Übertragung durch Zecken

FSME-Virus im Landkreis Nienburg: Kaum bekannte Gefahr

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Während er in einem Uchter Wald unterwegs war, wurde ein junger Mann von einer Zecke gebissen.

Landkreis Nienburg - Die durch Zecken übertragbare Krankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 476 FSME-Fälle gemeldet. Dies war der zweithöchste Wert seit Beginn der Meldepflicht. Dass es auch im Landkreis Nienburg Fälle gegeben hat, in denen sich Betroffene innerhalb der Kreisgrenzen an FSME angesteckt haben, bestätigt jetzt Landkreissprecher Cord Steinbrecher.

In der vergangenen Woche teilte die Behörde noch mit, es gebe keine gemeldeten Fälle, bei dem dieser Kreis auch definitiv der Infektionsort ist. Nach Informationen einer Frau aus Bohnhorst, wurde ihr Sohn im Jahr 2016 in Uchte von einer Zecke gebissen und erkrankte schließlich.

Dieser Fall ist auch dem Landkreis bekannt, wurde aber zunächst übersehen, erklärt Steinbrecher. Und in 2017 habe es ebenfalls eine Infektion im Kreisgebiet gegeben. „Bei diesen Fällen war keine Reisetätigkeit der Betroffenen erkennbar. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden sie hier gebissen“, sagt der Sprecher.

Dessen ist sich auch die Familie aus Bohnhorst sicher. Im Juni 2016 war sie gemeinsam im Waldstück Rauher Busch in Uchte-Hoysinghausen unterwegs.

Ein Schock für die Familie

Dass sie am Abend Zecken an sich gefunden haben, war für die Bohnhorster normal. Diese wurden wie gewohnt entfernt. Über mögliche Krankheiten haben sie sich zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken gemacht. Auch nicht, als der damals 19 Jahre alte Sohn etwa eine Woche später Erkältungssymptome aufwies. Als diese jedoch nicht weggingen und der junge Mann auch Probleme damit hatte, seinen Arm zu bewegen, wurde die Sache ernst. In einem Mindener Krankenhaus stellten Ärzte schließlich die Diagnose: Es konnte sich nur um FSME handeln.

Ein Schock für die Familie, der nicht bekannt war, dass diese Erreger auch in Niedersachsen vorkommen. Sie schließen aus, dass sich der Sohn diesen Virus an anderer Stelle eingefangen haben könnte. In den südlich gelegenen Risikoländern wie Bayern oder Baden-Württemberg sei er nicht gewesen. Trotz der späteren Behandlung bleibt bei dem Bohnhorster eine Lähmung im Arm. „Die Ärzte sagten, wenn diese nach einem Jahr nicht weg ist, bleibt sie bestehen“, klagt die Mutter.

Mit dem Virus muss der Körper aber allein fertig werden

Die Entzündung der Hirnhaut und des zentralen Nevensystems kann nicht ursächlich behandelt werden. Ärzte haben zwar die Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern – mit dem Virus muss der Körper aber allein fertig werden.

Daher ist es der Mutter wichtig, dass über die Gefahr aufgeklärt wird. Sie möchte keine Panik auslösen, weißt auch auf die Möglichkeit einer Impfung hin. FSME ist eine Viruserkrankung, für die es einen Impfstoff gibt. Die ebenfalls durch Zecken übertragbare Krankheit Borreliose hingegen wird durch Bakterien ausgelöst, gegen die keine Impfung hilft.

Der Landkreis sei kein Risikogebiet

Eine Empfehlung für diesen Schutz etwa vom Robert Koch-Institut (RKI) gibt es für die Region aktuell nicht, da kein Landkreis in Niedersachsen zurzeit die Kriterien eines FSME-Risikogebietes nach der Definition des RKI erfüllt, teilt das Landesgesundheitsamt (NLGA) mit.

„Für Risikogruppen, also für Personen, die einer intensiven Zeckenexposition ausgesetzt sind, scheint aber eine FSME-Impfung auch in Niedersachsen sinnvoll zu sein“, erklärt das NLGA. Hintergrund dieser Einschätzung ist, dass in den vergangenen Jahren auch in Niedersachsen einzelne Fälle gemeldet wurden, bei denen die Infektion vermutlich in Niedersachsen stattgefunden hat.

Hinweise auf ein Vorkommen des Virus in Niedersachsen geben eine Studie des NLGA bei niedersächsischen Forstbediensteten und sporadische Nachweise in verschiedenen Zeckenpopulationen. Eine Infektion mit dem Virus in Niedersachsen sei zwar unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen.

Impfraten zum Teil rückläufig

Obwohl die in Deutschland gemeldeten FSME-Erkrankungen tendenziell ansteigen, stagnieren die Impfraten und sind zum Teil rückläufig, teilt der Pharmakonzern Pfizer mit. Mehr als 400 Impfungen waren zuletzt 2013 gemeldet worden. Die höchste Fallzahl seit Beginn der Meldepflicht lag bei 546 im Jahr 2006.

Die Familie aus Bohnhorst hat sich impfen lassen. Davon wird ihr Sohn zwar nicht wieder gesund, jedoch verringert es die Gefahr einer weiteren Ansteckung. 

jom

Quelle: kreiszeitung.de

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