eine der Schlüsselszenen in dem Dokumentarfilm „Keine Freunde – nur die Berge“.

Im Mittelpunkt des Films steht eine kurdisch-jesidische Familie, die seit zwei Jahren in Hoya lebt. Der Autor des Streifens hatte sie während der Dreharbeiten in einem Flüchtlingslager in Kurdistan getroffen und später in der Grafenstadt erneut Kontakt mit ihnen aufgenommen. Der Film wird am Dienstag, 13. März, um 19 Uhr im Filmhof Hoya gezeigt.

Mit einer eindrucksvollen Kameraführung und nicht minder bestechender Dramaturgie schildert der Film neben der historischen vor allem die aktuelle Situation der Kurden, der Flüchtlinge und der Soldaten im Norden des Irak. Unter dem Originaltitel „No Friends But The Mountains“ haben Autor Kae Bahar und Kameramann Claudio Da Planta ein Werk geschaffen, mit dem sie einen Beitrag zu einem baldigen Ende der Jahrzehnte währenden Kurdenkonflikte leisten wollen. Kae Bahar ist selbst Kurde; in den 80er-Jahren floh er aus dem Irak. Seit den 90er-Jahren lebt er in England.

Die Vorführung am 13. März in Hoya wird voraussichtlich die einzige in Deutschland sein. Der Film ist für den englischsprachigen Markt vorgesehen und wurde in englischer Sprache produziert; einige Interviewszenen wurden überdies auf Kurdisch gedreht. „Gemeinsame Anstrengungen von Filmemachern, Filmhof und einigen Privatpersonen haben es möglich gemacht, den Film mit deutschen Untertiteln nach Hoya zu holen“, sagt Maria Schmoll, die die kurdische Familie als Patin betreut.

Das Leben heute

Seit genau zwei Jahren leben sie in Hoya: Shalan Khalaf (45) und seine Ehefrau Sadia Bapir (38) haben sich mit ihren fünf Kindern im einstigen Grafenschloss eine behagliche Wohnung eingerichtet. Die Kinder sind längst fest in das Schul- und Vereinsleben der Grafenstadt und des Landkreises eingebunden. Ihr Tochter Jnar Khalaf (18) besucht die Hauswirtschaftssparte der Berufsbildenden Schulen in Nienburg. Ihr ältester Sohn, Schamel (17), geht zur Gutenbergschule in Hoya. Seine Brüder Sherman (15) und Haidar (14) besuchen die Marion-Blumenthal-Oberschule, und der Jüngste, Saad (6), geht in den Kindergarten.

Shalan, das Familienoberhaupt, nimmt zurzeit an einem Integrationskurs in Nienburg teil. Seine Frau Sadia führt den Haushalt. Weil sie an einem schweren Fluchttrauma leidet, ist sie in psychiatrischer Behandlung.

Allen gemeinsam sind beachtliche Deutschkenntnisse, die sie seit ihrer Ankunft in der Bundesrepublik erworben haben. Erste „Anlaufstelle“ in Deutschland waren Verwandte in Celle. Dort und in der Umgebung gab es aber keine Unterbringungsmöglichkeiten. Deshalb kamen sie ins Lager Friedland, von wo aus sie schließlich nach Nienburg und dann nach Hoya gebracht wurden.

Die lange Flucht

2014 hatte die lange Fluchtgeschichte der Familie begonnen. Shalan Khalaf diente in ihrer Heimatstadt Sindschar als Polizist und erkannte gemeinsam mit seinen muslimischen Kollegen die drohende Gefahr, als der IS zunächst die Nachbarorte einnahm. Die Männer entledigten sich ihrer Uniformen und Dienstausweise und organisierten die Flucht buchstäblich in letzter Minute vor dem Einrücken der Kämpfer in die Stadt.

„Alles, was wir hatten, war ein Flasche Wasser“

„Es war eine Massenflucht in die Berge“, erinnert sich Jnar. „und alles, was wir hatten, war eine Flasche Mineralwasser.“ Einen viertägigen Fußmarsch über eisige Bergpässe mussten die Fliehenden bewältigen, ehe sie das Flüchtlingslager Dohuk in der autonomen Region Kurdistan erreichten. Dort lernten sie den Filmemacher Kae Bahar und seinen Kameramann Claudio Da Planta kennen, ehe sie sich auf den Weg machten, um zu den Verwandten in Deutschland zu gelangen. Über die Türkei und die Balkanroute schafften sie es schließlich.

Als Filmemacher Kae Bahar später noch einmal ins Flüchtlingslager Dohuk zurückkehrte, erfuhr er, dass „seine“ Familie inzwischen in Hoya lebte – und beschloss, seinen Dokumentarfilm in Hoya fortzusetzen.

Der Film ist für Zuschauer ab 14 Jahren zugelassen. Ausschnitte davon gibt es auf YouTube: https://goo.gl/YkV8Xk (Direktlink zum Suchergebnis mit mehreren Treffern)

Quelle: kreiszeitung.de

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