CDU und SPD beschönigen nichts

„Jamaika“? In der Samtgemeinde Hoya herrscht Skepsis

Samtgemeinde - Von Michael Wendt. 13  528 Wahlberechtigte, 35 weniger als vor vier Jahren – das ist der Anteil der Samtgemeinde Hoya an der Bundestagswahl 2017. 74,1 Prozent von ihnen haben am Sonntag von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Das waren deutlich mehr als 2013 (71,5 Prozent) und etwas weniger als laut Hochrechnungen im Bundesschnitt.

Eines ist seit 2013 gleich geblieben: Gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig (Kirchdorf) hat der SPD-Kandidat keine Chance. Das galt 2013 für den Bassumer Christoph Lanzendörfer und aktuell für den Weyher Tevfik Özkan. Nur im Wahlbezirk Eystrup II erhielt der 29-jährige SPD-Kandidat in der Samtgemeinde Hoya am Sonntag mehr Stimmen als Knoerig, der die Region damit zum dritten Mal hintereinander im Bundestag vertreten wird.

Die Ergebnisse im Bezirk Eystrup II (gewählt wurde im Rathaus) sind auch bezüglich der Zweitstimmen herausragend:

– Die SPD erhielt dort mehr Kreuze als die CDU, was ihr samtgemeindeweit nur noch in Hoya I (Schulzentrum) und Hilgermissen/Ubbendorf/Mehringen/Wienbergen (Gasthaus „Zum Goldenen Krug“) gelang, und

– die AfD erhielt satte 14,5 Prozent. Ein zweistelliges Ergebnis holte sie ansonsten nur noch in Hassel (13,5 Prozent). Samtgemeindeweit liegt sie bei 8,5 Prozent und damit deutlich unter dem Bundesschnitt.

Dennoch war das gute Abschneiden der AfD am Sonntagabend natürlich auch bei den Ortsvereinsvorsitzenden von CDU, SPD, Grünen und FDP ein Thema.

CDU

„Auch wenn wir hier in der Samtgemeinde deutlich besser abschneiden als bundesweit, so enttäuscht das CDU-Ergebnis doch insgesamt. Die FDP ist sicher ein Faktor, der die CDU Stimmen gekostet hat, aber acht Prozentpunkte zu verlieren, das ist schon heftig“, sagt Wilhelm Bergmann-Kramer, CDU-Ortsverbandsvorsitzender aus Eystrup. Das gute Abschneiden der AfD zeige, dass viele Wähler unzufrieden sind.

Und die mögliche neue Koalition? Wie steht Wilhelm Bergmann-Kramer zu einem „Jamaika-Bündnis“? „Eine Koalition mit den Grünen finde ich persönlich als Landwirt nicht gut“, sagt er. Unter dem grünen Landwirtschaftsminister in Niedersachsen hätten die Bauern doch gelitten.

SPD

„Als ich die Hochrechnung gehört habe, wurde mir direkt ein bisschen flau“, sagt Heide Wirtz-Naujoks, stellvertretende SPD-Ortsvereinsvorsitzende aus Hoya. Desaströs, enttäuschend, dramatisch sei das Ergebnis der Sozialdemokraten. Ist es deshalb richtig, in die Opposition zu gehen? „Ja“, sagt Heide Wirtz-Naujoks. „Ich sehe das als Chance. Man muss die Herausforderung annehmen, sich ganz neu aufstellen und erneuern.“ Opposition zu machen, sei aber auch ein großer Auftrag, betont sie.

Das gute Abschneiden der AfD liegt der Hoyaerin schwer im Magen. „13 Prozent für die AfD, das ist einfach unglaublich! Ich hoffe, dass das auch viele Nichtwähler wachrüttelt“, sagt sie.

Etwas Positives gewann Heide Wirtz-Naujoks der Wahl aber dennoch ab: „Ich bin stolz auf unseren Kandidaten Tevfik Özkan, dass er angetreten ist und bei uns in der Samtgemeinde 28,2 Prozent geholt hat. Er hatte ja nun wirklich keinen leichten Stand gegen den erfahrenen Axel Knoerig.“

Grüne

„Ich bin erfreut, dass die Grünen so viele Stimmen bekommen haben. In der Samtgemeinde sind wir drittstärkste Kraft“, sagt Annette Kaufmann, Ortsvereinsvorsitzende aus Dedendorf. Und eine „Jamaika-Koalition“ – kann das aus Grünen-Sicht klappen? „Wenn wir die richtigen Ämter kriegen, ist das möglich“, sagt Annette Kaufmann. Sie hoffe, dass ihre Partei in der Sozial- und Landwirtschaftspolitik Akzente setzen kann. Als Grüner Landwirtschaftsminister in Niedersachsen habe Christian Meyer gute Eckpunkte gesetzt. „Dass die AfD so viele Stimmen erhalten hat, erschreckt mich. Und auch das schlechte Abschneiden der CDU hätte ich so nicht erwartet“, sagt Annette Kaufmann.

FDP

Beatrix Alhusen, Ortsvereinsvorsitzende der FDP aus Eystrup, spricht erst einmal gar nicht vom großen Erfolg ihrer Partei, sondern über die AfD. „Ihr Abschneiden zeigt: Es ist viel Protestpotenzial da, und man kann mit den Ängsten der Leute spielen“, folgert sie. Und das Ergebnis der FDP? „Das ist toll. Ich glaube, im neuen Bundestag wird nun auch rhetorisch ein neuer Wind wehen. Ich hoffe natürlich auf einen liberalen Freiflug in Richtung Zukunft, auf mutige Politik.“ Bei einer „Jamaika-Koalition“ sieht sie das größte Problem im Aufeinandertreffen von Grünen und CSU: „Wir als FDP sind ja liberal, aber Grüne und CSU – wie sollen die unter einen Hut?“ Flüchtlingspolitik und Landwirtschaft sieht Beatrix Alhusen diesbezüglich als Knackpunkte. „Aber ich kann mir grundsätzlich schon vorstellen, dass man zusammenkommt“, sagt die Eystruperin.

Quelle: kreiszeitung.de

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Reisen

Neues von Thomas Cook: Fokus auf Familien und höhere Preise

Neues von Thomas Cook: Fokus auf Familien und höhere Preise
Leben

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland
Karriere

Wie werde ich Winzer/in?

Wie werde ich Winzer/in?
Wohnen

Zu Tisch! - Große Tafeln brauchen Raum zum Wirken

Zu Tisch! - Große Tafeln brauchen Raum zum Wirken

Meistgelesene Artikel

67-jähriger Motorradfahrer stirbt bei Verkehrsunfall

67-jähriger Motorradfahrer stirbt bei Verkehrsunfall

Wahlplakat brannte in Nienburg

Wahlplakat brannte in Nienburg

30 Rettungskräfte üben Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, THW und ASB

30 Rettungskräfte üben Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, THW und ASB

Blasorchester freut sich auf musikalische Rückkehr ins Kulturzentrum

Blasorchester freut sich auf musikalische Rückkehr ins Kulturzentrum

Kommentare