Jäger und Wolfsbeauftragte informieren über mögliche Ansiedlung im Landkreis

Angst und Tierquälerei

+
Symbolbild

Nienburg - Von Hans-Jürgen Wachholz. Der Wolf in Niedersachsen – auch im Landkreis Nienburg? Zu diesem Thema hatte das Kulturwerk am Mittwoch eingeladen und mehr als 300 Interessierte angelockt – von denen viele wegen Überfüllung des Saals auf eine weitere Veranstaltung im April vertröstet wurden.

Immigrant oder normaler Spätheimkehrer? Wie immer das Auftauchen des seit mehr 100 Jahren hierzulande ausgerotteten Wolfes einzustufen ist, sein Ruf hat nach den ihm zugeschriebenen Blutbädern Schrammen bekommen. Seit Mitte November wurden im südlichen Landkreis Diepholz 20 Schafe getötet und fünf verletzt (wir berichteten).

So wild und gefährlich wie im Märchen, sei der Wolf nicht, ist sich Britta Habbe sicher. Wichtig sei trotzdem, dass der Mensch sich „wolfsgerecht“ verhalte. Wie dieses Verhalten auszusehen hat und wie die wölfische Migrationsbewegung wissenschaftlich begleitet wird, darüber informierte sie als Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen. Mit ihr stellten sich Sabine Fröhlich vom Fachdienst Naturschutz des Landkreises, Kreisjägermeister Harrald Frerking, die ehrenamtlichen Wolfsberater Christian Lohmeyer und Hubert Wichmann sowie Klaus Bosse vom Naturschutzbund den Fragen des Publikums.

Mit der Jahrtausendwende kamen die ersten Wölfe von Polen. Ihre Streifzüge führten sie von Sachsen nach Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern und schließlich nach Niedersachsen. Hier sind heute fünf der 35 deutschen Wolfsrudel oder Paare sowie drei territoriale Einzeltiere zwischen Elbe und Ems sowie Harz und Nordsee nachgewiesen.

Sind die Rudel eine Gefahr für die Menschen? „Nein“, sagte Habbe. Wolfsfamilien seien über Generationen hinweg standorttreu und verteidigen ihr Revier. Eine „Wolfs-Verdichtung“ sei nicht zu befürchten. Denn die geschlechtsreifen Jungtiere verlassen das Rudel, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Dabei durchstreifen sie Gebiete von mehreren Hundert Quadratkilometern.

Solange der Beutegreifer nicht angefüttert wird, meide er den Menschen. Ganz oben im Beuteschema des Wolfes rangiere mit 54 Prozent Rehwild vor Rotwild (22 Prozent) und Schwarzwild (18 Prozent). Nutztiere stehen mit 0,6 Prozent am Ende der Skala, so Habbe.

Wenn Nutztiere gerissen werden, dann würden jedoch Emotionen geweckt. Deshalb sei, berichtete Habbe, die Landesregierung bemüht, die Tierhalter über wirksame Schutzmaßnahmen zu informieren, gewerbliche Tierhalter auch finanziell zu unterstützen und bei nachgewiesenen Wolfsattacken zu entschädigen. Bedingung dafür sei, dass die Minimal-Schutzrichtlinien erfüllt werden (90 Zentimeter hoher Elektrozaun mit Untergrabung).

Theorie und Praxis

liegen weit auseinander

In Sachen Entschädigung (maximal 5000 Euro pro Tier und maximal 15000 Euro in drei Jahren für gewerbliche Tierhalter, null für Hobbyzüchter) wurde ebenso wie bei der Debatte um den optimalen Schutz vor Wölfen trotz allem Bemühen um Sachlichkeit deutlich, wie weit Amtsstube und Praxis auseinander liegen. Elektrozäune mit 4500 Volt könnten die zu schützenden Tiere schädigen und seien auch für Menschen „nicht ohne“, gab Wolfsberater Lohmeyer zu bedenken. Die Zäune seien mancherorts sogar verboten. Schutzhundegebell oder Warngeschrei von Eseln zögen in der Nähe von Wohnsiedlungen Ärger nach sich, berichtete ein Schäfer. Wer trägt den Schaden, wenn es zu einem Unfall mit Wolfsbeteiligung kommt? Die Schadensfrage war leicht zu beantworten: die Teil- oder Vollkaskoversicherung des Kraftfahrers. Zur Erlösung eines verletzten Wolfes seien weder Jagdpächter noch Polizei befugt. Dieses sei Sache des Amtsveterinärs. Wolfsberater Lohmeyer brandmarkte dies als „staatlich verordnete Tierquälerei“.

Abschließend bat Kreisjägermeister Frerking um Meldung jeder Wolfssichtung oder vermeintlichen Spur. Die Nachweise seien zwar noch nicht da, aber er gehe davon aus, dass „wir mindestens einen Wolf im Kreis Nienburg haben“.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Auto

Der Mercedes GLB ist ein Familienauto in cool

Der Mercedes GLB ist ein Familienauto in cool
Genuss

Vorsicht: Diese Lebensmittel sollten Sie auf keinen Fall aufwärmen

Vorsicht: Diese Lebensmittel sollten Sie auf keinen Fall aufwärmen
Welt

"Bibersee" sogar auf Google Maps

"Bibersee" sogar auf Google Maps
Karriere

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Meistgelesene Artikel

Nienburg: Polizei schnappt betrunkenen Einbrecher

Nienburg: Polizei schnappt betrunkenen Einbrecher

Landkreis Nienburg: Krätze breitet sich weiter aus

Landkreis Nienburg: Krätze breitet sich weiter aus

Landesgesundheitsamt warnt: Grippewelle rollt an

Landesgesundheitsamt warnt: Grippewelle rollt an

Bürgermeister tritt nach Angriffen von rechts zurück - und erhält weiter Drohungen

Bürgermeister tritt nach Angriffen von rechts zurück - und erhält weiter Drohungen

Kommentare