Schüler von JBG und OBS Hoya recherchieren

„Jetzt spioniert doch mal euren Sitznachbarn aus!“

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Gleich in der Pause nach dem Workshop schauten (von links) Leonie, Luna und Emma nach, welche Daten Lunas Smartphone übermittelt.

Hoya - Von Michael Wendt. „Man muss die Schüler da packen, wo sie überrascht werden“, sagt Maik Landsmann, Lehrer am Johann-Beckmann-Gymnasium (JBG) in Hoya. Beim Präventionstag rund um die Themen Smartphone und Internet haben die Referenten die Kinder am Freitag richtig gepackt.

Die Mädchen und Jungen erlebten zahlreiche Aha-Momente. Sie erfuhren auch, wie sie ein sicheres Passwort finden, wie sie eine Schwangerschaft vor Google verbergen und wie sie ihren Sitznachbarn im Internet ausspionieren – dabei waren einige überrascht, wie viel einzelne öffentlich von sich preisgeben.

An dem Präventionstag im Gymnasium nahmen die Sechstklässler des JBG und der Oberschule (OBS) Hoya in gemischten Gruppen teil. Aufgrund des Wetters und damit verbundener Schulbus-Ausfälle verpasste allerdings mehr als ein Drittel die Aktion.

Mit dem Beispiel Schwangerschaft verdeutlichte der Referent Thomas Floß, wie Google Daten verknüpft. In einem von ihm geschilderten Fall war das ganz simpel. Aus der Suche nach einem Schwangerschaftstest und der späteren Suche nach Kinderspielzeug folgerte der Konzern: Die Nutzerin ist schwanger. Google verkaufte ihre Adressdaten an ein Unternehmen, das Werbemittel an werdende Mütter verschickt. Die Schwangere wohnte in diesem Fall noch bei ihren Eltern, die anhand der ins Haus flatternden Prospekte eins und eins zusammenzählten.

Das weiß Google über euch: Thomas Floß erklärte, wie das Unternehmen das mit seinen verschiedenen Angeboten erworbene Wissen über Nutzer zu einem Gesamtbild verknüpft.

Anhand von Beispielen wie diesem verdeutlichten die insgesamt fünf Referenten von der EDV-Unternehmensberatung Floß aus Versmold bei Gütersloh, welche Risiken in der Nutzung von Internetdiensten liegen. Sie taten dies nicht mit erhobenem Zeigefinger. Ihnen ging es nicht darum, die Nutzung von Smartphone und Internet zu verbieten. Vielmehr vermittelten sie das Wissen darüber, welche Daten die Schüler von sich preisgeben – und wie sie es schaffen, deren Weitergabe einzuschränken.

In dieser Form gab es den Präventionstag für alle Sechstklässler des Schulzentrums das erste Mal. Thomas Floß hat bereits mehrfach am JBG referiert. Die Dienste seines Unternehmens für einen ganzen Tag zu buchen, das wäre für die Schule allerdings nicht erschwinglich gewesen. Deshalb finanzierte der Präventionsrat Grafschaft Hoya das rund 2 000 Euro teure Projekt. Initiiert und organisiert hatte es Maik Landsmann, der als Lehrervertreter im Präventionsrat sitzt. „Für die Klassen fünf bis zehn hat unsere Schule ein Präventionskonzept“, erklärt JBG-Leiter Lutz Bittner. In der sechsten Klasse wird deshalb die Nutzung von Smartphone und Internet thematisiert.

Ob Whatsapp, Facebook, Instagram und Snapchat oder kostenlose Apps fürs Smartphone: „Fünf- und Sechstklässler konsumieren eigentlich nur; das Hinterfragen kommt später“, sagt Maik Landsmann. Mit dem Präventionstag sollen sie zum Nachdenken angeregt werden. Thomas Floß riet ihnen, sich vor allem bei kostenlosen Apps immer zu fragen: „Warum sind die kostenlos?“ Die Antwort lautet oft: Weil im Hintergrund private Daten an Firmen übermittelt werden, die damit Geld verdienen.

„Manche sagen dann: ,Es ist mir egal, was die mit meinen Daten machen!‘“, erzählt Thomas Floß. Er mahnt aber: „Die Firmen erhalten auch die Daten, die man selbst von anderen bekommen hat.“

Um Schülern nachhaltig dabei helfen zu können, ihre Daten zu schützen, wünscht sich Lutz Bittner, dass das JBG ihnen dauerhaft Hilfestellung gibt. Maik Landsmann nahm die Idee begeistert auf und schlug vor, Schüler anzulernen, die dann den übrigen helfen. So macht es das JBG bereits mit den „Umweltscouts“.

Quelle: kreiszeitung.de

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