Ein Abend gegen das „Dominanz-Missverständnis“ zwischen Menschen und ihren Hunden

Der „Kampf“ hat ein Ende

Zum „Fachgespräch“ in der Pause kam zu (v.l.) Anja Johannsen, Anja Nicklaußen und Referent Rolf C. Franck auch Hündin „Dolly“ aufs Sofa.

Hoya - EITZENDORF (ike) · Mit einem großen Missverständnis wollte der Hundetrainer Rolf C. Franck am Mittwochabend in Eitzendorf aufräumen: der Dominanz-Theorie und dem damit verbundenen Glauben, dass ein Mensch seinen Hund unterwerfen muss, damit das Zusammenleben gut funktioniert. Menschen sollten ihren Hunden eher Elternfiguren sein, rät Franck.

Der Glaube, Hunde strebten an die Spitze der Rangordnung, sei schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts verbreitet. Abgeleitet hätten Forscher das von Beobachtungen anderer Tiere, unter anderem Bienen. Erst später hätten Wissenschaftler sich dem Zusammenleben in einem Wolfsrudel zugewandt – und dabei sicherlich schon einige der Ergebnisse im Kopf gehabt, auf deren Bestätigung sie warteten, erklärte Franck den Zuhörern im gut gefüllten Saal des Gasthauses „Zur Post“. So war lange Zeit die Meinung weit verbreitet, bei Wölfen gebe es ein „Alphapaar“ sowie einige „Beta-“ und „Omegatiere“, die entsprechend weniger „zu sagen“ hätten. Diese Ergebnisse einfach auf Hunde zu übertragen, habe zu weiteren Missverständnissen geführt – und sicherlich auch zu Schwierigkeiten in Beziehungen zwischen Menschen und ihren Haustieren: „Denn eins ist klar – Hunde sind keine Wölfe“, stellte Rolf C. Franck klar.

Forscher wie David Mech hätten entdeckt, dass Wölfe in Familienverbänden leben, in denen die Eltern meist den Ton angeben, die Jungtiere „ausziehen“, wenn sie erwachsen sind, und alle gemeinsam auf die Welpen aufpassen. Bei Hunden wiederum sei es noch ein wenig anders. In „ihrer“ Familie hätten sie zu den Mitgliedern unterschiedlich starke Beziehungen, je nachdem, wie intensiv sich die Menschen mit ihnen beschäftigten oder wer ihnen Futter gebe. Und die Rolle des Hundes in der Familie ? „Die Erkenntnis aus meiner Arbeit ist: Hunde sehen sich als unmittelbares Zentrum des Universums“, sagte Franck – und seine Zuhörer lachten, als ob ihnen dieses Bild nur allzu bekannt vorkomme. Wie soll sich nun der Mensch seinem Hund gegenüber verhalten ? Rolf C. Franck ist Anhänger der Theorie des englischen Hundetrainers Peter Neville: „Hunde sind wie Elfjährige.“ Die Tiere hätten im Laufe ihrer Domestikation einiges an Selbstständigkeit abgelegt und benötigten nun den Menschen als Elternfigur, der Regeln aufstelle, ihnen Futter gebe und ähnliches.

Regeln, wie man sich dem Hund gegenüber niemals verhalten dürfe, um zu zeigen, dass man selbst der dominante Part sei, kannten die Besucher des „Hundeabends“ in Eitzendorf genug. „Der Hund darf nicht vor dem Mensch durch die Tür gehen“, „Der Hund darf nicht vor dem Menschen essen“, „Der Hund darf keine erhöhte Sitzposition haben“ hörte Franck auf seine Frage.

In einigen Gesichtern spiegelte sich ein wenig Erleichterung, als Franck schmunzelte und danach davon sprach, dass der „Kampf“ um die Dominanz ein Ende haben solle. So riet er einer Frau, deren Hund nicht einsehen wolle, dass er nicht ins Bett dürfe, sie solle ihn mit deutlichen Worten zurechtweisen und vielleicht auch mal am Halsband rucken. „Ein Kind, dass zur falschen Zeit ins Bett krabbeln möchte, würden Sie schließlich auch nicht einfach auf den Boden werfen“, verdeutlichte er.

Quelle: kreiszeitung.de

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