Vorschlag stößt im Landkreis Nienburg auf wenig Gegenliebe

„Katzensteuer ist Blödsinn!“

Katzensteuer? Für die Tierschützer kein umsetzbarer Vorschlag. - Foto: imago

Landkreis   Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Eine Steuer für Katzen, ähnlich wie die bei Hunden? Dafür findet Silvana Romann vom Tierschutz Nienburg „Drakenburger Heide“ ein deutliches Wort: „Blödsinn!“ Diese ganze Diskussion sei in ihren Augen überhaupt nicht durchdacht. „Es gibt so viele Katzen, wie wollen sie das denn kontrollieren, ob auch jede besteuert ist? Wieviele Menschen wollen sie dafür einstellen? Das ist unmöglich, das sind Träumereien.“

Nicht mal jeder Hundebesitzer würde seinen Hund anmelden oder chippen, obwohl es Pflicht ist. „Anstatt so eine Steuer einzuführen, sollte man lieber dafür sorgen, dass die Besitzer ihre Tiere wirklich kastrieren lassen. Und diejenigen, die dem nicht nachkommen, sollten auch sanktioniert werden.“ Ein Vorbild in dieser Sache ist für Romann die Gemeinde Bruchhausen-Vilsen, die die Kastrationspflicht erfolgreich umsetzt.

Und wenn es auf irgendeinem Wege doch möglich wäre, die Steuer einzuführen? „Dann sollten von den Einnahmen Tierschutzvereine gefördert werden, die dafür sorgen, dass Katzen registriert und kastriert werden – oder eben gemeinnützige Einrichtungen.“

Gefahr für Singvögel 

Auch der Vorsitzende der Jägerschaft Nienburg, Ralf Eickhoff, hält nicht viel von einer Katzensteuer. „Man könnte sie für Besitzer einführen, die mehr als drei Katzen halten. Das kann dazu führen, dass die Leute achtsamer werden und ihre Katzen sich nicht unkontrolliert vermehren lassen“, glaubt Eickhoff. Oft ufere die Vermehrung nämlich aus – mit gravierenden Folgen für die Singvogelwelt und auch für die Allgemeinheit, denn Katzen, die verwildern, können sich mit verschiedenen Krankheiten wie Tollwut anstecken und sie weitertragen. „Alles muss ein gesundes Maß haben.“

Doch ob die Steuer der richtige Ansporn für Besitzer ist, wagt Eickhoff zu bezweifeln. „Eine konsequente Kastration wäre wohl eine bessere Lösung. Man will ja auch niemanden bestrafen. Aber es geht eben auch nicht, dass das Verhalten einiger Besitzer auf Kosten der Allgemeinheit geht.“

Füherschein statt Steuer

Einen Katzenführerschein anstelle einer Katzensteuer würde sich Linda Christof vom Tier- und Umweltschutzhof Geißblatt in Warpe wünschen. „Ich halte eine Steuer für nicht umsetzbar. Wir können schon jetzt oft Halter von Fundkatzen nicht zuordnen. Vielleicht funktioniert das in der Stadt, aber nicht im ländlichen Raum, wo viele Tiere herumstreunen und manchmal einfach von Leuten mitgenommen werden.“

Christof hat den Eindruck, dass mit einer Steuer die Haltung des Tiers „ungemütlich“ gemacht werden soll und das sei an sich „kein schöner Gedanke“. Sie würde sich lieber einen „Führerschein“ wünschen, wie es auch schon einen für Hunde gibt. „Ein Seminar, in dem der Besitzer etwas über das Wesen und die Bedürfnisse seines Tieres erfährt. So wird ein ganz anderes Bewusstsein geschaffen.“

Der Stellenwert für Katzen soll angehoben, wünschen sich Tierfreunde. 

Weiterhin solle das Chippen, Registrieren und Kastrieren der Tiere verstärkt werden. „Das verändert auch den Stellenwert der Katze. Ein Besitzer, der in sein Tier schon investiert hat, wird intensiver nach ihm suchen. Ein Hund, der entläuft, wird fast immer wieder abgeholt. Bei Katzen kommt es vor, dass niemand nach ihr sucht“, sagt Christof.

So fing die Diskussion an

Doch will die Politik jetzt die Katzensteuer einführen? Nein. Losgetreten hat die Debatte eine Äußerung des Bundessprechers der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, der auf Anfrage der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Steuer nicht ablehnte, sondern sagte, man brauche dafür erst mal mehr Informationen. Die Partei stellte sofort klar: Berichte, man fordere eine Katzensteuer, seien „Quatsch".

Richtig ist aber: Deutschland hat mancherorts ein Katzenproblem. "In einzelnen Regionen Deutschlands haben sich Kolonien aus herrenlosen, wildlebenden Katzen entwickelt, weil Tiere ausgesetzt wurden oder entlaufen sind", sagt eine Sprecherin von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). "Die Katzen erfahren ohne menschliche Obhut und Versorgung häufig Schmerzen, Leiden oder Schäden in teilweise erheblichem Ausmaß."

Aber nicht nur die Katzen selbst, auch ihre Beutetiere brauchen Schutz. "Der Speiseplan sieht immer ähnlich aus", sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Wenn man von zwei Millionen herrenlose Katzen in Deutschland ausgehe, dann fielen diesen pro Jahr 14 Millionen Vögel zum Opfer. Eine Katzensteuer fordern die Jäger aber nicht. Das sei vielleicht eine Möglichkeit, aber Sache der Politik. Sie sprechen sich für eine flächendeckende Pflicht für Katzenhalter aus, ihre freilaufenden Haustiere registrieren und kastrieren zu lassen. Vorbild sei die Paderborn, wo man so eine Regelung früh eingeführt habe.

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Quelle: kreiszeitung.de

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