Keine Mutationen nachgewiesen

Keine Erklärung für steigende Coronazahlen im Landkreis Nienburg: Inzidenz bei 216,7

Das Impfzentrum für den Landkreis Nienburg in Drakenburg
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Am 8. Februar soll das Impfzentrum in Drakenburg seine Arbeit aufnehmen.

Im Landkreis Nienburg wird darüber spekuliert, was die Ursache für die steigenden Corona Infektionszahlen in Pflegeheimen und Krankenhaus sein kann: „Niemand wird durch die Impfung krank“, sagt der Pressesprecher des Landkreises, Cord Steinhauer. Auch für eine Infektion durch die Impfteams gebe es keine Hinweise. Mutationen wurden ebenfalls nicht nachgewiesen.

Landkreis - von Maren Hustedt. Drei Todesfälle an einem Tag und eine Inzidenzzahl von 216,7 – das ist die traurige aktuelle Bilanz der Corona-Pandemie im Landkreis Nienburg. Wie kann es sein, dass in etwa zeitgleich mit Beginn der Impfungen in den Pflegeheimen im Landkreis die Fallzahlen von Corona-Infektionen in solche Höhen schnellen, wie es sie hier vorher noch nie gegeben hat? Diese Frage stellen sich derzeit viele Nienburger. Die Redaktion des Blickpunkts erreichte dazu sogar ein anonymer Leserbrief, in dem die These aufgestellt wird, die Impfung selbst habe den Ausbruch verursacht.

Hat die Impfung selbst den Ausbruch verursacht?

„Niemand wird durch die Corona-Impfung krank“, widerspricht Cord Steinbrecher, Pressesprecher des Landkreises Nienburg, dieser These vehement. Und auch für die Annahme, dass möglicherweise die Mitglieder der Impfteams das Virus in die Einrichtungen eingeschleppt hätten, lägen keinerlei Hinweise vor.

In einem Pressegespräch am vergangenen Montag kommentierte Landrat Detlev Kohlmeier: „Wenn so eine Entwicklung ist, haben nicht alle alles richtig gemacht.“ Auf welchem Weg der Virus sich tatsächlich ausgebreitet haben mag, ist wohl für niemanden mehr nachvollziehbar. Pressesprecher Steinbrecher stellt noch einmal ausdrücklich klar, dass mit der Erstimpfung noch kein vollständiger Schutz gegen eine Infektion mit dem Coronavirus gegeben sei. „Eine Ansteckung ist auch nach der ersten Impfung noch möglich.“ Erst sieben Tag nach der zweiten Impfung sei der maximal zu erreichende Impfschutz gegeben.

Ausbreitungsweg nicht nachvollziehbar

Dass die hohen Fallzahlen auf eine Mutation des Coronavirusses zurückzuführen seien, könne derzeit auch nicht bestätigt werden, so Steinbrecher. „Die Proben, die wir zum Sequenzieren eingeschickt haben, wurden mit den vier geläufigsten Varianten verglichen und nicht als solche identifiziert.“

Die Sequenzierung – also Identifikation – der Virenproben sei derzeit noch sehr aufwendig, weil die Arbeitsschritte noch nicht automatisiert worden sind. Das Probenmaterial werde im Labor in seine Einzelteile zerlegt und dann visuell mit den Abbildungen bekannter Mutationen verglichen. „Das braucht seine Zeit“, so Steinbrecher.

Keine mutierten Viren nachgewiesen

Zeit braucht offenbar auch die Versorgung der Bevölkerung im Landkreis mit dem Impfstoff gegen Corona. „Wir sind nicht glücklich mit der Entwicklung“, erklärt Steinbrecher. Nur 390 Termine seien über die verschiedenen Portale vergeben worden. „Und die waren in nur 40 Minuten weg.“ Für mehr Termine fehle schlichtweg der Impfstoff. „Am 8. Februar geht es los mit den Impfungen im Impfzentrum Drakenburg“, so Steinbrecher. Bis zum 9. Februar sollen die Erstimpfungen in den Pflegeheimen abgeschlossen sein. Die nächste Lieferung mit Impfstoff erwartet der Landkreis für den 4. Februar. „Der ist dann mit den terminierten Impfungen bereits wieder aufgebraucht“, stellt Steinbrecher in Aussicht. Wann der nächste Impfstoff den Landkreis erreiche und weitere Termine geplant werden können, sei bisher nicht bekannt.

Nur 390 Impftermine vergeben

Mit einer Videobotschaft wandte sich Landrat Detlev Kohlmeier am Freitag an die Mitarbeiter, Gesundheits- und Pflegekräfte in den Krankenhäusern und in den Alten- und Pflegeheimen im Landkreis. Er sagt darin: „Die zweite Welle hat nun auch die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit voller Wucht getroffen. In der Hochzeit entfielen darauf mehr als die Hälfte der täglichen Neuinfektionen.“

Landrat Kohlmeier sendet Videobotschaft an Pflegepersonal

In dieser Situation erbrächten Gesundheits- und Pflegekräfte „einen höchstpersönlichen, emotional und körperlich manchmal extrem belastenden Einsatz“.

Dafür dankte der Landrat ausdrücklich und wies gleichzeitig auf die Herausforderung hin, die bevorstehenden Wochen und Monate gut zu meistern. „Die angelaufene Impfkampagne lässt uns – bei aller Holprigkeit, über die ich mich unheimlich geärgert habe – dennoch: Sie lässt uns hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Dass wir dabei alle gesund bleiben, das wünsche ich Ihnen und uns.“

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