Heimatmuseum-Zweigstelle „Treffpunkt Trefurt“ eröffnet am Sonntag

Jüdische Erinnerungsstücke

Eine festlich gedeckte Tafel zum Abendessen vor dem Sabbat ist eines der Ausstellungsstücke, die im „Treffpunkt Trefurt“ zeigen, wie jüdische Familien einst in Hoya lebten. Den Informations- und Ausstellungsraum im ehemaligen Geschäftshaus Trefurt gestalteten Mitglieder der zum Museumsverein gehörenden Interessengemeinschaft Synagoge. An einem Pressegespräch zur bevorstehenden Eröffnung des „Treffpunkts Trefurt“ nahmen teil (von links): Ulrike Taenzer, Otto Heidecke, Elfriede Hornecker, Heike Huth, Hilli Seidler, Dr. Jens Neinhardt, Henry Meyer, Anne-Sophie Wasner, Herma Kroppach und Werner von Behr. Foto: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Nun ist das Museum auch mitten in Hoya vertreten“, sagte Ulrike Taenzer, Leiterin des Heimatmuseums Hoya. Anlass für ihre Feststellung war ein Pressegespräch zur Eröffnung des „Treffpunkts Trefurt“ an der Deichstraße 3, die am Sonntag von 11 bis 18 Uhr stattfindet. Im vorderen Bereich des ehemaligen Geschäftshauses Trefurt hat die Interessengemeinschaft (IG) Synagoge, die zum Museumsverein gehört, einen Informations- und Veranstaltungsraum zum jüdischen Leben im Hoyaer Land gestaltet. Schon die Schaufenster sind ein Blickfang, vermitteln sie doch mit historischen Fotos und Exponaten einen ergreifenden Eindruck von allem Weiterem, das im Inneren des Hauses gezeigt wird.

Der „Treffpunkt Trefurt“ ist eine Dependance, eine Zweigstelle, des Heimatmuseums Grafschaft Hoya. Dort stellt die Interessengemeinschaft Synagoge viele ihrer gesammelten Bilder, Akten und Erinnerungsstücke von jüdischen Familien aus, die in Hoya und Umgebung gelebt haben. „Im Museum konnten diese Materialien nur eingeschränkt gezeigt werden“, berichtete Ulrike Taenzer. „Nun aber sind die Exponate für alle Interessierten an zentraler Stelle in der Stadt zugänglich, überdies in unmittelbarer Nähe zu den Häusern, in denen Hoyas jüdische Bürger lebten und arbeiteten.“ Außerdem liege der „Treffpunkt Trefurt“ für Gruppen, die auf den Spuren der Stolpersteine unterwegs sind, „auf dem Weg“.

„Der ,Treffpunkt Trefurt’ soll ein Ort der Begegnung werden“, sagte Elfriede Hornecker von der IG Synagoge in ihrer Begrüßung. „Hier sollen Informationen gesammelt und ausgetauscht werden. Die jüdischen Familien, die in Hoya gelebt haben, sollen nicht vergessen werden.“ Der „Treffpunkt Trefurt“ werde künftig immer donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr sowie nach Bedarf geöffnet sein. Elfriede Hornecker dankte der Familie Huth, die als Hauseigentümerin das Zimmer zur Verfügung stellt. Raumausstattermeister Karl Oppeneiger, der den Raum zuvor nutzte, betreibe weiterhin seine Werkstatt in einem hinteren Raum.

Heike Huth von der IG Synagoge wies auf die gute Zusammenarbeit mit den Schulen hin und hob dabei die Marion-Blumenthal-Oberschule und das Johann-Beckmann-Gymnasium hervor. Die Bedeutung Marion Blumenthals als einzige noch lebende Hoyaer Holocaust-Überlebende werde letztlich durch die Namensgebung der Oberschule wirkungsvoll unterstrichen. Heike Huth würdigte die Arbeit von Otto Heidecke, der die vielen gesammelten Fotos reproduziert und „ausstellungsreif“ gemacht habe, und von Henry Meyer, der in nicht minder unermüdlichem Schaffen die Dokumente gesammelt und zusammengestellt habe. Heike Huth: „Über weitere Ausstellungsstücke würden wir uns sehr freuen.“

Ein Foto von der einstigen Hoyaer Synagoge gibt es in der Sammlung der Interessengemeinschaft noch immer nicht, obwohl sich alle Beteiligten seit Jahren darum bemühen. Dr. Jens Neinhardt: „Wir wissen nach wie vor nicht, ob es überhaupt ein Foto von der Synagoge gibt.“ Wenn also jemand das Rätsel um die Existenz eines solchen Fotos lösen könne, wäre die IG Synagoge überaus dankbar. Mit der Gedenkstätte Synagoge, dem Druckereimuseum und dem „Treffpunkt Trefurt“ gebe es in fast unmittelbarer Nachbarschaft an der Deichstraße nun drei gewichtige kulturelle Schwerpunkte. Im neuen Treffpunkt seien auch Veranstaltungen mit Musik, Literatur und Diskussionen möglich.

Bürgermeisterin Anne-Sophie Wasner erklärte: „Die Stadt Hoya ist dankbar dafür, dass es die Interessengemeinschaft gibt. Hier zeigt sich, dass im Laufe der Jahre ein Baustein zum anderen kam.“ Werner von Behr äußerte Zuversicht: „Wenn wir Hilfe brauchen, wird die Stadt uns sicher unterstützen.“ Ulrike Taenzer dankte im Namen des Museumsvereins für die Einrichtung des Treffpunkts.

Kulturprogramm

Aufführungen des Theaterstücks „RemembeRing“mit der Schauspielerin Liora Hilb finden am Donnerstag und Freitag, 7. und 8. November, in der Aula der Marion-Blumenthal-Oberschule statt.

Quelle: kreiszeitung.de

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