Bundeswehr: Soldaten der Clausewitz-Kaserne im Auslandseinsatz wurden nicht belästigt

Keine Schikanen in Nienburg

Ein viel gefragter Mann: Oberstleutnant Oliver Prost gestern Nachmittag im Interview auf dem Gelände der Nienburger Clausewitz-Kaserne.

Nienburg (ike) · Ruhe in ein empfindliches Thema zu bringen, bemühte sich gestern Nachmittag der Kommandeur des EloKaBtls 912, Oberstleutnant Oliver Prost, in der Nienburger Clausewitz-Kaserne.

Verschiedene Medien hatten berichtet, die Bundeswehr „verstecke“ Angehörige, die in den Auslandseinsatz gingen. Grund seien Schikanen, die Soldaten und deren Familien bereits erlebt hätten: anonyme Anrufe, Beschimpfungen und Einbrüche in leerstehende Häuser. In Nienburg sei sowas aber noch nicht vorgekommen, so Prost. Am Freitag hatten die Nienburger 26 Soldaten nach Afghanistan verabschiedet.

Es stimme, sagten Prost und Knut Freter, Oberstleutnant und Pressestabsoffizier des Landeskommandos Niedersachsen, dass auf den Fotos, die das Bataillon von der Verabschiedung am Freitag den Medien zur Verfügung gestellt hatte, die Gesichter und Namensschilder der Soldaten nicht zu erkennen gewesen seien. Von verpixelten Gesichtern, wie es in einigen Medienbeiträgen geheißen habe, könne aber keine Rede sein.

„Wir wollen die Privatsphäre unserer Leute schützen“, sagte Prost. Die Soldatinnen und Soldaten sollten sich auf den Einsatz konzentrieren können und nicht auf das, was möglicherweise zu Hause passiere. Er habe auch schon davon gehört, dass Familien von Bundeswehrsoldaten Anrufe bekommen hätten, dass ihr Angehöriger gestorben sei. „Aber das sind bundesweit Einzelfälle“, betonte Prost, der auch nicht sagen konnte, wie viele solcher Vorfälle es pro Jahr gibt. Wer solch einen Anruf bekomme, sollte aber auf keinen Fall in Panik verfallen. Die Bundeswehr überbringe die Nachricht von Verletzung oder Tod eines Soldaten nur persönlich.

Um Einbrüche zu verhindern, wenn die Soldaten – wie derzeit in Afghanistan – mehrere Monate im Ausland weilen, habe sich „ein starkes kameradschaftliches System“ eingespielt. Sofern sich weder Freunde, Verwandte oder Nachbarn der Soldaten um Dinge wie Briefkasten leeren, Blumen gießen oder „nach dem Rechten sehen“ kümmern könnten, würden dort auch andere Soldaten oder die Mitarbeiter der Nienburger Familienbetreuungsstelle einspringen. „Dieses System greift und funktioniert.“

Wie es in den Berichten zur „Verquickung“ solcher Vorfälle mit dem Standort Nienburg gekommen sei, konnten sich weder Oliver Prost noch Knut Freter erklären. „Bei uns hat es solche Fälle jedenfalls noch nicht gegeben.“ Ein Sicherheitsoffizier würde solche Anrufe protokollieren, damit man die Daten etwa an die Polizei weitergeben könne. Dort liege aber nichts vor.

Prost und Freter hoffen nun, dass die Berichte die Angehörigen der Nienburger Soldaten nicht beunruhigen. Es sei aber immerhin positiv zu bewerten, dass sich nun auch der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus in den Fall eingeschaltet habe und die Öffentlichkeit von solch geschmacklosen und pietätlosen „Scherzen“ erfahre.

26 Soldaten des 23. ISAF-Kontigents reisten am Freitag aus Nienburg nach Kundus in Afghanistan an. Vier Monate werden sie dort bleiben. Das EloKaBtl 912 stellt seit seiner Aufstellung im Jahr 2003 dauerhaft Kontingente für die Auslandseinsätze der Bundeswehr ab.

Quelle: kreiszeitung.de

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