Informationsabend zum Thema „Gemeinwohl-Ökonomie“

Wenn es nicht nur ums Geld geht

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Sie beschäftigen sich bereits mit dem Modell der Gemeinwohl-Ökonomie: Nienburgs Wirtschaftsförderin Kerstin Lüders, Ernst Röhrs (Auehof Biogemüse), Ralf Nordmann(Nordmann-Bäder) , Dr. Anja Thijsen (Apotheke am Goethplatz), Anja Timpke (Weser-Aluminiumbau) und Manfred Sanftleben (v.l.).

Nienburg - Von Leif Rullhusen. In Unternehmensbilanzen bestimmen harte Zahlen über Erfolg oder Misserfolg. Umsätze und Gewinne sind maßgebliche betriebswirtschaftliche Größen.

In dem Wirtschaftsmodell des österreichischen Autoren und Attac-Mitbegründers Christin Felber spielen andere Faktoren eine entscheidende Rolle.

Felber hat das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) entwickelt und ist Koordinator der GWÖ-Bewegung. Der alternative wirtschaftliche Ansatz setzt auf Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Solidarität. Anhand einer Matrix und eines Punktesystems werden ethische, soziale und ökologische Aspekte bewertet.

Der Nienburger Grünen-Kommunalpolitiker Manfred Sanftleben hörte von diesem Ansatz im vergangenen Jahr im Rahmen eines wirtschaftsethischen Seminars in der Heimvolkshochschule Loccum. „Mein Interesse an der Gemeinwohl-Ökonomie war sofort geweckt“, blickt Sanftleben zurück. Mehr noch: Sanftleben informierte sich nicht nur über dieses Thema, er wurde aktiv. Der Nienburger stieß auf die GWÖ-erfahrene Unternehmensberaterin Urte Töpfer aus Berlin und beschloss, dieses nachhaltige Wirtschaftsmodell Betrieben aus dem Kreis Nienburg vorzustellen.

Manfred Sanftleben sprach verschiedene Firmeninhaber direkt an und stellte ihnen das Konzept vor. Auch Nienburgs Wirtschaftsförderin Kerstin Lüders holte er mit ins Boot. Gemeinsam luden sie schließlich rund 60 Unternehmen zu der Informationsveranstaltung „Gemeinwohl-Ökonomie – Ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell“ im August ins Nienburger Rathaus ein. Zwei Unternehmen stellten dort unter anderem ihre Erfahrungen mit der Gemeinwohl-Bilanz vor. „Unser Ziel war die Gründung eines Arbeitskreises, der sich zu diesem Thema regelmäßig trifft“, berichtet Sanftleben. Neun Firmeninhaber nahmen an der Veranstaltung teil. Vier von ihnen – Ernst Röhrs (Auehof Biogemüse), Ralf Nordmann (Nordmann-Bäder), Dr. Anja Thijsen (Apotheke am Goethplatz) und Anja Timke (Weser-Aluminiumbau) – werden sich im Rahmen des Arbeitskreises weiter mit der Gemeinwohl-Ökonomie befassen.

Manfred Sanftleben und Kerstin Lüders wollen sich auf diesem Erfolg allerdings nicht ausruhen. Sie haben bereits eine zweite Informationsveranstaltung mit dem gleichen Titel organisiert. Für den kommenden Freitag, 20. Oktober, laden sie um 17 Uhr ins Witebsk-Zimmer des Nienburger Rathauses ein. Zwei Unternehmen werden wieder ihre GWÖ-Erfahrungen präsentieren, die Moderation übernimmt Unternehmensberaterin Töpfer. Firmeninhaber, die mehr über diesen wirtschaftlichen Ansatz erfahren möchten, haben noch bis Dienstag, 17. Oktober, die Möglichkeit sich zu dem Abend bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Nienburg anzumelden. Ansprechpartnerin ist Christina Thomas (Tel. 05021/87318, E-Mail c.thomas@nienburg.de).

Wer in der Gemeinwohl-Matrix genügend Punkte sammelt, bekommt von Urte Töpfer übrigens ein entsprechendes Zertifikat. „Noch sind für ein Engagement in diesem Bereich Idealismus und Neugier notwendig“, weiß Sanftleben. Langfristig könne er sich aber eine Förderung der Politik für die betreffenden Unternehmen vorstellen. Auch eine Berücksichtigung ethischer, sozialer und ökologischer Gesichtspunkte bei der Vergabe von Krediten sei denkbar. Die Sparda-Bank aus München engagiert sich bereits als eines von 2200 Unternehmen weltweit für die Gemeinwohl-Ökonomie.

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